Altbauwohnungen in Zürich: Schweizer ziehen aus, Deutsche ein
Von Patrick Kühnis. Aktualisiert am 07.09.2010 75 Kommentare
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Der Zürcher Wohnraum ist knapp. Erst recht seit Juni 2007, als die volle Personenfreizügigkeit in Kraft ist. Seither liessen sich pro Quartal durchschnittlich 4000 Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger im Kanton nieder. Der wirtschaftliche Abschwung stoppte diesen Zustrom weit weniger stark als erwartet. Das Bevölkerungswachstum blieb letztes Jahr so hoch wie zu früheren konjunkturellen Blütezeiten.
Zwei Zuzüger, eine Wohnung
Vor allem die Zuwanderung von 2007 und 2008 hätten «die Aufnahmefähigkeit des Wohnungsmarkts an seine Grenzen gebracht», schreibt das kantonale Statistische Amt in einer neuen Analyse. Denn es gelte die Faustregel, dass es pro zwei Zuzüger eine zusätzliche Wohnung brauche. Im Schnitt wurden zwar auch 2000 Wohnungen pro Quartal gebaut, um die Nachfrage zu stillen. Als aber in drei Quartalen jeweils bis zu 10'000 Personen nach Zürich zügelten, konnte das der Markt nicht mehr schlucken.
Erstmals hat Statistiker Urs Rey dank der Harmonisierung der Einwohnerregister auch untersucht, welche Wohnungen Einheimische und Zuzüger belegen. Die gängige Meinung, dass sich gut ausgebildete Einwanderer auf schöne neue Wohnungen stürzen, bestätigte sich dabei nicht. Im Gegenteil: «Neubauten wurden vor allem von der Schweizer Bevölkerung belegt», sagt Rey. Diese bezog fast 60 Prozent aller neuen Mietwohnungen, 75 Prozent des Stockwerkeigentums und 80 Prozent der Einfamilienhäuser.
Ein ganz anderes Bild
Ein ganz anderes Bild zeigt sich bei den Altbauwohnungen im Kanton (vor 2006 gebaut). Dort gilt: Schweizer Haushalte zogen eher aus, ausländische eher ein – und brauchten weniger Platz. Im Jahresschnitt 2006 bis 2008 teilten sich jeweils 7700 ausländische Mieter Wohnungen, die zuvor 5000 Schweizer bewohnt hatten. Fast die Hälfte der neuen Bewohner (3700) waren Deutsche.
Genau in diesem Punkt macht aber Rey die «problematischste Auswirkung der hohen Zuwanderung» auf den Wohnungsmarkt aus: Wären mehr moderne Wohnungen zu konkurrenzfähigen Preisen zu haben, würde ein Teil der alten Wohnungen aus dem Markt fallen, die Leerstände erhöhen und den Preisdruck mindern. Das sei aber nicht der Fall: «Auch qualitativ ungenügende Wohnungen finden dank des Wanderungsdrucks meist problemlos wieder Bewohner, ohne dass die Mieten nach unten angepasst werden.» Die Folge: Die Preisspirale dreht sich weiter.
Rey geht sogar davon aus, dass die Mieten noch anziehen könnten, wenn sich die derzeit einmalig tiefen Hypothekarzinsen erhöhen. «Ein Teil der Eigentumsnachfrage verlagert sich dann auf das Mietsegment, was dort den Preisdruck nochmals erhöht.»
In Genf wird weniger gebaut
Die hohe Zuwanderung hat aber auch ihre guten Seiten. Denn sie ist laut Rey der Grund, dass so viele neue Wohnungen gebaut werden wie seit den Siebzigern nicht mehr. 2009 waren es zum dritten Mal in Folge mehr als 9000 – mit Schwerpunkt im Limmattal und Glattal. Der Statistiker macht das anhaltende Bevölkerungswachstum verantwortlich für diesen Bauboom. «Die Aussicht auf eine robuste Wohnungsnachfrage hat in Zürich bei Investoren ein Klima des Vertrauens geschaffen, um für zahlreiche Wohnbauprojekte grünes Licht zu geben.» In Genf etwa sei das ganz anders. Dort sei die Zuwanderung auch hoch und der Wohnungsmarkt ausgetrocknet, aber es werde trotzdem wenig gebaut.
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Erstellt: 06.09.2010, 23:19 Uhr
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75 Kommentare
Vielen Dank für solche Berichte - damit wird ja wohl nur der Deutschenhass geschürt. Ich musste mir als Deutsche während der Wohnungssuche so einiges gefallen lassen. Pöbeleien und Beschimpfungen bei Wohnungsbesichtigungen kamen mehrmals vor, was ich von einem zivilisierten Land wie der Schweiz nicht erwartet hätte. Ich hoffe, die Lage wird sich bald entspannen. Antworten


































