«An der Street Parade leere ich eine Kiste Bier - höchstens»

Sie sind angekommen, die ersten Raver – und sie sind bereits verkatert. Auf dem Campingplatz Seebucht in Wollishofen füllten sich am Freitagmorgen die Altglascontainer mit Bier- und Wodkaflaschen.

Street Parade: Ich werde eine Kiste Bier trinken - höchstens. (Video: Roman Weber)

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Sven* ist mit vier Freunden aus der Nähe von Tübingen angereist - nicht nur für die Street Parade, aber auch. Und dass er nicht nüchtern feiern wird, daraus macht er keinen Hehl: «Klar werde ich trinken.» Und wie viel? «Bis er nicht mehr kann», sagt sein Kumpel Tobi*.

Im Zelt nebenan steht eine halbvolle Flasche Jägermeister auf dem Frühstückstisch. «Von gestern Abend», beschwichtigt Mirko, der mit drei Freunden aus dem deutschen Kinsigtal angereist ist. Und auch sie sagen klipp und klar: Wir sind zum Feiern hier. Und dazu gehört Alkohol, Bier am liebsten. «Ich werde wohl etwa eine Kiste Bier leeren. Höchstens», sagt Mirkos Reisebegleiter Thomas. Auf den Tag verteilt sei das gar nicht so viel.

«Wir wissen, wann Schluss ist»

An der Street Parade vor einem Jahr mussten 250 Personen wegen Alkohols und Drogen behandelt werden. Zu viele, findet die Vorsteherin des Polizeidepartements Esther Maurer. In einem Interview im Tages-Anzeiger stellte sie sogar die Bewilligung für die nächste Auflage des Umzugs in Frage, sollte sich die Situation nicht bessern.

Davon wissen die Partygänger auf dem Zürcher Campingplatz nichts. Und sind überzeugt, dass sie nicht Teil des Problems sind. «Wir wissen immer genau, wann Schluss ist», sagt der Tübinger Sven, während er eine leer getrunkene Kiste Bier vor sein Zelt stellt. Immerhin sei er wegen des Alkohols noch nie mit der Polizei in Konflikt geraten.

Kein Problem der Street Parade

Für den Geschäftsführer des Campingplatzes Andreas Glättli geht es an der Street Parade längst nicht mehr um Musik und Kostüme, sondern «nur noch ums Zudröhnen». Deshalb hat er eine private Sicherheitsfirma engagiert, die während dieser Tage rund um die Uhr patrouillieren wird. Allerdings glaubt Glättli, dass die Alkoholexzesse kein spezifisches Problem der Street Parade sind: «An der Euro war es viel schlimmer als jetzt.» Optimistisch stimmt ihn einzig, dass am Freitagmorgen deutlich weniger Kampftrinker auf seinem Campingplatz logierten als die Jahre zuvor.

Tatsächlich finden sich einige Partygänger, die sagen, es gehe auch mit wenig Alkohol. Frederico aus Rom etwa hat am Donnerstagabend für sich und seine beiden Begleiter sechs Dosen Bier gekauft. Sehr viel mehr wird er auch die kommenden Tage nicht trinken, sagt er. Ähnlich klingt es von Dave aus Den Haag: «Ich bin kein grosser Trinker.» Er zieht Cannabis dem Alkohol vor.

* Name der Redaktion bekannt (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.08.2008, 14:04 Uhr

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