Arbeitslose machen neues Stadt-TV
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Nur einen Steinwurf vom Letzigrundstadion entfernt, zwischen Letzipark und Schlachthof, liegt der Mediencampus. In diesem unscheinbaren Gebäudekomplex wird Chreisgleis.tv produziert, das einmal pro Woche eine neue Sendung online aufschaltet. Das TV-Webmagazin wird von Arbeitslosen von A bis Z selber produziert.
«Wir sind Anfang Juli nach einer Vorbereitungszeit von neun Monaten sehr gut gestartet», sagt Geschäftsleiter Copi Remund. Jetzt gehe es darum, das Chreisgleis.tv bekannter zu machen. Das Fernsehen deckt die Gebiete um das Industriequartier, von Aussersihl bis Höngg, von Wipkingen bis Altstetten und Albisrieden, ab. Alles, was es für den Empfang braucht, ist ein Computer mit Internetzugang.
Das neue Stadt-TV rückt die Quartierbewohner in den Vordergrund. Ihnen gehört das Wort, sie werden im Bild gezeigt. Remund: «Wir erzählen ihre Geschichten, schildern ihre Probleme und Anliegen.»
In sechs Monaten zum VJ
Die VJs recherchieren direkt vor Ort und ermuntern die Leute, sich zu äussern und in die öffentliche Diskussion einzumischen. Der neue Web-TV-Sender ist gleichzeitig auch eine Plattform des gegenseitigen Austausches, denn die Zuschauer können eigene Videos auf die Homepage hochladen.
Hinter Chreisgleis.tv steckt die Job-TV-Medienwerkstatt, ein vor 15 Jahren gegründetes Beschäftigungs- und Weiterbildungsprogramm für Arbeitslose. Rund 35 Arbeitslose und Ausgesteuerte erhalten die Gelegenheit, während maximal sechs Monaten die Medienwerkstatt zu besuchen. In einer Mischung aus Arbeit und Weiterbildung können sie ihre Vorkenntnisse in den Bereichen Internet, Video, Media Design, Grafik und IT-Support vertiefen, ergänzt durch Kurse und Bewerbungscoaching. Finanziert wird Job TV durch einen Leistungsauftrag des Seco, des Staatssekretariats für Wirtschaft. Das Team besteht sowohl aus Medienprofis wie auch aus Quereinsteigern. Geübt wird Woche für Woche unter professioneller Anleitung, von der Recherche über Interviewtechnik, Kameraführung und Tontechnik bis zur Postproduktion. Viele der Teilnehmer sind zwischen 25 und 30 Jahre alt. Die Erfolgsquote kann sich laut Remund sehen lassen: 56 Prozent haben nach der sechsmonatigen Ausbildung wieder einen Job gefunden.
Qualität schwankt noch
Die ersten Beiträge sind im Netz aufgeschaltet. Sie beschäftigen sich unter anderem mit dem Lochergut und der Hardau, dem Albisriederplatz und der Schmiede Wiedikon. Die Qualität der Sendungen schwankt noch, teilweise sind einzelne Beiträge zu PR-lastig ausgefallen. Copi Remund ist sich dieser Schwäche bewusst: «Wir versuchen, die redaktionelle Qualität von Sendung zu Sendung zu steigern.»
5000 Zuschauer als Ziel
Seit Chreisgleis.tv auf Sendung ist, wird jede Folge von rund 2000 Zuschauern angeklickt. 5000 sind das Ziel der Macher, mindestens zwei Jahre will man mit dem Webmagazin online sein. Angst, dass die Themen ausgehen, hat Remund nicht. «Da mache ich mir bei dieser spannenden Stadt keine Sorgen.» Über alles wird berichtet, die grösste Baustelle, den lebendigsten Quartierladen, die lärmigste Strasse oder den am tiefsten gelegten BMW. Die neuste Sendung widmet sich der Kalkbreite, und die kommende befasst sich mit der Ecke Badenerstrasse/Langstrasse.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 31.08.2010, 22:36 Uhr




