Atlantis-Besetzer feierten – und kapitulierten

Gestern liessen die Atlantis-Besetzer die letzte Party im Hotel steigen. Dann verliessen sie die Räume. Der Mieter ist erfreut – und hofft, die Zimmer vier Jahre lang vermieten zu können.

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Gestern um 20 Uhr stieg im besetzten Hotel Atlantis eine laute Party. Die Besetzer luden zum letzten Fest, denn die letzte Frist rückte näher: Bis heute um 12 Uhr gab die Stadtpolizei den unbeliebten Gästen Zeit, das Hotel zu verlassen. Danach hätten die Beamten die Räume mit einem Grossaufgebot geräumt.

Doch die Besetzer sind freiwillig aus dem Atlantis ausgezogen. Sie haben dem Mieter Werner Hofman einen Abschiedsbrief geschrieben. «Lieber Werner, für uns alle war das eine sehr intensive Zeit. Du warst für uns ein inspirierender und offener Gesprächspartner.» Obwohl die Besetzer scheinbar ein gutes Verhältnis mit Werner Hofmann hatten, dürften diese Zeilen ironisch gemeint sein. An eine Wand ist ein gelbes Herz geschmiert, in der Mitte steht «Werner».

«Our narcism is viewable from space»

Nach der Party stinkt es in den Räumen nach Alkohol, Rauch und Müll. Eine Scheibe ist eingeschlagen, Wände verschmiert, da und dort hat die Einrichtung Blessuren abbekommen. Werner Hofmann ist jedoch erleichtert, dass es nicht zu grösseren Schäden gekommen ist. «Ich bin happy, dass die Besetzer das Gebäude in diesem Zustand hinterlassen haben», sagt er gegenüber Tagesanzeiger.ch.

Auch Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei Zürich, äussert sich zufrieden zum Abzug: «Die Praxis im Umgang mit Hausbesetzern hat sich bewährt. Der diplomatische Weg ist der richtige.» Cortesi ist froh, dass es nicht zu einer Konfrontation gekommen ist. «Die Polizei setzte eine Frist bis zwölf Uhr. Danach wäre das Hotel rasch geräumt worden.»

Wohnungen für vier Jahre

Zurück bleiben eine grössere Menge Hinterlassenschaften wie Einrichtungsgegenstände, Abfall und Basteleien. Etwa die Nachbildung einer Heckflosse eines Flugzeugs, auf der «Our narcism is viewable from space» geschrieben steht. Zu Deutsch: Unser Narzissmus ist vom Weltraum aus sichtbar. Diese haben die Besetzer an die Mündung des Döltschiwegs abgestellt, an der das Hotel Atlantis liegt.

In den kommenden Wochen will Hofmann eine halbe Million Franken in die einfache Renovation des Hotels investieren. Die Besetzer rechneten ihm vor, dass sich diese Investition nicht lohnt, wenn in eineinhalb Jahren die angekündigten Eigentumswohnungen realisiert werden sollen. Doch Hofmann geht davon aus, dass die 160 Studentenwohnungen in den nächsten vier Jahren bestehen bleiben, wie er gegenüber Tagesanzeiger.ch sagt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.11.2010, 11:42 Uhr

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