Zürich

Auf Geheiss von Bern stellen die VBZ mehr Tram- und Busführer ein

Von Jürg Rohrer. Aktualisiert am 09.11.2012 18 Kommentare

Der Entscheid des Bundesamtes für Verkehr im Streit um die Wegzeiten schafft 14 zusätzliche Stellen.

Bekommt bald Verstärkung: Die VBZ schaffen 14 neue Stellen. Auf dem Bild ein Zürcher Tramfahrer am 11. Mai 2011.

Bekommt bald Verstärkung: Die VBZ schaffen 14 neue Stellen. Auf dem Bild ein Zürcher Tramfahrer am 11. Mai 2011.
Bild: Keystone

Tram Hardbrücke

Ein Jahr Verspätung

Im Dezember 2016 sollte die Tramlinie 8 über die Hardbrücke bis zum Werdhölzli verlängert werden, um den Bahnhof Hardbrücke ans Tramnetz anzubinden und die Stadtkreise 4, 5 und 9 besser miteinander zu verbinden. So sah bislang der Fahrplan aus. Doch jetzt gilt Dezember 2017 als Eröffnungstermin, weil National- und Ständerat erst Ende 2014 über die Beiträge aus dem Infrastrukturfonds entscheiden werden. 102 Millionen Franken kostet die Tramverlängerung Hardbrücke, wovon der Bund zur Förderung des Agglo­merationsverkehrs 35 Prozent übernehmen soll. Vom Rest übernimmt der Kanton aus dem Verkehrsfonds 95 Prozent. Die Ausgabe kann vors Volk gebracht werden. Auf die Stadt kommen Ausgaben von 11,4 Millionen Franken für die Tramverbindung und Anpassungen am Bahnhof Hardbrücke zu, und weitere 2,7 Millionen Franken für einen «Convenience-Store» auf dem Hardplatz. (jr)

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Von einem «historischen Sieg» sprach die Gewerkschaft VPOD Mitte August, nachdem ihr das Bundesamt für Verkehr recht gegeben hatte: Wegzeiten sind ausnahmslos Arbeitszeit. Wenn eine Tramführerin oder ein Buschauffeur den Fahrdienst beendet hat und zu Fuss oder per Tram/Bus ins Depot zurückkehrt, in dem der Dienst begonnen hat, dann gilt diese Rückkehr als Arbeitszeit, unabhängig davon, wie lange die Rückkehr dauert.

Im Unterschied zu den SBB oder anderen Verkehrsunternehmen haben die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) eine gestufte Regelung: Bis 7 Minuten Wegzeit gibt es gar keine Zeitvergütung, erst ab 10 Minuten gibt es die volle Anrechnung. Die VBZ verstehen das als eine Art Mischrechnung, weil viele Fahrerinnen und Fahrer nach Dienstschluss direkt nach Hause gehen und nicht ins Depot zurückkehren, um sich umzuziehen oder Persönliches abzuholen. Diese Regelung war lange Praxis – sie war aber auch genauso lange umstritten.

Beschwerde gegen «unbezahlte Gratisarbeit»

2008 reichte der VPOD beim Bundesamt für Verkehr Beschwerde gegen die «unbezahlte Gratisarbeit» ein. Durch einen Warnstreik vor dem Depot Irchel im Mai 2011 erfuhr auch die Öffentlichkeit von den Querelen, wobei diese Minutenklauberei Laien kaum verständlich zu machen war. Aber auch das Bundesamt verstand die Regelung der VBZ nicht: «Es ist nicht nachvollziehbar, wieso 10 Minuten Wegzeit als Arbeitszeit angerechnet werden sollen, jedoch zum Beispiel 7 Minuten Wegzeit nicht.»

Nach einiger Überlegung akzeptierten die VBZ die Verfügung und verzichteten auf den Gang ans Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen. Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) als Financier des öffentlichen Verkehrs im Kanton Zürich stützte diesen Verzicht. Das bedeutet, dass ab Fahrplanwechsel am 9. Dezember auch die kurzen Rückwegzeiten in die Dienstpläne eingebaut werden. Die Dauer der Wegzeiten wird neu, wie von der Gewerkschaft verlangt, nach dem Online-Fahrplan berechnet.

Zusatzkosten von 1,2 Millionen

Konsequenz der neuen Dienstpläne: Die VBZ brauchen 14 neue Stellen, um die Zeit wettzumachen, die dem Fahrpersonal als Arbeitszeit gutgeschrieben wird, die es aber als Wegzeit nicht hinter dem Steuer verbringt.

Dabei handelt es sich im Einzelfall zwar lediglich um ein paar Minuten, aber bei insgesamt rund 1300 Fahrerinnen und Fahrern summiert sich das aufs Jahr. 4½ Vollstellen werden für den Trambetrieb und 9½ Stellen für den Busbetrieb geschaffen. Inklusive Sozialversicherungsbeiträgen steigen die Lohnkosten damit um rund 1,2 Millionen Franken. Das entspricht einem mittleren Jahressalär von 86'000 Franken. Die zusätzlichen Personalkosten werden die VBZ mit dem Budget 2013 beim Verkehrsverbund beantragen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.11.2012, 09:34 Uhr

18

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18 Kommentare

Hana Joch

09.11.2012, 09:59 Uhr
Melden 56 Empfehlung 22

Die Chauffeure wurden also jährlich um 1.2 Millionen betrogen. Sauerei. Antworten


Adam Gretener

09.11.2012, 12:03 Uhr
Melden 15 Empfehlung 6

Endlich keine widerrechtlichen 14Stunden-Schichten mehr. Antworten



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