Auf Schnäppchenjagd in der Villa einer Hochstaplerin
Von Benno Gasser. Aktualisiert am 01.09.2011 17 Kommentare
Amanda Jacobsen, die chronische Mythomanin
Als Herrin über 3000 Mitarbeiter des zweitgrössten Flugmahlzeitenherstellers der Welt befehligte die Amanda Jacobsen das Nordeuropa-Geschäft der ehemaligen Swissair-Tochter Gate Gourmet. Ende Februar wurde Amanda Jacobsen von Gate Gourmet fristlos entlassen, nachdem Wirtschaftsprüfer Betrügereien in der Höhe von über 20 Millionen Franken entdeckt hatten.
Recherchen dänischer Medien über das Wochenende zeichnen zudem das Bild einer chronischen Mythomanin, die einen grossen Teil ihres öffentlichen Lebenslaufes frei erfunden hat. Laut der vom Unternehmen veröffentlichten Biografie verfügt Jacobsen nämlich über sehr umfassende Qualifikationen. Dazu wird ein Masters of Business Administration der französischen Eliteschule Insead gerechnet und ein Doktortitel in «Supply Chain Management» der walisischen Universität von Cardiff. In Kopenhagen will Jacobsen zudem ein Ingenieur-Studium mit Bestnote abgeschlossen haben und anschliessend zwölf Jahre beim weltführenden Beratungsunternehmen McKinsey gearbeitet haben.
Eine Überprüfung dieser Ausbildungs- und Karriereschritte, welche die dänische Zeitung «EkstraBladet» durchgeführt hat, macht jedoch deutlich: (Fast) alles ist erlogen. Einzig an der Kopenhagener Universität soll die aufgeflogene Mythomanin kurzzeitig als Studentin eingeschrieben gewesen sein. (b. k.)
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Dutzende von Interessenten warteten gestern Morgen in Wollishofen an der Scheideggstrasse 79 vor einer stattlichen Villa auf Einlass. Das Haus diente der mutmasslichen Millionen-Betrügerin Amanda Jacobsen und ihrer Familie als Zweitwohnsitz. Jetzt wohnt sie an einem geheimen Ort in Dänemark, zwischendurch sass sie in Untersuchungshaft. Die ehemalige Gate-Gourmet-Managerin soll innerhalb von drei Jahren 22 Millionen Franken in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Sie ist geständig. Einen Teil des Geldes investierte sie in Luxusmobiliar und sehr teure Kleider, die gestern bis zur letzten Socke zum Verkauf standen. Mit dem Erlös soll ein Teil des finanziellen Schadens gedeckt werden.
Sturmgewehr als Lampenständer
Jacobsen gab das Geld mit beiden Händen aus, wie ein Rundgang durch die Gemächer und ein Blick auf die Preisschilder zeigt. Für einen eisernen Stuhl aus der Dalí-Kollektion bezahlte sie 25 227 Franken, die Nerzdecke kostete 30 000 Franken, eine Lampe von Philippe Starck 33 600 Franken. Nun sind die Luxusgüter für einen Bruchteil des Neupreises zu haben. Die Starck-Lampe ist mit 9000 Franken angeschrieben. An dem erlesenen Stück klebte bis gestern Mittag allerdings kein «Verkauft»-Kleber. Dafür war die B&O-Anlage, bestehend aus Fernsehern und Hifi-Equipment, kurz nach Türöffnung bereits verkauft. «An eine Privatperson», sagt Isabelle Hotz, Geschäftsführerin des gleichnamigen Liquidationshauses. Zu welchem Preis, verrät sie nicht. Er dürfte im tieferen fünfstelligen Bereich liegen, da der grösste Fernseher 7000 Franken kostete.
Sehr beliebt seien auch die Pelze, sagt Hotz. Innerhalb von etwas mehr als einer Stunde verkaufte sie vier Stück. Jacobsen konnte offenbar gar nicht genug Felle haben. Neben diversen Pelzjacken und -jäckchen liegen auf den Ledersofas wie auch im Designerbett Nerzdecken. Auf die hohen Preise angesprochen meint ein älterer Mann: «Wenn ich so viel Geld gestohlen hätte, würde ich mir auch die teuersten Sachen kaufen.»
Die Waren müssen sofort bar bezahlt werden. Eine blondierte Frau mit Dauerbräune im Gesicht und Pelzen unter dem Arm legt bei der Kasse 4600 Franken auf den Tisch. Zahlreiche Kunden wohnen selber im Villenquartier. Darunter auch Schauspieler Patrick Frey, der von seinem Zuhause auf Jacobsen frühere Residenz blicken kann. Wie gefällt ihm das Verkaufsangebot? Gewisse Dinge seien so hässlich, dass sie bereits wieder sein Interesse wecken würden, sagt Frey. Auf der Suche nach einem Schnäppchen sei er allerdings nicht. Mit dieser Haltung steht er nicht alleine da. Auch drei Frauen sagen, dass sie vor allem die Villa sehen wollen und nichts kaufen möchten.
«Diese Füsse hätte ich gerne gesehen»
Spezielle Vorlieben verrät Jacobsens Schuhschrank, dessen Inhalt jeden Orthopäden erschauern lässt: Schwindelerregend hohe Absätze stehen in Reih und Glied, zehn Zentimeter als Mindestmass. Sie sind mit grossen Perlen, Gold oder Stickereien verziert. Zahlreiche Schuhe sind noch ungetragen, darunter sehr lange, schwarze Schnürstiefel, die weit über die Knie reichen. Eine jüngere Frau steht vor dem Schrank und schüttelt verwundert den Kopf: «Diese Füsse hätte ich gerne gesehen.» Ebenso gerne wüsste man, ob nicht nur die beiden Kinder, sondern auch die 44-jährige Mutter ein «Star Wars»-Fan ist. Neben einem Dutzend ungeöffneten «Star Wars»-Legokästen und -Bildern steht auch eine Yoda-Figur zum Verkauf.
Ein Boutiquebesitzer lässt Yoda links liegen und läuft mit einer weissen E.T.-Plastik aus dem Haus. Die rund ein Meter grosse Figur soll künftig als Blickfang im Schaufenster seines Ladens stehen. Martialisches steht im ersten Stock: vier grosse Lampen mit Gewehren als Ständer – «Modell Kalaschnikow». Die Waffen sind allerdings nicht echt und bestehen aus vergoldetem Metall.
Stimmt das Sprichwort «Zeig mir dein Haus, und ich sage dir, wer du bist», fällt das Urteil der Kaufinteressenten nicht schmeichelhaft aus: teuer, aber schlechter Geschmack. Dieses Urteil gilt bestimmt für die surrealen Frauenakte. Bei diesen Bildern müsse sie wohl «etwas mit dem Preis machen, weil sie ein wenig speziell» seien, sagt Hotz. Dafür finden Hunderte von Markenkleidern reissenden Absatz. Die Kleider seien schon sehr schön, seufzt eine Hotz-Verkäuferin. Nur leider würde sie eine Hose der Grösse 36 nur bis zu ihrem Oberschenkel hochziehen können.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 01.09.2011, 10:10 Uhr
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17 Kommentare
Für solche Chefposten werden zwar viele Diplome von und beste Qualifikationen gefordert. Wirklich etwas können muss man aber nicht. Darum konnte sich die Frau auch jahrelang halten. Blender sind gerade in den Teppichetagen übervertreten. So viele Firmen müssten längst ausmisten. Antworten
Man stelle sich mal vor; da kommt eine krankhafte Hochstaplerin auf Gate Gourmet zu und die haben ohne deren Lebenslauf wirklich zu prüfen, diese dann als Chefin angestellt. Was mich aber am meisten interessiert ist, welche unfähige Headhunterfirma diese Person vermittelt hat und dafür wie üblich noch ein bis zwei Jahresgehälter als Provision abkassierte. Unglaublich ! Alle geldgierig und unfähig! Antworten

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