Auf dem Labitzke-Areal beginnt der Abbruch

Die Zürcher Stadtpolizei hat das Labitzke-Areal in Zürich-Altstetten geräumt. Sie holte die Besetzer mit einer Drehleiter von den Dächern. Jetzt sind die Bagger aufgefahren.

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Die Zürcher Stadtpolizei hat auf dem Labitzke-Areal die letzten Besetzer vom Dach eines Turmes herunter geholt und verhaftet. Jetzt sind die Bagger aufgefahren, die Abbrucharbeiten beginnen. Die Beamten durchsuchen während dessen den Rest des weitläufigen Geländes, um sicher zu gehen, dass alle Räume zugänglich sind und keine Gefahr für die Abbrucharbeiter besteht.

Vom Turm aus hatten eine Handvoll Personen den gesamten Vormittag aus die Polizeiaktion beobachtet, gelbfarbene Petarden gezündet und gegen die Räumung des Areals passiv Widerstand geleistet. Die Aktion verlief ruhig.

Die Einsatzkräfte hatten den Besetzern kurz vor der Mittagszeit fünf Minuten Zeit gegeben, um das Areal zu räumen, und die Stürmung des Geländes angekündigt. Das Ultimatum lief ab, die Ordnungshüter rückten vor. Wasserwerfer und Bagger hatten sich gleichzeitig in Position gebracht – die einen für den Fall von Ausschreitungen, die anderen, um sofort mit dem Abbruch zu beginnen.

Nach der Räumung kommen die Bagger

Mithilfe einer Drehleiter verschafften sich die Polizisten immer wieder einen Überblick über die Situation. Die Feuerwehr half ihnen aber auch, auf die Dächer der Gebäude zu gelangen, wo sich eine Handvoll Besetzer aufhielten. Von dort aus riefen sie: «Wir wollen eine Baubewilligung sehen!» Die Polizei ignorierte diese Forderung und holte systematisch einen Besetzer nach dem anderen vom Dach des Turms des Areals.

Gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet sagte Sprecherin Judith Hödl, dass die Polizei seit 8.30 Uhr auf dem Areal im Einsatz stehe. «Das Gelände ist sehr gross und die Räumung aus Sicherheitsgründen deshalb sehr aufwendig.» Auf der Hohlstrasse habe die Polizei gegen 10.30 Uhr eine kleine Demonstration aufgelöst und dabei sechs Personen verhaftet. Die Zahl der gesamthaft festgenommenen Personen sei noch nicht bekannt. «Die Räumung wird mindestens noch eine Stunde andauern, im Anschluss beginnt umgehend der Abbruch.» Die Zürcher Stadtpolizei scheint mit ihrem Einsatz so weit zufrieden zu sein.

Mehrmals hatten die Besetzer und Mieter der früheren Industriebauten des Labitzke-Areals in Altstetten ihren Auszugstermin verschieben können. Am Donnerstag in den frühen Morgenstunden hatten sie mit einem SMS-Alarm über die anstehende Räumung informiert. Während sie sich im Gelände verbarrikadiert hatten, ist die Polizei mit einem Grossaufgebot in Vollmontur und Wasserwerfern angerückt.

Auf Holzturm verschanzt

Die Ordnungshüter haben daraufhin den Verkehr um das Gelände zwischen der Hohl- und der Albulastrasse umgeleitet und die Hohlstrasse gesperrt.

Auf der Albulastrasse wurden im Zuge der kleinen Demonstration gleichzeitig vereinzelte Demonstranten abgeführt. Die Aktion verlief grundsätzlich friedlich, obschon sich mit dem Ultimatum die Stimmung merklich anspannte. Einige der Besetzer liessen sich von den Einsatzkräften widerstandslos verhaften, andere suchten Zuflucht auf einem Holzturm. Die Polizei holt sie auch von dort mithilfe der Drehleiter der Feuerwehr herunter. Demonstranten skandierten derweil rund um das Gelände «Resistance!» und forderten über die sozialen Medien Unterstützung an.

Die Räumungsaktion an der Hohlstrasse lockte aber nicht nur Demonstranten und Medienschaffende an, sondern auch zahlreiche Schaulustige. Sie sorgte zudem für Behinderungen im öffentlichen Verkehr.

Wie die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) mitteilen, kommt es wegen des Polizeieinsatzes zu einer Streckenblockierung in der Hohlstrasse. Die Strecke zwischen Farbhof und Hardplatz ist für den Busbetrieb der Linie 31 in beiden Richtungen gesperrt. Den Fahrgästen von und nach Farbhof empfehlen die VBZ, die Tramlinie 2 zu benützen, den Fahrgästen von und nach Bahnhof Altstetten die Buslinien 78 und 80.

Alternative loben die Polizei

Die Alternative Liste (AL), Partei von Polizeivorsteher Richard Wolff, protestiert gegen die Räumung des Labitzke-Areals. Einmal mehr erfolge ein Abbruch auf Vorrat, einmal mehr gehe ein Ort verloren, wo sich Neues und Kreatives habe entwickeln können.

Dass es keine Gewalteskalation gab, sei der Bereitschaft der Besetzer zu verdanken, nur passiven Widerstand zu leisten, aber auch dem zurückhaltenden Vorgehen der Stadtpolizei. Der Mobimo wirft die AL vor, sie habe von Anfang an eine «Herr-im-Haus-Position» eingenommen und mit den Besetzern nie das Gespräch gesucht.

16 Personen über Nacht in Gewahrsam

Bereits am vergangenen Dienstagmorgen hatten die Besetzer und Sympathisanten des Labitzke-Areals auf der Hohlstrasse Widerstand gegen die bevorstehende Räumung geleistet. Sie hatten die Hohlstrasse mit Möbeln und Sperrplanken verbarrikadiert. Ein Mann hatte sich an den Barrikaden angekettet. Die Polizei verhaftete daraufhin 16 Personen, die die Nacht von Dienstag auf Mittwoch in Gewahrsam verbrachten. Sie mussten sich wegen Nötigung, Störung des öffentlichen Verkehrs und Teilnahme an einer unbewilligten Demonstration verantworten.

Nach deren Befragung am Mittwoch durch die Staatsanwaltschaft Zürich wurden sie wieder auf freien Fuss gesetzt. Wie die Staatsanwaltschaft gegenüber der «Neuen Zürcher Zeitung» sagt, wurden 12 Strafbefehle ausgestellt. Ein Verfahren sei noch hängig, drei weitere seien an den Kanton Aargau abgetreten worden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.08.2014, 07:30 Uhr

Die Polizei bringt sich für die Stürmung des Labitzke-Areals in Position. (Video: Simon Eppenberger)

Die Polizisten bringen ihren Wasserwerfer in Stellung. Die Stürmung steht bevor. (Video: Simon Eppenberger)

Die Polizei wird von der Feuerwehr bei der Räumung des Labitzke-Areals unterstützt. (Video: Video: Stefan Hohler)

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Die Labitzke-Besetzer wehren sich

Die Labitzke-Besetzer wehren sich Am Dienstagmorgen, 5. August 2014, blockierten die Labitzke-Besetzer die Hohlstrasse. Am Donnerstagmorgen räumt die Polizei das Areal.

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