Zürich
Aus für «Gleis 9» beim Bahnhof Oerlikon
Aktualisiert am 30.07.2010 27 Kommentare
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Die Stadt Zürich und die beteiligten Parteien bedauern den Abbruch des Oerliker Wahrzeichens zwar. Aber aufgrund der «komplexen rechtlichen Situation und terminlicher Engpässe» sei es nicht gelungen, eine Lösung zu finden.
Unbestritten sei, dass die SBB für den Ausbau des Bahnhofs Oerlikon um die Gleise 7 und 8 mehr Platz brauche, heisst es in einer Mitteilung des städtischen Hochbaudepartementes von heute Freitag. Deshalb müsse das einstige Verwaltungsgebäude der Werkzeug- und Maschinenfabrik Oerlikon (MFO) weichen. Dies sei in den Sonderbauvorschriften Zentrum Zürich Nord so vorgesehen.
Gebäudeverschiebung findet nicht statt
Die Stadt hatte jedoch vor rund drei Jahren in einer Studie aufgezeigt, dass das 5600 Tonnen schwere MFO-Gebäude mit einer Verschiebung um 63 Meter gerettet werden könnte. Die Firma Swiss Prime Site, auf deren Boden das Gebäude zum Teil zu stehen gekommen wäre, hatte sich bereit erklärt, das 120-jährige Backstein-Gebäude als Wahrzeichen der Industriegeschichte Oerlikons zu retten. Sie wollte die Kosten für Verschiebung und Installation am neuen Ort übernehmen.
Im Rahmen des Plangenehmigungsverfahrens durch das Bundesamt für Verkehr machte die ABB als Besitzerin des Gebäudes gegenüber der SBB Entschädigung geltend. Die SBB lehnte dies aufgrund des Rahmenvertrags aus den Sonderbauvorschriften ab.
Trotz «grosser Bemühungen» aller Beteiligten im Verlauf der letzten zwei Jahre habe nun keine Lösung gefunden werden können, wie die Stadt mitteilte. Das Gebäude muss nun abgebrochen und das Areal den SBB bis im Mai 2012 abgetreten werden. (cim/sda/)
Erstellt: 30.07.2010, 15:34 Uhr
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27 Kommentare
Es ist doch erstaundlich, dass die ABB ein selbst genutztes Gebäude an der Elias-Cannetti-Strasse (direkt hinter dem Glas-Hauptgebäude) als "ABB Historic Building" beschriftet (zu Werbezwecken?), den Abriss des Gleis 9 aber erzwingen will. Irgendwie scheint hier Antrieb und Wahrnehmung des eigenen Engagementes sehr Inkonsequent... Ein entteuschter Quartierbewohner & Besucher des Gleis 9. Antworten
Die ABB machte allein im Jahre 2007 29200 Millionen USD Umsatz und 3800 Mio USD Gewinn ! Fragen an die ABB: Wieso tretet die ABB ihr Erbe, ein Stammhaus der ABB und archetektonischer Zeitzeuge der schweizer Industriegeschichte mit Füssen ? Wieso verzichtet die ABB auf 2100 m2 Gewerbefläche und zieht die Verschiebung nicht selber durch ? Werden dadurch nicht ihre Aktionär geschädigt ? Antworten
Peinlich finde ich, wie ABB und SBB mit ihrer Vergangenheit umgehen: Brown und Boveri arbeiteten beide bei der MFO, bevor sie 1891 die BBC gründeten. Und zur Entwicklung der Eisenbahn in der Schweiz hat die MFO massgeblich beigetragen. Aber eben, für ABB wie SBB scheint das nicht zu zählen. Schade. Antworten
Ich stimme zu, eine Schande! Eines der letzten und wohl auch das markanteste und schönste Gebäude der Industrie in Oerlikon muss weichen. Dies nur weil sich SBB und ABB nicht einigen konnten. Vielleicht sollte man diese Firmen nun zu Schadenersatz gegenübert Stadt Zürich und ihren Bürgern verpflichten oder die Verantwortlcihe zur Rechenschaft ziehen. Antworten
Hat sich dazu je der Heimatschutz verlauten lassen? Da veranlasst dieser teure Kampagnen gegen die Erweiterung des Landesmuseums und verliert diese Gottseidank auch noch, hat aber durch diesen unsinnigen Windmühlenkampf und internen Streit so viele Kräfte gebunden, dass ihm dieses wunderbare Gebäude hinter dem Milchbuck entgeht. Ein Verein, auf den mal weiss wirklich nicht zählen kann! Antworten
Zum Glück wird die Erhaltung dieses Gebäudes nicht über den Nutzen der Erweiterung vom Bhf Oerlikon gestellt. Auch wenn diese Güterabwägung subjektiv geprägt ist - ich halte es doch für angemessener, tausenden Pendlern bessere Verbindungen zu ermöglichen, als das Gebäude für ein paar Dutzend Leute zu erhalten, nur aufgrund einer emotionalen Bindung. Antworten
Verstehe ich richtig? Hätte ABB nicht versucht, sich zu bereichern, indem sie von der SBB (und somit vom Staat) eine Entschädigung für ein Gebäude verlangte, dass sie längst nicht mehr nutzt, dann hätte "Gleis 9" gerettet werden können. Immer das gleiche: Grosskonzerne, Banken und Manager kassieren, Kultur und Mensch (z.B. jene, die das Haus nutzten) bezahlen mit einem Stück ihrer Lebensqualität. Antworten
Schade, dass die einzige anständige Beiz in Oerlikon abgerissen wird! Zumal Swiss Prime Site gar die Kosten für eine Verschiebung übernommen hätte; etwas unverständlich dass man sich da zwischen SBB und ABB nicht einigen konnte - mit einem Abriss ist der ABB ja auch nicht geholfen Antworten
@Hans Hunziker: es geht nicht um die Frage öV ja oder nein! Mit dem neuen Bahntunnel HB-Oerlikon kommen halt neue Gleise hin. Deshalb wollten ja alle Beteiligten das Gebäude verschieben und erhalten. Stadt, SBB, SPS haben alle Hand zu einer Lösung geboten. SPS hätte sogar das ganze bezahlt. Nur die ABB stellt sich quer und will Geld für ein Gebäude, dass sie ohne diesen Deal nun abreissen muss! Antworten
Unglaublich, wie einfach in der Schweiz einfach so Gebäude abgerissen werden können, die denkmalschutzwürdig sind. Vor dem Hintergrund, dass Oerlikon ja sowieso eine so wunderschöne städtische Kulisse besitzt ;-) Oerlokon wird damit noch hässlicher. Antworten
Der Abriss des Gleis 9 ist ein Skandal sondergleichen. Wie die Beteiligten mit der letzten verbliebenen historischen Baususbstanz umgehen ist beschämend. Doch fügt sich das Ganze wunderbar ein in das zeitgenössische (Un)Verständnis für eben jene Zeitzeugen. Dem Gleis 9 gingen das Landesmuseum und der Vordere Sternen voraus. Viele weitere werden ihnen folgen! Antworten
Heimatschutz und Denkmalpflege von Fall zu Fall. Für den Erweiterungsbau des Landesmuseums wird eine Abstimmung erzwungen, und nach dem demokratischen Entscheid wird alles (finanziert durch Mitgliederbeiträge) weitergezogen. Das unbestritten schutzwürdige MFO-Gebäude interessiert den Heimatschutz überhaupt nicht, wie er damals auch den Abbruch des Nordflügels des Zürcher HB durchgehen liess Antworten
Unglaublich das so etwas in einer kultur- und geschichtsbewussten Gesellschaft passieren kann. Das einzig übrig gebliebene schöne und währschafte Gebäude aus der Blütezeit Oerlikons. Die anderen Gebäude werden nicht annähernd die Zeit nutzbar sein und speziell sind diese auch nicht gerade. Schade eine weitere Chance verpasst, Oerlikon eine Identiät und Geschichte zu erhalten. Antworten
Da lässt die ABB also ein Gebäude, das zum Ortsbild von Oerlikon gehört, lieber abreissen, als dass sie es ohne die Entschädigung, die sie gerne hätte, hergibt. Gewonnen ist nichts dabei - durch den sinnlosen Abbruch ist der Wert des Gebäudes endgültig vernichtet, Oerlikon hat ein Wahrzeichen verloren - aber die ABB hat wohl nun die Genugtuung, das sie im Recht ist. Mein Glückwunsch. Antworten
Das ist eine Schande...man stelle sich vor, das Gebäude müsste einer Strasse weichen: Ein Aufschrei und Demonstrationen wären vorprogrammiert. Der öffentliche Verkehr und dessen Vertreter können sich demgegenüber offenbar alles leisten...auch den Abbruch eines in jeder Beziehung schutzwürdigen und historisch wertvollen Gebäudes. Wo bleibt da der Denkmalschutz? Antworten






Christoph Lanthemann
Es bringt nichts, auf dem Heimatschutz herumzuhacken. Normalerweise ist der Heimatschutz für Fälle zuständig, wo die Behörden versagen oder wegschauen. In diesem Fall aber wurden die Bemühungen der Stadt vom Global Player ABB zunichte gemacht. Die ABB interessiert sich nur für die Kohle, dabei: Gibt es eine bessere Werbung als dieses wunderschöne Industriegebäude? Antworten