Ausgejuchzt in der Älpli-Bar
Von Peter Aeschlimann. Aktualisiert am 20.09.2011 27 Kommentare
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Die Nachricht ist ein Schock für Freunde der Volksmusik: Ende November schliesst im Niederdorf die Älpli-Bar. Fünf Angestellte verlieren ihren Job, Zürich eine Institution. Die Besitzer des Altstadthauses an der Ankengasse 5 wollten laut Pächter Martin Sebastian erheblich mehr Miete verlangen. Diese Forderung verunmögliche eine Weiterführung des Lokals, sagt Sebastian: «Ich bin am Ende meiner Kräfte.» Bis zuletzt habe er an eine Lösung geglaubt, jetzt sei das Aus besiegelt. Die letzte «Älpli-Milch», jenes legendäre Gebräu aus diversen Schnäpsen, serviert Wirt Sebastian am Samstag, den 26. November.
Völlig unerwartet trifft die Ankündigung Ländlerkönig Carlo Brunner: «Das ist wirklich schade. Da verliert Zürich sehr viel.» In der Älpli-Bar habe sich die ganze Welt getroffen, um die «urchige und gemütliche» Stimmung zu geniessen. «Nebst all den unendlich vielen Discos und Nachtclubs war es ein Ort, wo sich normale Leute treffen konnten.»
Das Problem mit den «normalen Leuten» ist aber, dass sie sich an einem Abend nicht eine Magnumflasche Champagner und ein paar Bellinis gönnen, sondern Aufschnitt und Käse. «Unsere Gäste geben nicht Hunderte von Franken aus», sagt Martin Sebastian. Die Älpli-Bar sei kein Goldesel. Nur dank spitzer Kalkulation habe der Betrieb überleben können – in den letzten beiden Jahren resultierte ein positives Ergebnis.
Unkomplizierte Musizierstube
Touristen und Ländlerfreunde kommen primär wegen der unkomplizierten Atmosphäre, die in der Alphütte herrscht. Rund 50 Plätze bietet der mit viel Holz verkleidete Raum – wenn man eng zusammenrückt. An der Wand ein Bergpanorama, auf den Tischen rot-weisse Deko. Und irgendwo die Auszeichnung aus dem Jahr 2009, als die Älpli-Bar den zweiten Platz bei der «Best of Swiss Gastro»-Publikumswahl gewann.
Seit Martin Sebastian die Bar vor vier Jahren übernommen hatte, spielten fast allabendlich Kapellen auf, mal in bestehenden Formationen, mal als zusammengewürfelte Truppe zur Hudigäggeler-Jamsession. Instrumente standen stets bereit, packte ein Gast spontan die Lust, durfte er mit dem Schwyzerörgeli, dem «Wöschbrätt» oder dem E-Piano mitmusizieren.
Renzo Blumenthal war gerne dort
Traurig macht die Schliessung auch Köbi Freund, den Präsidenten des Verbandes Schweizer Volksmusik: «Aber was will man machen, so funktioniert das Gesetz von Angebot und Nachfrage.» Man habe kein «Kässeli» für solche Fälle. Freund glaubt, dass es schwierig geworden ist, in Zürich täglich Live-Volksmusik anzubieten. «Grossevents und Ländlersonntage. Die sind noch finanzierbar.» Die Zeiten, als ein Jost Ribary im Niederdorf für Furore sorgen konnte, seien halt vorbei, so Köbi Freund.
Einen lieb gewonnenen Kunden verliert Ex-Mister-Schweiz Renzo Blumenthal. Der Bündner Biobauer belieferte die Älpli-Bar seit vier Jahren mit seinen Produkten. «In Zürich muss ein Kultlokal schliessen, und das nur, weil die Miete steigt. Das ist für mich unverständlich.» Er sei persönlich immer sehr gerne dort gewesen. Und bei den Gästen sei seine Renzo-Platte (Schinken, Speck, Würste) immer super angekommen.
Mit einigen Unterbrüchen existierte die Älpli-Bar fast 65 Jahre. Jetzt, da die kalte Jahreszeit beginnt, also die Hochsaison, ist ausgejuchzt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.09.2011, 08:11 Uhr
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27 Kommentare
Wie wäre es, einen Verein zu gründen, der die offenbar von breiten Kreisen geschätzte "Institiution" Älpli-Bar übernimmt und dank grosszügigen Donatoren (Musiker, Bio-Bauern, Schinken-, Speck- und Käselieferanten..) dem Hausbesitzer einen marktüblichen Mietzins zahlen könnte? Jammern und bedauern sind das eine, tun das andere..! Antworten

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