Zürich

Ausgejuchzt in der Älpli-Bar

Von Peter Aeschlimann. Aktualisiert am 20.09.2011 27 Kommentare

Die Älpli-Bar im Niederdorf macht diesen Winter für immer zu. Die Miete wurde dem Wirt zu teuer. Die Nachricht ist ein Schock für Freunde der Volksmusik, Zürich verliert eine Institution.

Ende November wird das Schwyzerörgeli verstummen: Wirt Martin Sebastian in der Älpli-Bar.

Ende November wird das Schwyzerörgeli verstummen: Wirt Martin Sebastian in der Älpli-Bar.
Bild: Nicola Pitaro

Artikel zum Thema

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...


Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Die Nachricht ist ein Schock für Freunde der Volksmusik: Ende November schliesst im Niederdorf die Älpli-Bar. Fünf Angestellte verlieren ihren Job, Zürich eine Institution. Die Besitzer des Altstadthauses an der Ankengasse 5 wollten laut Pächter Martin Sebastian erheblich mehr Miete verlangen. Diese Forderung verunmögliche eine Weiterführung des Lokals, sagt Sebastian: «Ich bin am Ende meiner Kräfte.» Bis zuletzt habe er an eine Lösung geglaubt, jetzt sei das Aus besiegelt. Die letzte «Älpli-Milch», jenes legendäre Gebräu aus diversen Schnäpsen, serviert Wirt Sebastian am Samstag, den 26. November.

Völlig unerwartet trifft die Ankündigung Ländlerkönig Carlo Brunner: «Das ist wirklich schade. Da verliert Zürich sehr viel.» In der Älpli-Bar habe sich die ganze Welt getroffen, um die «urchige und gemütliche» Stimmung zu geniessen. «Nebst all den unendlich vielen Discos und Nachtclubs war es ein Ort, wo sich normale Leute treffen konnten.»

Das Problem mit den «normalen Leuten» ist aber, dass sie sich an einem Abend nicht eine Magnumflasche Champagner und ein paar Bellinis gönnen, sondern Aufschnitt und Käse. «Unsere Gäste geben nicht Hunderte von Franken aus», sagt Martin Sebastian. Die Älpli-Bar sei kein Goldesel. Nur dank spitzer Kalkulation habe der Betrieb überleben können – in den letzten beiden Jahren resultierte ein positives Ergebnis.

Unkomplizierte Musizierstube

Touristen und Ländlerfreunde kommen primär wegen der unkomplizierten Atmosphäre, die in der Alphütte herrscht. Rund 50 Plätze bietet der mit viel Holz verkleidete Raum – wenn man eng zusammenrückt. An der Wand ein Bergpanorama, auf den Tischen rot-weisse Deko. Und irgendwo die Auszeichnung aus dem Jahr 2009, als die Älpli-Bar den zweiten Platz bei der «Best of Swiss Gastro»-Publikumswahl gewann.

Seit Martin Sebastian die Bar vor vier Jahren übernommen hatte, spielten fast allabendlich Kapellen auf, mal in bestehenden Formationen, mal als zusammengewürfelte Truppe zur Hudigäggeler-Jamsession. Instrumente standen stets bereit, packte ein Gast spontan die Lust, durfte er mit dem Schwyzerörgeli, dem «Wöschbrätt» oder dem E-Piano mitmusizieren.

Renzo Blumenthal war gerne dort

Traurig macht die Schliessung auch Köbi Freund, den Präsidenten des Verbandes Schweizer Volksmusik: «Aber was will man machen, so funktioniert das Gesetz von Angebot und Nachfrage.» Man habe kein «Kässeli» für solche Fälle. Freund glaubt, dass es schwierig geworden ist, in Zürich täglich Live-Volksmusik anzubieten. «Grossevents und Ländlersonntage. Die sind noch finanzierbar.» Die Zeiten, als ein Jost Ribary im Niederdorf für Furore sorgen konnte, seien halt vorbei, so Köbi Freund.

Einen lieb gewonnenen Kunden verliert Ex-Mister-Schweiz Renzo Blumenthal. Der Bündner Biobauer belieferte die Älpli-Bar seit vier Jahren mit seinen Produkten. «In Zürich muss ein Kultlokal schliessen, und das nur, weil die Miete steigt. Das ist für mich unverständlich.» Er sei persönlich immer sehr gerne dort gewesen. Und bei den Gästen sei seine Renzo-Platte (Schinken, Speck, Würste) immer super angekommen.

Mit einigen Unterbrüchen existierte die Älpli-Bar fast 65 Jahre. Jetzt, da die kalte Jahreszeit beginnt, also die Hochsaison, ist ausgejuchzt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.09.2011, 08:11 Uhr

27

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

27 Kommentare

Patrick Meier

20.09.2011, 08:18 Uhr
Melden 35 Empfehlung

So. Ich hoffe das nun einige, die bisher der SVP das geplaudere von der heiligen freien Marktwirtschaft abgekauft haben, aufwachen. Der Ausverkauf der Schweiz mach auch vor bürgerlichen Tradition nicht halt. Antworten


Adriano Granello

20.09.2011, 09:01 Uhr
Melden 17 Empfehlung

Wie wäre es, einen Verein zu gründen, der die offenbar von breiten Kreisen geschätzte "Institiution" Älpli-Bar übernimmt und dank grosszügigen Donatoren (Musiker, Bio-Bauern, Schinken-, Speck- und Käselieferanten..) dem Hausbesitzer einen marktüblichen Mietzins zahlen könnte? Jammern und bedauern sind das eine, tun das andere..! Antworten



Zürich

Populär auf Facebook Privatsphäre

Lokalverzeichnis

Werbung

Umfrage

Am 17. Juni stimmen wir darüber ab: Würden Sie die Volksinitiative «Freie Schulwahl für alle ab der 4. Klasse» heute annehmen?




Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.