Zürich

«Ausserhalb der Stadt gibt es für die Prostituierten keinen Schutz»

Von Tina Fassbind. Aktualisiert am 25.05.2011 28 Kommentare

Heute präsentiert die Stadt ein Massnahmenpaket gegen die Auswüchse der Prostitution. Frauenorganisationen befürchten, dass dabei der Schutz der Frauen den Bedürfnissen der Anwohner untergeordnet wird.

«Die Frauen müssen eine sichere Arbeitsumgebung haben»: Prostituierte beim Anschaffen.

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Heute Nachmittag wird der Zürcher Stadtrat über das Massnahmenpaket informieren, mit dem er die Probleme rund um die Prostitution in den Griff bekommen will. Die neuen Regelungen werden mit Spannung erwartet – und mit Besorgnis. Insbesondere Frauenorganisationen befürchten, dass die Interessen der Prostituierten hinter jene der Anwohner gestellt werden.

So wäre für Regula Rother, Leiterin der Zürcher Stadtmission, eine Reduzierung des Strassenstrichs das schlimmste Szenario. «Wenn die Strichzonen in der Stadt verschwinden, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Frauen ausserhalb der Stadt arbeiten. Dort gibt es keine Beratung und keine Betreuung für die Prostituierten – und auch keinen Schutz.»

Ist der Strassenstrich am Sihlquai bald Geschichte?

Rother hält es für durchaus denkbar, dass der Strassenstrich am Sihlquai abgeschafft wird und auch andere Strassenzüge, wo Prostitution bis anhin erlaubt war, aber nicht florierte, vom Strichplan verschwinden. «Aber die Prostitution wird durch ein solch hartes Durchgreifen nicht gestoppt», gibt sie zu bedenken.

Aus ihrer Sicht gibt es keinen Grund, die Strichzonen in Zürich zu verändern. Im Gegenteil: «Man müsste sich überlegen, ob nicht die Langstrasse zur offiziellen Strichzone erklärt werden sollte. Dort findet die Prostitution jetzt schon statt. Das weiss jeder.» Wichtig sei die soziale Kontrolle auf dem Strich, so Rother. «Die Frauen müssen eine sichere Arbeitsumgebung haben.»

«Es ist Pflästerchenpolitik»

Eine ähnliche Position vertritt Andrea Gisler, Präsidentin der Zürcher Frauenzentrale. «Im Moment ist die Frage, wie die Frauen vor Gewalt und Ausbeutung geschützt werden können, nicht Teil der Debatte. Strassenprostitution ist nicht eine unabänderliche Realität. Man müsste die Grundsatzdiskussion führen, ob es tatsächlich die Aufgabe des Staates ist, schnellen, billigen Sex zu ermöglichen.»

Die Frauenzentrale sei zwar nicht grundsätzlich gegen den Strassenstrich. «Wir zweifeln aber daran, dass dort die selbstbestimmte Prostitution die Regel ist», betont Gisler. Sie fordert daher einen runden Tisch, an dem die Situation unter Einbezug der Fachstellen umfassend diskutiert und nach Lösungen gesucht wird – für alle Beteiligten. «Für die Anwohner ist die Situation mit dem Strassenstrich schwierig, daher versucht man jetzt, ihre Lage zu verbessern. Das ist sicher wichtig, aber es reicht nicht. Es ist Pflästerchenpolitik.»

Unerwünschte Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen

Dore Heim, Leiterin der Zürcher Fachstelle für Gleichstellung, anerkennt hingegen, dass es erklärtes Ziel der Verordnung sei, «die Ausbeutung der Frauen zu verhindern und die Arbeitsbedingungen zu verbessern.» Zürich sei damit die erste Stadt der Schweiz, die nur für die Gemeinde eine solche Prostitutionsgewerbeverordnung einführt. Überall sonst sind es kantonale Gesetze.

Die Fachstelle für Gleichstellung war bei der Entwicklung des Massnahmenplans für die Prostitution in Zürich involviert. «Wir haben dabei mit Nachdruck darauf hingearbeitet, dass die Erfahrungen von Organisationen wie der Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration, der Aidshilfe oder der Stadtmission bei der Ausarbeitung mit einbezogen wurden», so Heim. Auch bei der Umsetzung der Massnahmen wolle sie dafür sorgen, dass diese NGOs weiterhin involviert sind. «Sie haben andere Informationen über die Szene und langjährige Erfahrung in der Arbeit mit den Prostituierten.»

Trotzdem betont auch Heim, dass man nie wissen könne, welche Auswirkungen solche Gesetze auf das Sexgewerbe haben. «In diesem Geschäft werden immer schnell Wege gefunden, um sich Verordnungen und Regulierungen zu entziehen. Es ist nicht auszuschliessen, dass die Verordnung unerwünschte Nebenwirkungen mit sich bringt. Deshalb ist es sehr wichtig, dass NGOs und staatliche Stellen zusammen die weitere Entwicklung genau beobachten.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.05.2011, 10:41 Uhr

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28 Kommentare

Jacqueline Lanz

25.05.2011, 10:54 Uhr
Melden 23 Empfehlung

Prostitution ist legalisierter Missbrauch, sie gehört verboten, ohne Wenn und Aber. So wie in Schweden und so wie in Kanada. Der Mensch ist kein handelbares Gut. Die Schwierigkeiten bei der Durchsetzung des Verbotes sind kein Grund, es nicht zu tun. Es ist auch schwierig, Landendiebstahl einzudämmen, dagegen wird laufend verstossen, trotzdem bleibt es verboten, zu Recht. Antworten


Betty Kant

25.05.2011, 14:10 Uhr
Melden 18 Empfehlung

Es ist grotesk, dass Frauenorganisationen sich für bessere Konditionen am Strassenstrich einsetzen, damit es den Roma- und Drogenprostituierten noch einfacher zum Arbeiten ist, statt sich dafür zu engagieren, dass diese Frauen einen menschenwürdigen Beruf ausüben können. Grotesk, wie gerade Frauenorganisationen so tun, wie wenn Prostitution ein normaler Job wäre und ihn dadurch fördern. Antworten



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