Autisten in der Schule: «Wir wurden sogar als Familie gemobbt»
Von Felix Schindler. Aktualisiert am 08.06.2010 13 Kommentare
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Das Schicksal von Julian hat die Leser von Tagesanzeiger.ch bewegt. Der 7-Jährige ist ohne Zweifel intelligent genug für die erste Klasse, aber er leidet unter Autismus. Wenn er überfordert ist, hält er sich die Ohren zu, schreit herum und ist kaum mehr ansprechbar. Julian bräuchte Unterstützung, erhält sie aber nicht. Im Mai eskalierte die Situation – und Julian wurde aus der Schule ausgeschlossen. Der «Tages-Anzeiger» berichtete gestern über den Fall.
In über 80 Kommentaren drücken die Leser nun ihr Unverständnis aus – und viele Leser sind sich in einem Punkt einig: Mit dieser Form integrativer Förderung ist niemandem gedient. Weder Julian noch seinen Mitschülern: «Wenn Julian in einer Regelklasse integriert werden soll, dann müsste er eine eigene Betreuungsperson erhalten», schreibt etwa der Leser Karl Brunner. «Solche Fälle werden sich häufen», meint Theo Steiner. Julians Fall sei «die logische Konsequenz einer verfrüht eingeführten integrativen Förderung, ohne die nötigen begleitenden Ressourcen zur Verfügung zu stellen».
«Ich fühle mich oft allein gelassen»
In der Kommentarspalte melden sich auch zahlreiche betroffene Eltern. «Ich habe auch ein sechsjähriges Kind mit der Diagnose ‹Atypischer Autismus mit Neigung zum Asperger-Syndrom›. Ich fühle mich oft alleingelassen», schreibt die Leserin C. R.*. Sie verlange von den Lehrern nicht, ihr Kind zu erziehen. «Aber Verständnis und Unterstützung durch geschulte Leute schon.» Die Mutter N. M.* schreibt: «Wir sind Eltern eines Asperger-Kindes und haben die Erfahrung gemacht, dass die Situation oft erst eskalieren muss, bevor etwas in Bewegung kommt.» «Wir kennen das aus eigener Erfahrung, unser Sohn hat dasselbe fast eins zu eins auch so erlebt. Und wir wurden sogar noch als Familie gemobbt», schreibt der Vater S. Z.*
Uneins sind sich die Leser allerdings, ob Julian in eine Regelklasse gehört oder nicht. «Der Junge gehört in eine Spezialklasse, wo man auf ihn eingehen kann.» schreibt der Leser Marcel Zürcher und bringt damit die Meinung zahlreicher Leser auf den Punkt. Diese diene nicht nur dem Kind selbst, sondern auch den restlichen Schülern, so eine verbreitete Ansicht. Der Vater eines autistischen Kindes, S. Z., sagt dagegen, dass Kinder mit Autismus nicht in eine Kleinklasse gehören: «Sie verfügen meistens über eine sehr hohe Intelligenz und es wird ihnen deshalb sehr schnell langweilig».
(* Name der Redaktion bekannt.) (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.06.2010, 12:31 Uhr
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13 Kommentare
Falls es niemand gemerkt haben sollte: Seit der Regierungszeit Aeppli ist das ganze Bildungsdepartement plattgewalzt worden. Es gibt nur noch generalistische Betrachtungsweisen, angefangen beim Stipendienwesen bis in die hintereste Bildungsecke. Das ganze ist dekoriert mit einer bürokratischen Grundhaltung. Antworten



