Bald auf rollendem Trottoir direkt zum Zoo?

Vor der Abstimmung über eine Tramverlängerung beim Zoo kommt die FDP mit einer Idee: Ein 250 Meter langes Rollband, das viel billiger ist als das Tram.

Das bringt Bewegung in die Diskussion: So könnte der Fahrsteig von der Tramhaltestelle zum Zoo aussehen.

Das bringt Bewegung in die Diskussion: So könnte der Fahrsteig von der Tramhaltestelle zum Zoo aussehen. Bild: PD/Doris Fanconi/Fotomontage TA

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Fahrsteig, Rollsteig oder rollendes Trottoir heissen die Rollbänder, wie wir sie vor allem aus Flughäfen kennen. In immer mehr Städten und Vergnügungsparks werden sie gebaut, um Gehstrecken zu erleichtern. Zum Beispiel in Bilbao oder in der VW-Stadt Wolfsburg. Die Idee der Zürcher FDP ist also nicht ganz neu – und trotzdem sehr aktuell. Am 30. November wird im Kanton Zürich über die Volksinitiative für einen 14-Millionen-Kredit für die Verlängerung der Tramlinie bis vor den Eingang des Zürcher Zoos und der Masoalahalle abgestimmt. Perfekt terminiert reichten die beiden Chefs der Stadtzürcher FDP, Vizepräsident Marco Camin und Präsident Urs Egger, Ende August im Gemeinderat einen Vorstoss für einen Fahrsteig beim Zoo ein. Der Stadtrat muss innert dreier Monate die Anfrage beantworten, also noch vor der Abstimmung Ende November.

Gegen die VCS-Initiative gerichtet

Für Initiant und Gemeinderat Marco Camin ist der Fussmarsch von der Tramhaltestelle bis zum Zooeingang absolut zumutbar. Er gibt denn auch zu, dass sein Projekt direkt gegen die vom Verkehrsclub der Schweiz (VCS) lancierte Initiative gerichtet ist. «Eine Tramverlängerung ist viel zu teuer, dieses Geld könnten wir im öffentlichen Verkehr sinnvoller einsetzen.»

14 Millionen Franken kostet die Verlängerung der Tramlinien 5 und 6 gemäss Initianten, 27 Millionen sind es laut der Rechnung des Zürcher Regierungsrats. Hauptgrund für die enorme Differenz: Der Tramverlängerung würden 114 Parkplätze zum Opfer fallen – die Regierung rechnet deswegen die Kosten für neue Parkplätze bei der Masoalahalle ein; die Initianten hingegen wollen keine neuen Autoabstellplätze. «Dem VCS geht es auch darum, Parkplätze zu vernichten», behauptet Marco Camin.

Kosten von 3 bis 4 Millionen

Die FDP-Initianten verstehen ihren Vorschlag aber nicht bloss als Vehikel gegen die linke Initiative. Sie haben bereits ein grobes Vorprojekt ausgearbeitet. Der Gummiband-Fahrsteig würde gemäss Angaben von möglichen Herstellern rund 3 Millionen Franken kosten. Zusätzlich wäre ein Dach und eine einseitige Plexiglaswand erforderlich. «Mit Solarzellen auf dem Dach wäre der Betrieb noch ökologischer», sagt Camin.

Der Rollsteig würde auf dem Trottoir direkt am Rande der ASVZ-Sportanlage geführt. Er müsste in vier einzelne Sektionen unterteilt werden: 105 Meter bis zum Ende des Fussballfelds und dann mit drei 50-Meter-Bändern um die Kurve bis vor den Zoo-Eingang. Aus Platz- und Kostengründen käme nur ein einziger Fahrsteig in Frage, der in eine Richtung läuft – am Morgen zum Zoo, am Nachmittag in Richtung Tramhaltestelle.

«Die Vorteile eines Fahrsteiges sind augenfällig», sagt Marco Camin: «Wir müssen weder Bäume fällen noch Parkplätze aufheben, die Bauzeit ist kurz, ein Band ist behindertengerecht, sicher, ruhig und lässt sich bei Nichtbedarf abstellen.» Gemäss dem Hersteller Schindler beträgt die Förderkapazität rund 5000 Personen pro Stunde und die Geschwindigkeit etwa 4 Kilometer pro Stunde. Laut Camin könnte ein Fahrsteig sogar die geplante Seilbahn von Stettbach zum Zoo sinnvoll ergänzen.

VCS: Hilfloser Versuch des Freisinns

Für die Tramverlängerung sprechen sich bloss die Grünen, die SP und die Grünliberalen aus. Der Regierungsrat ist dagegen. Für Markus Knauss, grüner Gemeinderat der Stadt Zürich und VCS-Geschäftsführer, ist der FDP-Vorstoss für einen Fahrsteig zum Zoo allzu durchsichtig. «Das ist ein hilfloser Versuch, eine Aktivität vorzutäuschen, obschon man nichts in der Hand hat.» Die FDP wolle damit nur den Fehler übertünchen, sich gegen die Verlängerung der Tramlinie ausgesprochen zu haben.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.09.2008, 22:28 Uhr

TA Marktplatz

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Beinfreiheit einmal anders: Im sächsischen Niederwiesa machen riesige Frauenbeine auf die Ausstellung «High Heels - die hohe Kunst der Schuhe» aufmerksam, die im nahen Schloss Lichtenwalde zu sehen ist. (23. Mai 2017)
(Bild: Sebastian Willnow/DPA) Mehr...