Ballermann Zürich? Stadt will mit Top-Events Kasse machen

Events sind ein umkämpftes Geschäft geworden. Auch die Stadt Zürich will stärker mitmischen, das gab Stadtpräsident Elmar Ledergerber bekannt.

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Bis heute, so sagte der Zürcher Tourismusdirektor Frank Bumann, hatte die Stadt Zürich einfach Glück: Es waren immer initiative Organisatoren zur Stelle, die attraktive Anlässe lancierten, ohne dass die Stadt dafür einen Finger krümmen musste. «Aber die Konkurrenz schläft nicht», warnte er. Viele Städte bewerben sich heute professionell um begehrte Events und lassen sich dies viel Geld kosten. Die Stadt Madrid etwa investierte riesige Summen in ein neues Tennisstadion und stellt es den Veranstaltern nun gratis zur Verfügung. Zürich bekommt die härtere Konkurrenz bereits zu spüren; so verliert der Standort das Tennisturnier «Zurich open» an Asien.

Um laut Bumann «Impulse zur Reflexion» zu geben, setzten sich Fachleute an der 4. City Tourism Challenge gestern Mittwoch mit der Bedeutung von Events auseinander. Wohl verfüge Zürich über viele Events, auch solche mit internationaler Ausstrahlung, sagte Bumann. Wenn die Stadt aber mit der Konkurrenz mithalten wolle, müsse sie zulegen – begehrte Anlässe wie die Ausstellung «Tutanchamun» könnten zwischen Hunderten von Städten wählen. «Die Stadt Zürich muss eine klare Eventstrategie entwickeln und sich überlegen, welche Anlässe zu ihrer Persönlichkeitsstruktur passen», forderte Bumann.

Göteborg boomt dank Events

Nicht von ungefähr sind attraktive Events heute so begehrt. Sie gelten als wichtige «ökonomische Treiber»: Sie kurbeln den Konsum an, ziehen Investitionen in die Infrastruktur nach – etwa Hotels oder Stadien – und spielen eine wichtige Rolle bei der Wahl des Wohn- und Arbeitsortes.

Dies zeigte auch ein Referat von Ossian Stiernstrand von der Tourismusorganisation Göteborg & Co. Sie war 2007 zur «European City Tourism Organisation of the Year» ernannt worden. Das Problem von Göteborg: Die Stadt verfügt über kein einziges Gebäude oder Wahrzeichen, das Touristen aus dem Ausland anlocken würde. Also verlegte sich die Tourismusorganisation auf Events. Finanziert wird sie von der öffentlichen Hand und der Wirtschaft in einem Private Public Partnership. «Auch die Unternehmen haben erkannt, wie wichtig Events sind», sagte Stiernstrand. Der Standort sei attraktiver geworden, die Immobilienpreise stiegen, und es sei einfacher, Arbeitskräfte und ausländische Studenten nach Göteborg zu holen – Letztere seien schliesslich jung und wollten etwas erleben. Die Hotels konnten zwischen 1991 und 2006 die Zahl der Übernachtungen auf 3 Millionen verdoppeln. Tendenz: weiter stark steigend.

Stadt will Defizitgarantie geben

Wie Stadtpräsident Elmar Ledergerber in seinem Referat sagte, will die Stadt Events stärker als Standortpromotoren nutzen. «Wir müssen das Label Zürich besser bewirtschaften», sagte er. Der Stadtrat hat deshalb einen Kriterienkatalog aufgestellt, anhand dessen er entscheidet, welche Events gefördert werden sollen – und welche allenfalls keine Berechtigung mehr haben. Kriterien sind etwa internationale Bedeutung, Besucherzahl, Nachhaltigkeit oder Medieninteresse. Zu den Anlässen, die praktisch alle Kriterien erfüllen, zählt Ledergerber Street Parade, Weltklasse Zürich, Freestyle.ch oder Theater Spektakel.

Solche Top-Events will der Stadtrat künftig nicht nur ideell, sondern auch materiell unterstützen, etwa indem er ihnen Infrastruktur und Dienstleistungen zur Verfügung stellt, teilweise Gebühren erlässt oder Defizitgarantien übernimmt. Geplant war auch eine Anlaufstelle für Eventorganisatoren, die hat das Parlament jedoch abgelehnt.

Laut Ledergerber ist vor allem um das Seebecken die Belastungsgrenze erreicht. Die Stadt will deshalb nicht mehr, sondern hochqualifizierte Anlässe. So würde die Bevölkerung auch stärker hinter den Anlässen stehen – und hinter Bauten wie dem Kongresszentrum oder dem Hardturmstadion. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.09.2008, 10:50 Uhr

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