Bei Schwamendingen denkt niemand mehr an Harry Hasler

Von Philipp Albrecht. Aktualisiert am 30.07.2010 6 Kommentare

Bisher hatte Schwamendingen stets die meisten leeren Wohnungen der Stadt Zürich. Diese Zeiten sind vorbei. Das Randquartier hat seinen schlechten Ruf abgelegt und rüstet sich nun für eine goldene Zukunft.

1/6 Schwamendingen hat (nach Friesenberg) den zweitgrössten Anteil an Genossenschaftswohnungen in der Stadt.
TA

   

Die Neuigkeit des Statistischen Amts der Stadt Zürich lässt aufhorchen: Die Quartiere Schwamendingen und Zürichberg haben die Rollen getauscht. Während an der exklusiven Lage im Kreis 7 der Anteil leer stehender Wohnungen steigt, findet man am verkehrsreichen Stadtrand kaum mehr ein freies Mietobjekt. Daraus zu schliessen, der Zürichberg verliere an Attraktivität, wäre fahrlässig. Hingegen darf man behaupten: Der Kreis 12 hat seinen schlechten Ruf endgültig abgestreift. Heute denkt bei Schwamendingen niemand mehr an Viktor Giacobbos angeberische Kunstfigur Harry Hasler.

«Die Medien berichten positiver über uns als früher», bestätigt Quartiervereinspräsidentin Maya Burri-Wenger. Seit sie sich erinnern könne, gebe es das Gerücht, in Schwamendingen würden hauptsächlich Minderbemittelte leben. Grund dafür seien die zahlreichen Wohngenossenschaften gewesen, die früher einen denkbar schlechten Ruf gehabt hätten. Das sei heute anders: «Seit wir vor ein paar Jahren den Begriff ‹Gartenstadt› lancierten, steigt das Interesse an unserem Quartier», erklärt Burri-Wenger.

Die Wohnungen müssen grösser werden

Dass man überhaupt von einer Gartenstadt reden kann, ist der organisierten Stadtentwicklung zu verdanken. «Schwamendingen ist sehr reissbrettartig gebaut worden, was untypisch ist für Zürich», weiss Urs Spinner, Sprecher des städtischen Hochbaudepartements. In dieses Bild passt auch der hohe Anteil an genossenschaftlichen Wohnungen, mit 38 Prozent der zweithöchste nach Friesenberg. Doch viele der genossenschaftlich organisierten Häuser und Wohnungen sind für heutige Bedürfnisse zu klein. Im neuen Leitbild Schwamendingens, das die Stadt mit den Liegenschaftenbesitzern erarbeitet hat, wurde darum eine Vergrösserung der Mietobjekte beschlossen. «Die Gebäude sollen grösser werden, aber gleichzeitig soll die Gartenstadt erhalten bleiben», präzisiert Spinner.

Eine andere Begründung für den sinkenden Leerwohnungsbestand im Kreis 12 hat Walter Angst vom Mieterverband Zürich: «Wer von ausserhalb nach Zürich zieht und noch über kein Beziehungsnetz in der Stadt verfügt, mietet eher eine Wohnung in dezentraler Lage und tastet sich dann vom Stadtrand aus langsam in zentralere Quartiere vor.» Dieser These widerspricht Burri-Wenger nicht: «In Schwamendingen leben viele Studenten und andere junge Leute, die noch keine Familie haben und noch nicht richtig im Berufsleben stehen.» Mit ansteigendem Salär beginne auch die Suche nach zentralerem Wohnraum.

Schwamendingen ist so beliebt wie die ganze Stadt

Ein Blick in die Zahlen zeigt, dass die steigende Beliebtheit Schwamendingens mit jener der ganzen Stadt einhergeht. Alex Martinovits, Projektleiter Stadtentwicklung Zürich, relativiert die heute Freitag publizierten Zahlen: «Zurzeit gibt es 3 freie Wohnungen im Kreis 12, vor einem Jahr waren es 13 und 2008 wiederum nur 6.» Schwamendingen sei ein sehr zentraler Ort in der Agglomeration Zürich. Aufgrund dieses Indikators sei Schwamendingen attraktiv. Denn ausserhalb der Stadt sei der Leerbestand der Mietwohnungen um ein Vielfaches höher. Martinovits: «Zürich ist der innerste Viertel einer Millionenstadt mit 1,2 Millionen Einwohnern. Dieser Viertel ist sehr gefragt.»

Zwei Bauprojekte werden dennoch die Beliebtheit Schwamendingens in den nächsten Jahren unterstützen: Erstens die Eröffnung der dritten Etappe der Glattalbahn, die das Quartier besser mit der Region verbinden wird. Zweitens die Einhausung der N1 zwischen Schöneichtunnel und der Verzweigung Aubrugg, die die Luft- und damit die Lebensqualität erhöhen wird. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.07.2010, 16:23 Uhr

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6 Kommentare

Chris Palatinus

30.07.2010, 17:35 Uhr
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und nicht zu vergessen die neue Sportanlage Heerenschürli mit dem komplett neuen Baseballstadion und dem Superleague-konformen Haupt-Fussballplatz Antworten


Jorge Lopez

30.07.2010, 17:26 Uhr
Melden

Ich bin in Schwamendingen aufgewachsen und habe 26 Jahre dort gelebt. Das von den Medien gerne verbreitete schlechte Image des Quartiers konnte ich noch nie nachvollziehen. Und auch Hr. GIaccobo hat wohl Schwamendingen nicht richtig entdeckt. Der Kreis 12 gehört für mich zu den Schönsten der Stadt und bietet eine hohe Lebensqualität. Es freut mich, dass das offenbar auch von anderen entdeckt wird. Antworten



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