Beilmörder erneut vor Gericht

Der Fall des Vaters, der in Höngg seine 16-jährige Tochter erschlagen hatte, ist noch nicht abgeschlossen: Die Staatsanwaltschaft und der Beschuldigte fechten das Urteil an. Heute geht das Verfahren weiter.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Vater, der im Mai 2010 seine 16-jährige Tochter mit dem Beil erschlagen hatte, wurde im April 2012 wegen Mordes zu 17 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Gegen dieses Urteil haben sowohl die Staatanwaltschaft als auch der Beschuldigte Berufung eingelegt. Der Berufungsprozess findet heute am Zürcher Obergericht statt.

Was bisher geschah

Mit 19 Beilhieben erschlug der aus Pakistan stammende Mann im Mai 2010 seine 16-jährige Tochter Swera in der Wohnung der Familie in Zürich Höngg. An jenem Tag wurde Swera eines geringfügigen Ladendiebstahls überführt und auf der Uraniawache von der Stadtpolizei festgehalten. Die Eltern holten ihre Tochter dort ab. Doch Swera verweigerte den Kontakt mit der Mutter, so dass der Vater mit ihr allein nach Hause fuhr. Swera kündigte an ausziehen zu wollen und begann ihre Sachen zu packen.

Ein Streit zwischen dem Vater und dem Mädchen entbrannte, wobei die 16-Jährige den Beschuldigten «unwiderlegbar beleidigte», wie es in der Anklageschrift heisst. Der Vater holte vom Balkon ein Beil und versteckte es im Elternschlafzimmer. Als die junge Frau in jenem Zimmer etwas suchte, schlug der Vater mit grosser Wucht auf ihren Hinterkopf. Mindestens 19-mal traf das Beil die junge Frau: zwölfmal mit der Schneide, siebenmal mit dem stumpfen Hinterteil. Danach platzierte der Vater das Beil auf dem Gesäss der Tochter, wusch sich die Hände, verliess die Wohnung, rief seine Frau an und sagte ihr, dass er die Tochter umgebracht habe. Eine Viertelstunde später informierte er die Polizei, die ihn an der Regensdorferstrasse unweit der Wohnung verhaftete.

Urteil: Mord

Zwei Jahre später, am 17. April 2012, spracht das Bezirksgericht Zürich das Urteil über den Beilmörder von Höngg: 17 Jahre Freiheitsstrafe wegen Mordes. Zusätzlich musste der Verurteilte seiner Frau und zwei weiteren Töchtern eine Genugtuung von insgesamt 39'000 Franken bezahlen. Die Richter folgten damit über weite Strecken der Argumentation des Anklägers.

Der Mann hatte die Tötung seiner Tochter gestanden, wehrte sich aber gegen den ebenfalls aufgebrachten Vorwurf, er habe vor der Tat schon einmal versucht, Swera in der Badewanne mit einem Fön umzubringen. Dieser erste Tötungsversuch konnte auf Grund von widersprüchlichen Zeugenaussagen nicht belegt werden. Klar wurde jedoch, dass die familiäre Situation erheblich belastet war: Die Eltern waren mit der Erziehug ihrer Kinder überfordert, litten unter Depressionen, ihr zweite Tochter war fremdplatziert und Swera drei Wochen vor ihrem Todestag aus der Wohnung der Familie geflüchtet.

Kein Ehrenmord

Das Urteil lautet deshalb auf Mord, weil das Gericht es als erwiesen betrachtete, dass der Vater während des Streits beschlossen hatte, «seine Tochter mit dem Tod zu bestrafen». Der Verurteilte verübte eine «objektiv rücksichtslose Tat». Die Richter wiesen ausserdem darauf hin, dass es sich in diesem Fall nicht um einen tatsächlichen Ehrenmord handelte. Das psychiatrische Gutachten fand dafür keine Anhaltspunkte. Vielmehr sei es dem Täter darum gegangen, «erlittene Demütigungen zu bestrafen». Welche neuen Tatsachen der Verurteilte und die Staatsanschaft nun geltend machen wollen, wird der Berufungsprozess zeigen. Ein Urteil wird erst am späteren Montagabend erwartet. (mal)

(Erstellt: 26.11.2012, 14:05 Uhr)

Artikel zum Thema

17 Jahre für den Beilmörder von Höngg

Mit mehreren Beilhieben hatte S.R. im Mai 2010 seine 16-jährige Tochter Swera getötet. Nun erhält der 53-jährige Mann 17 Jahre Freiheitsentzug wegen Mordes. Mehr...

Grosse Zweifel am Motiv Ehrenmord

Der Fall scheint klar: Die Tötung der 16-jährigen Swera durch ihren Vater im Mai 2010 in Höngg war ein Ehrenmord. Der Psychiater entwirft ein anderes Bild der Tathintergründe. Heute beginnt der Prozess. Mehr...

Mord von Höngg: Zuerst wollte er Swera mit dem Föhn töten

Ein Pakistaner wird angeklagt, seine Tochter im Mai 2010 mit einer Axt ermordet zu haben. Darüber hinaus wird er beschuldigt, dass er versuchte, sie zuerst mit einem Föhn zu töten. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Publireportage

Sprachreisen

Mit Spass zur neuen Sprache

Die Welt in Bildern

Trainieren ohne Schweiss: Basketballer Dwight Howard muss sich für ein Werbeshooting mit künstlichen Schweissperlen besprühen lassen. (29. September 2014)
(Bild: David J. Phillip) Mehr...