Zürich

Beratungsstelle gegen die «Seefeldisierung»

Von Denise Marquard. Aktualisiert am 15.09.2010 4 Kommentare

Der Quartierverein Riesbach hilft Hauseigentümern, die ihre Liegenschaft nicht einfach den Meistbietenden verkaufen wollen.

Altes wird abgebrochen, neue, teure Wohnungen entstehen: Baustelle im Zürcher Seefeld.

Altes wird abgebrochen, neue, teure Wohnungen entstehen: Baustelle im Zürcher Seefeld.
Bild: Keystone

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Yuppisiertes Seefeld

Yuppisiertes Seefeld
Ein Film zeigt die dramatische Entwicklung im Zürcher Stadtquartier.

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Ist die «Seefeldisierung» das Schicksal der Zürcher Quartiere geworden? Nein, sagt sich der Quartierverein Riesbach und lässt den Worten Taten folgen: Erfahrene Baufachleute aus dem Quartier haben im Internet eine Beratungsstelle für Hauseigentümer eingerichtet, die Fragen zu nachhaltiger Quartiererneuerung beantwortet. Mit dabei ist Franz Bartl, Architekt und Vorstandsmitglied des Quartiervereins. «Wir wollen etwas gegen die Klagen der Mieter über die angeblich bösen Hauseigentümer unternehmen», sagt er. «Deshalb wenden wir uns explizit an die Liegenschaftenbesitzer. Sie können verhindern, dass günstige Wohnungen in teure verwandelt, intakte Häuser aus Renditegründen abgerissen und junge Familien sowie ältere Personen aus dem Quartier verdrängt werden.»

Die Vorsätze sind edel, aber wie lassen sie sich umsetzen? «Als Erstes müssen wir mit den Hauseigentümern ins Gespräch kommen», sagt Bartl. Zu diesem Zweck analysiert die Beratungsstelle die Situation von älteren Liegenschaften und zeigt neue Lösungen auf. Sie vermittelt auch Kontakte zu Baufachleuten, Handwerkern, Liegenschaftsverwaltungen, Treuhändern oder Investoren. «Diese Grundberatung im Sinne einer ersten Orientierungshilfe ist gratis», sagt Bartl.

Viele reagieren erst in der Not

So soll verhindert werden, dass Liegenschaftsbesitzer erst reagieren, wenn sie in der Klemme stecken. Bartl hat nämlich die Erfahrung gemacht, dass Hauseigentümer oftmals erst in Notsituationen an die Zukunft ihres Hauses denken – wenn Heizung, Küche und Bad erneuert werden müssen, bei finanziellen Engpässen oder nach dem Tod des Ehemannes. «Dann wollen sie oft möglichst rasch das Haus loswerden und sind froh, wenn ihnen die Liegenschaftsverwaltung das Haus selbst abkauft oder einen potenten Käufer sucht», sagt Bartl.

Dieser Mechanismus sei fatal. Er führe direkt zur «Seefeldisierung», will heissen, er macht das Wohnen immer teurer. Den Hauseigentümern ist die möglichst hohe Rendite oft gar nicht so wichtig. «Ein grosser Teil der Liegenschaftsbesitzer spricht sich gegen die aktuelle Entwicklung aus», sagt Bartl. Das hat die Arbeitsgruppe Wohnen des Quartiervereins Riesbach bei einer Umfrage festgestellt. Rund 70 Prozent der Eigentümer von preisgünstigen Wohnungen im Quartier wünschen keine «Seefeldisierung». Viele kennen aber keine Alternative zum Verkauf an die Liegenschaftsverwaltung. Sie haben zum Beispiel keinen Draht zu Institutionen wie der Wogeno oder anderen Wohnbaugenossenschaften.

Die «Seefeldisierung» beschränkt sich nicht nur auf den Kreis 8, sagt Bartl. Deshalb können sich Hausbesitzer auch aus anderen Quartieren an die Beratungsstelle wenden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.09.2010, 20:17 Uhr

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4 Kommentare

Fredi Hess

14.09.2010, 22:23 Uhr
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ich hätte auch gerne eine wohnung im seefeld, noch besser direkt am paradeplatz. ich wohne schon seit geburt in der stadt, meine vorfahren gar schon über 100 jahre. im seefeld hat es viele leute, welche erst seit 20 jahren da leben und anspruch auf eine wohnung im seefeld erheben. wie hilft die beratungsstelle mir urzürcher, eine wohnung zu ergattern? Antworten


Ruedi Brülisauer

14.09.2010, 23:56 Uhr
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Wiedereinmal thematisiert ein Artikel die Angst der Stadtzürcher vor der angeblichen Weltstadt Zürich. Wie klein die geistige Welt doch ist. Antworten



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