Mit Bier fängt man Wähler
Von Tina Fassbind. Aktualisiert am 08.01.2010 6 Kommentare
Bier ja, aber kein Besäufnis: Das Wahlbier der SP (Bild: SP Stadt Zürich)
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Bier-Wahlkampf in Zürich
Die SP der Stadt Zürich lädt zum «politischen Stammtisch» und der Lancierung des SP-Wahlbiers ins Restaurant Volkshaus. Anwesend sind die Stadtratskandidatinnen und Stadtratskandidaten Daniel Leupi (Grüne), Claudia Nielsen (SP), André Odermatt (SP), Richard Rabelbauer (EVP) und Mauro Tuena (SVP). Moderieren wird der Anlass Tobias Keller von Radio 24.
Sonntag 10. Januar 2010, 15.00 Uhr, Restaurant Volkshaus, Stauffacherstrasse 60,Zürich
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Der Kampf um die frei werdenden Sitze im Zürcher Stadtrat treibt seltsame Blüten. Am Sonntagnachmittag stösst die SP Stadt Zürich im Restaurant Volkshaus mit potenziellen Wählerinnen und Wählern auf die Politik an – mit ihrem eigens hierfür kreierten Wahlbier.
Wahlkampf mit Alkohol, dem Suchtmittel Nummer eins in der Schweiz und Zürich, das ist doch eine Bieridee? «Natürlich wissen wir als Partei um die Alkoholprobleme in der Gesellschaft», sagt SP-Wahlkampfhelfer Emanuel Wyler gegenüber Tagesanzeiger.ch, «aber die grosse Mehrheit der Biertrinker hat ihren Konsum im Griff.» Es gehe schliesslich auch nicht darum, die Leute abzufüllen. «Das Bier wird kontrolliert verkauft und nicht an Minderjährige abgegeben.»
Die SP ist nicht «lustfeindlich und moralinsauer»
Wer nun denkt, dass sich die SP-Stadtratskandidaten am Sonntag tatsächlich wie auf dem Flyer angekündigt mit dem Wahlbier die Kante geben, wird wohl enttäuscht werden. «Wir haben kein Interesse daran, dass sich jemand besäuft. Wir wollen mit der Lancierung unseres Biers lediglich die Aufmerksamkeit auf den Wahlkampf lenken. Mit Schöggeli schafft man so was nicht», betont Wyler. Zudem soll das Wahlbier das Image der Partei auflockern. «Der SP wird immer vorgeworfen, dass sie lustfeindlich und moralinsauer sei. Aber das stimmt nicht.»
Geld wird mit der Bieraktion nicht in die Parteikassen fliessen. «Es ist ein Verlustgeschäft», so Wyler, «wir haben nur 10’000 Flaschen produziert. Da sind die Fixkosten zu hoch um einen Gewinn zu machen.» Ausserdem werden die Bierflaschen zum Selbstkostenpreis abgegeben, und das sei auch gut so. «Wir wollen schliesslich nicht auf den Getränkehandel umsatteln. So erfolglos ist unsere Politik nicht.»
«Bier ist kein Suchtmittel»
Ein anderer Politiker und Stadtratskandidat ist längst in den Getränkehandel eingestiegen. Urs Egger (FDP) betreibt seit 2005 als Hobby eine Brauerei im Seefeldquartier. Auch er nutzt den Gerstensaft im Kampf um die Wählergunst. Er lädt unter dem Motto «Es Bier mit mir» zum Umtrunk in seine Brauerei ein. Skrupel, dass er mit Alkohol Werbung macht, hat er dabei keine. «Bier ist kein Suchtmittel. Das ist ein gesundes Produkt und Teil der Ernährung», betont der FDP-Stadtratskandidat. «Ausserdem gehe ich als Liberaler davon aus, dass die Leute vernünftig genug sind und beim Biertrinken nicht übertreiben.»
Dass nun auch die SP mit Bier in den Wahlkampf startet, wundert den passionierten Bierkenner. «Es ist ein einfallsloses Abkupfern. Ich bin authentischer, weil ich schon seit fünf Jahren mein Bier in der Stadt Zürich produziere und nicht in einer auswärtigen Brauerei.»
Stellt sich nur noch die Frage, ob die Qualität des Biers einen Einfluss auf den Ausgang der Wahlen haben wird? «Man kann ja beide probieren und dann die Partei wählen, die das bessere Bier hat», meint Emanuel Wyler. «Mir wäre es allerdings lieber, wenn die Inhalte bei den Wahlen stärker berücksichtigt werden.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.01.2010, 16:37 Uhr


































