Bestattungen werden immer ausgefallener

Totenmasken, farbige Urnen, Bestattungen im See oder im Wald: Die wenigsten wollen eine gewöhnliche Erdbestattung im Reihengrab. Individualität und Kreativität sind hoch im Kurs.

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Frau Herold, seit in Stäfa Dignitas-Mitarbeiter verdächtigt werden, Asche in den See gestreut zu haben, ist die Seebestattung in aller Munde. Was halten Sie von einer solchen Abschiednahme?
Vom Gesetz her dürfen wir den Angehörigen die Urne mit der Asche geben. Was sie damit machen, ist im Gesetz nicht formuliert. Sofern Schicklichkeit und Pietät nicht verletzt werden, sehe ich aber kein Problem. In anderen Weltreligionen sind Beisetzungen ins Wasser weit verbreitet.

Was sind die häufigsten Beisetzungswünsche?
An erster Stelle steht mit über 40 Prozent das Urnenreihengrab. Mit 34 Prozent entscheiden sich die Leute am zweithäufigsten für eine Beisetzung in einem Gemeinschaftsgrab. An dritter Stelle folgt die Erdbestattung.

Das ist ja mehr als ein Drittel. Woher kommt diese Popularität beim Gemeinschaftsgrab?
Wir haben das in einer Studie untersucht. Menschen werden älter, das soziale Umfeld verändert sich. Die Leute sind nicht mehr gleich sesshaft wie früher. Oft wohnen Verwandte anderswo, sie gehen nicht mehr ans Grab. Eine grosse Rolle spielt auch die Aufenthaltsqualität auf dem Friedhof. Die ist oft schöner als bei Reihengräbern. Es hat Bänke und Weiher, die zum Sinnieren einladen. Auch finanzielle Aspekte spielen eine Rolle.

Der Wunsch nach alternativen Beisetzungsmethoden wächst – merken Sie das auch?
Dieser Wunsch ist auch bei uns spürbar. Auf dem Friedhof hat sich etwas verändert, die Leute bringen individuelle Wünsche zum Ausdruck. Im Gegensatz zu früher überlegt man sich viel häufiger, wie man Abschied nimmt. Das hat auch mit der Enttabuisierung des Todes zu tun.

Was für alternative Beisetzungsmöglichkeiten bietet die Stadt Zürich an?
Als Alternative zu den Gräbern auf 19 verschiedenen Friedhöfen stehen uns an zwei Orten Waldstücke für Aschenbeisetzungen zur Verfügung. Diese Wälder liegen in Leimbach und auf dem Hönggerberg. Innerhalb des Friedhofs haben wir auch Gemeinschaftsgräber für totgeborene Kinder und ein Grabfeld für Muslime im Friedhof Witikon.

Welche ausgefallenen Wünsche bringen die Leute an?
Das sind verschiedene, individuelle Wünsche. Sie betreffen zum Beispiel die Aufbahrungen, die man selber gestalten kann. Man kann auch die Tonurne oder den Sarg bemalen. Vieles ist möglich. Wir versuchen den Wünschen entgegenzukommen. Das schulden wir den Steuerzahlern. In der Stadt Zürich ist die Bestattung unentgeltlich.

Auf der Homepage des Bestattungsamts werden auch ausgefallene Accessoires angeboten wie eine Totenmaske?
Das ist richtig. Diesen Gipsabdruck vom Gesicht eines Verstorbenen bieten wir seit rund drei Jahren an. Drei bis 4 mal pro Jahr lassen wir eine solche Totenmaske auf Wunsch anfertigen. Wir denken, das ist ein schönes, erhaltungswürdiges Handwerk. Die Kosten belaufen sich auf etwa 1500 Franken. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.10.2008, 12:01 Uhr

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