«Die meisten werden ihre Schulden bis an ihr Lebensende nicht mehr los»
Von Werner Schüepp. Aktualisiert am 18.03.2010 18 Kommentare
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Die Zahl der Betreibungen hat im vergangenen Jahr in der Stadt leicht zugenommen, dabei haben die Betreibungsämter von der Wirtschaftskrise gar nicht viel gespürt. «Vielleicht kommt das noch mit Verzögerung», sagte Andreas Ott, Stadtammann im Kreis 1 und Präsident der Konferenz der Stadtammänner gestern vor den Medien. Die Zahlen seit Anfang Jahr bestätigen dies aber nicht, obwohl die Angaben von Krankenkassen und Steuerämtern noch fehlen. Die leichte Zunahme der Betreibungen (2008: 119'207, 2009: 125'426) von 6219 ist kein Vergleich mit dem Jahr 2005, das in den vergangenen zehn Jahren als Rekordjahr gilt (134'586).
Mit 21'131 wurden im Kreis 11 die meisten Betreibungen ausgestellt, gefolgt von den Kreisen 4 (17'588) und 9 (16'961). In den Kreisen 1 und 4 fällt das Verhältnis von Betreibungen zu zivilrechtlicher Bevölkerung besonders schlecht aus, wird doch hier jeder siebte betrieben. Besser sieht es in den Kreisen 6 und 7 aus und im Kreis 5 hat die Zahl der Betreibungen im Verhältnis zu den Personen sogar um 10 Prozent abgenommen. Knapp die Hälfte der 52'756 Pfändungen (2008: 49'803) waren ergebnislos. Insgesamt gingen den Gläubigern 71,4 Millionen Franken verloren.
«Hotel Mama» als Schuldenfalle
Die Zahl der Betreibungen hat in der Stadt seit 2000 um 18,9 Prozent zugenommen. Für Bruno Crestani, Stadtammann Kreis 4, gibt es in Zürich nach wie vor zu viele Menschen mit Schulden. «Trotz unseren Präventionsmassnahmen in Schulklassen und Berufsschulen stellen wir eine hohe Anzahl von Betreibungen bei den Jungen fest», sagte Crestani. Wer von zu Hause ausziehe, merke plötzlich, dass sich der Kühlschrank nicht allein fülle und die Krankenkassenprämie Ende Monat fällig sei. Besonders gefährdet ist die Altersklasse der 22- bis 31-Jährigen. Entsprechend schwierig ist es gemäss Stadtammann, aus der Schuldenfalle zu kommen. Crestani: «Die meisten schaffen es bis an ihr Lebensende nicht, ihre Schulden loszuwerden.»
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Erstellt: 18.03.2010, 04:00 Uhr
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18 Kommentare
@Myrta Mossa GENAU! Das sage ich schon seit Jahren! Es gibt genug Schulstoff den man später nicht mehr braucht, aber für das tägliche Leben wird man nicht unterrichtet! Wenn ich daran denke dass wir in den 90er Jahren nicht mal gesagt bekommen haben wie man sich nach der Schule richtig für eine Lehrstelle bewirbt etc., aber dafür kann ich jetzt fast alles über den 2. Weltkrieg auswendig! TOLL! Antworten
Naja, die Staaten machens vor, die geben auch jedes Jahr mehr aus als sie einnehmen. Wieso sollten das die einfachen Leute nicht auch tun? Obwohl ich privat keine Schulden habe, habe ich ja indirekt ein paar tausend Franken Schulden dank dem Staat - so what? Zudem stimme ich marie berner und Hans Meier zu. Vorausdenken ist nicht des Menschen Stärke. Antworten
Ich habe das Gefuehl, dass man die Menschen schon in der Schule viel besser auf das Leben vorbereiten sollte. Dazu gehoert neben Gesundheitslehre auch Umgang mit Geld fuer die einfachen Leute. Wenigstens haben wir bei uns einen Maximalzins fuer Schulden, ohne das waere die Situation noch viel schlimmer. In Amerika sind die Zinsen am Anfang vernuenftig fuer Kreditkarten, ploetzlich sind es 30 % Antworten
Schulden werden staatlich gefördert! Schuldzinsen können sogar abgezogen werden und Banken geben noch so gerne Kredit. Und das Auto wird ebenfalls abgestottert. Da braucht nur jemand eine teure Zahnarztbehandlung oder wird Arbeitslos und dann beginnen die Probleme. Die Schuldzinsen werden mit neuen Schulden bezahlt. Falls irgendwann die Hypothekarzinsen auf 5 oder mehr % steigen dann gute Nacht. Antworten
Ich habe selbst Schulden und versuche diese mühsam abzustottern, jedoch gibt es von den Betreibungsämter wenig bis gar keinen Support, wie man da am Besten rauskommt, ich finde man sollte besser schauen, wie man jungen Menschen aus den Schulden hilft als sie mit Briefen und Pfändungen und Androhungen zu schikanieren. Alle wollen aus den Schulden haben aber meist keinen Plan wies geht! Antworten
Und da wundert man sich immer, dass beim ersten Sonnenstrahl wieder Horden von jungen (meist) Männern mit dicken Schlitten a la BMW M5, Mercedes 6.3 AMG und Audi RS, die sich ein Familienvater nie und nimmer leisten kann, den See entlangbrettern. So einfach geht's. Leasing oder Kredit von der Bank, dafür KK-Prämien und Steuern nicht mehr zahlen können. Antworten
ich hatte in meinem Leben noch nie Schulden bei mir wird jede Rchnung sofort bezahlt aber es wird den Leuten auch sehr leicht gemacht zum Beispiel habe ich auch schon im Aushang der Schaufenster gelesen kaufe heute bezahle morgen,da muss man sich nicht wundern das die Leute animiert werden Schulden zu machen Antworten
Schulden sind doch politisch gewollt, die Banken u.a. verdienen daran. Unsere Bürgerlichen Wirtschaftsideologen und Politiker sagen klipp und klar: Die Wirtschaft braucht Schulden und Schuldner. Viele Kantone unterstützen Schuldenmachen durch den Abzug von Schuldzinsen von den Steuern, der Bund fördert Hypothekarschulden... ist doch alles so gewollt! Antworten
An der Schule - in meinem Falle eine Berufsschule - unternehmen wir alles, die Lernenden mit der Schuldenproblematik zu konfrontieren und sich aktiv damit auseinander zu setzen. Verweise auf die Zukunft sind allerdings nicht nachhaltig, besonders wenn die gewichtigen Budgetposten erst mit dem Einzug in die eigene Wohnung ins Gewicht fallen: Miete, Auto usw.. Antworten
@Susanne Beerli, ist das ein provokativer Fakebeitrag oder in was für einer Welt leben Sie? Zum Thema: Ob dieser relativ moderate Anstieg tatsächlich auf die Finanzkrise zurückzuführen ist, bezweifle ich. Zusammen mit dem unter jungen Erwachsenen tendenziell eher sorgloseren und prasserischen Umgang mit Geld sind es auch die schleichend steigenden Lebenskosten, die in die Schuldenfalle führen. Antworten
Mich wundert diese Entwicklung nicht. Im Gegensatz zu früher, wo Schulden an die persönliche Substanz gingen, gibt es heute ein rundum Care-Paket vom Staat. Jene, die Eigenverantwortung für ein Schimpfwort halten, sind die wahren Verantwortlichen. Ich denke sogar, dass dieses sorglose Verhalten denen noch entgegenkommt. Die Linke sichert sich mit den am Staatstropf hängenden ihr Wählerpotential. Antworten
@susanne beerli. Es sollen eben nur Eltern werden, die noch fähig sind, ihren Kindern das nötige "Rüstzeug" für deren zukünftiges Leben mit auf den Weg zu geben. Wenn die heutigen Mammas und Papas nicht mehr fähig sind, Ihren Kindern das Elementarste beizubringen, warum werden dann Nachkommen in die Welt gesetzt? Antworten
Das ist doch ein riesiger unnötiger Verwaltungsaufwand, wenn man von den Leuten Krankenkassenprämien und Steuern via Betreibungen einziehen muss, das sind sowieso obligatorische Zahlungen. Viel besser wäre es per Quellensteuer die Krankenkassenprämien und Steuern schon vor der Auszahlung des Lohnes sicherzustellen, damit die Leute das Geld nicht verjubeln und dann mühsam zusammenkratzen müssen. Antworten
Hier zeigt sich wieder, dass unser Schulsystem uns an ein realitätnahe Bildung vorbeischleust. Themen wie persönliche Finanzen wären m.E. Pflicht. Dies an die Eltern abschieben zu wollen ist falsch, denn diese sind tlw. selbst Analphabeten in diesem Bereich. Antworten






Christoph Geiser
Es gibt viele Gründe weshalb man in die Schuldenfalle tappt. Dass es hierzu ein Care-Paket der Linken geben soll, ist mir allerdings neu... Es sollte eine Betragslimite gegen unten, für Betreibungen, geben. Das zwingt die Anbieter zu mehr Verantwortung. Antworten