Brabeck über Protest: «An diese Musik bin ich gewöhnt»
Von Stefan Häne. Aktualisiert am 12.05.2009 12 Kommentare
...während Peter Brabeck im Vorlesungssaal über die Lebensmittelindustrie referierte. (Bild: Thomas Burla)
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Nestlé-Chef Peter Brabeck hatte leichtes Spiel, als er Dienstag am frühen Abend in einem Vorlesungssaal der Universität Zürich über «die Herausforderungen und Chancen der Lebensmittelindustrie» referierte. Flankiert von Sicherheitsleuten, hatte er die Mehrheit der 300 Zuhörerinnen und Zuhörer hinter sich. An der Wand hinter Brabeck prangte der Spruch: «Nestlé. Good Food. Good Life.»
Uni-Aktivisten standen zu diesem Zeitpunkt vor dem Saaleingang und protestierten mit Getöse gegen Brabeck, was dieser mit der Bemerkung quittierte: «An diese Musik bin ich gewöhnt.» Brabeck, der Österreicher, lächelte charmant – und erhielt Applaus vom Publikum, unter das sich diverse Politiker gemischt hatten, etwa Finanzdirektorin Ursula Gut (FDP) und Nationalrätin Kathy Riklin (CVP). Support von der mehrheitlich älteren Zuhörerschaft erhielt Brabeck auch, als er bei der Fragerunde von einem Studenten als «Mörder mit Krawatte» beschimpft wurde. Pfiffe und Buhrufe gab es für den jungen Mann, der kritisiert hatte, Brabeck verunmögliche mit der Privatisierung des Wassers Menschen den Zugang zu sauberem Trinkwasser. Später, beim Hinterausgang, sagte Brabeck, die Jugend brauche eben auch Feindbilder. Dann stieg er in den Car, abgeschirmt von Sicherheitsleuten, begleitet von Gut, Riklin und anderen Gästen.
Linksradikale unter Demonstranten
Die Uni-Aktivisten, rund 150 an der Zahl, kriegten Brabecks Abgang kurz vor 20 Uhr nicht mehr mit. Zwei Stunden zuvor hatten sie vor dem Haupteingang an der Rämistrasse eine «Uni frei von Konzerninteressen» gefordert. Angeprangert hatten sie auch den «Skandal», dass die Uni mit dem Segen des Universitätsrats, einer Ansammlung «neoliberaler Kräfte», für einen «Brutalo-Konzern» werbe. Unter den Demonstrierenden tummelten sich auch Linksaktivisten wie Andrea Stauffacher vom Revolutionären Aufbau.
Aufgerufen zur Kundgebung hatte das Komitee «Uni von unten». Es kämpft für weniger Einfluss der Privatwirtschaft auf die öffentliche Bildung. Das Komitee zog gestern eine positive Bilanz. «Wir haben unsere Kritik friedlich vorbringen können», sagte ein Sprecher auf Anfrage. Zu den befürchteten Krawallen sei es nicht gekommen. Offen ist, wie es mit der Gruppierung weitergeht. Die Mitglieder werden demnächst darüber beraten. Zur Diskussion steht eine engere Zusammenarbeit mit Basisbewegungen an anderen Schweizer Universitäten.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 12.05.2009, 23:12 Uhr
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12 Kommentare
In einer solch kranken Welt leben wir schon. Menschen, die anderen Menschen grundsätzlichste Lebensmittel nicht mehr verfügbar machen wollen, werden von der aufgeklärten Gesellschaft als Helden gefeiert. Wer sich von Ruhm und Glanz der Ausbeuter nicht blenden lässt, wird ausgebuht. Eine Welt die antisoziales Verhalten systematisch belohnt, kann nur zerstörerisch sein... Antworten
Studenten sind immer noch unerfahrene Kinder, die noch auf ihre Professoren hören, hätten sie auf ihre Eltern gehört, wären sie wesentlich reifer. Es kommt halt immer auf die Sichtweise und auf die Anforderungen im Leben an. Lass sie älter werden dann sind sie genau so wie Die, die sie heute "bekämpfen". Antworten



