Carlos posiert mit Ex-Posträuber

Der straffällig gewordene junge Mann zeigt sich auf Facebook mit einem ehemaligen Fraumünsterpost-Räuber auf der Langstrasse.

Carlos (Mitte) und der Ex-Posträuber (r.) sowie ein weiterer Kollege an der Langstrasse.

Carlos (Mitte) und der Ex-Posträuber (r.) sowie ein weiterer Kollege an der Langstrasse. Bild: Facebook

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Die Hand zur Faust geballt und über die Brust haltend, posiert der jugendliche Straftäter Carlos lachend mit einem ehemaligen Fraumünsterpost-Räuber und einem weiteren Kumpel auf dem Plätzchen vor der Piranha-Bar im Zürcher Rotlichtmilieu. Das Bild hat Carlos gestern auf sein Facebook-Profil geschaltet.

Der heute 38-jährige Schweizer neben Carlos war einer der fünf bewaffneten Räuber, die 1997 bei einem spektakulären Überfall auf die Fraumünsterpost 53 Millionen Franken erbeuteten, wovon die Hälfte noch immer verschwunden ist. Im Oktober 2004 wurde er erneut straffällig. Bei einem bewaffneten Überfall mit Komplizen auf einen Massagesalon in Zürich-Wipkingen sorgte er für Furore: Er erschoss einen Polizeihund, als die alarmierte Polizei erschien. Der Mann habe gezielt auf den Hund geschossen, weil er einen Komplizen gebissen hatte, sagten die Richter damals.

Laut Untersuchung waren damals 15 Schüsse gefallen, wahrscheinlich fünf vom Räuber und zehn von zwei Polizisten. Für den Überfall kassierte der kokainsüchtige Familienvater vom Obergericht sieben Jahre – zwei Jahre und drei Monate mehr als für den Postraub.

Bei einem Kommentar unter dem Bild wird mit einem Link auf eine TV-Doku-Sendung von 1997 hingewiesen, die über den Jahrhundertraub mit einer Beute von 53 Millionen Franken berichtete. «Dein nächstes Projekt?», fragt ein Facebook-Besucher und Carlos antwortet: «Haha».

Viel Fanpost im Knast

Auf einem anderen Bild, das Carlos auf Facebook gepostet hat, wird ein Haufen von Briefumschlägen gezeigt. «Ich bedanke mich für all die Briefe im Knast und danke Gott dem Allmächtigen, dass er mir Freiheit gab, danke, danke Herr.»

Das von Carlos veröffentlichte Bild auf der Langstrasse steht im Kontrast zu Bemühungen der Oberjugendanwaltschaft, welche für ihn ein Sondersetting ausserhalb des Kantons Zürich in Basel organisiert hatte – nicht zuletzt, damit er von der Öffentlichkeit nicht behelligt wird. Der Leitende Oberjugendanwalt wollte sich zum Fall nicht äussern. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 28.04.2014, 17:07 Uhr)

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