Chaos an der Uni Zürich um Diplom und Master-Titel
Von Monica Müller. Aktualisiert am 29.03.2010 4 Kommentare
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Im Herbstsemester 2009/2010 waren insgesamt 443 Studierende aus 19 Fachrichtungen für die Ausbildung zum Gymnasiallehrer eingeschrieben, mit dem Ziel, den «Master of Advanced Studies in Secondary and Higher Education» (MAS SHE) zu erwerben. Dieser Lehrgang ersetzt seit 2006 das Höhere Lehramt für Mittelschulen und ist mit höheren Anforderungen verbunden. Über die Webseite des Instituts für Gymnasial- und Berufspädagogik (IGB) haben einige Studierende dann aber zufällig festgestellt, dass die Universität Zürich ihren Lehrgang per 1. Februar 2010 abgeschafft hat. Statt des Master-Titels sollten sie neu ein «Lehrdiplom für Maturitätsschulen» erhalten.
Die Änderung stösst den Betroffenen sauer auf. 80 von ihnen haben einen Protestbrief an den Dekan verfasst. Sie hätten sich nicht nur für den Lehrgang entschieden, um an einer Schweizer Mittelschule zu unterrichten: «Wir sind der Ansicht, dass im Bologna-Zeitalter ein Master-Titel einen international anerkannten Wert darstellt.»
Ein Master-Titel nur für Zürich
Bereits im vergangenen Sommer sorgte die Umbenennung der Gymi-Lehrer-Ausbildung für rote Köpfe. Damals erhielten die ersten Absolventen des Lehrgangs ein Diplom, das nicht schweizerisch anerkannt ist. Die Konferenz der Erziehungsdirektoren (EDK) verweigerte die Anerkennung, weil ein MAS-Titel nur für Weiterbildungsangebote von Hochschulen gelte, nicht aber für Grundausbildungen. Die Studierenden protestierten: Sie hätten sich für einen Master eingeschrieben und nie Grund zur Annahme gehabt, die Gültigkeit ihres internationalen Diploms ende an der Kantonsgrenze.
Diese ersten Absolventen haben nun gute Neuigkeiten erhalten: Sie können ihr MAS-SHE-Diplom gegen ein neues eintauschen mit dem erklärenden Zusatz «ein Diplom für Maturitätsschulen». Zusätzlich wird ihnen eine Bescheinigung in Aussicht gestellt, wonach die beiden Diplome gleichwertig sind. Damit sind die Betroffenen zufrieden.
Nicht zufrieden sind aber jene Studierenden, die den Lehrgang im Herbst begannen, und sich des Konfliktes um den Titel ihrer Ausbildung nicht bewusst waren. In ihrem Protestbrief fragen sie: «Wieso wurden wir nicht aktiv auf die Problematik hingewiesen? Wieso köderte man uns in eine Ausbildung mit einem international klingenden, bezüglich Lehrmöglichkeiten weitergehenden, verlockenden Diplom, das wir nun nicht erhalten sollen?» Sie fordern die Philosophische Fakultät auf, den Betroffenen beide Diplome zu verleihen.
Rechtliche Schritte gegen Uni
Laut der IGB-Direktorin, Regula Kyburz-Graber, ist das aber unmöglich: Die Universität vergebe Diplome auf der Basis von Studienreglementen. «Für ein und denselben Studiengang gibt es nur ein Reglement und somit auch nur ein Diplom.» Die Umbenennung des Diploms entspreche keiner Abwertung: «Der MAS SHE-Titel ist – marketingtechnisch – nicht mehr wert als das Lehrdiplom für Maturitätsschulen.» Sobald klar gewesen sei, dass die EDK ein Lehrdiplom für die Anerkennung voraussetzt, habe das IGB die Studierenden im Juni 2009 auf der Homepage informiert.
Die Studierenden haben die Situation mit Vertretern des IGB, des Rechtsdienstes und dem Alt-Dekan Reinhard Fatke diskutiert. Fazit: Eine Lösung, wie sie für die ersten MAS-SHE-Absolventen getroffen wurde, kommt für die Uni nicht infrage: Sie werden nur das «Lehrdiplom für Maturitätsschulen» erhalten. Nun erwägen einige der Studierenden rechtliche Schritte. Über deren Ausgang will die IGB-Direktorin nicht spekulieren.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 29.03.2010, 04:00 Uhr



