Zürich

Chefärzte des Uni-Spitals bekommen ein eigenes Herzzentrum

Von Susanne Anderegg. Aktualisiert am 27.08.2010 9 Kommentare

Der Kardiologe Thomas Lüscher und der Herzchirurg Volkmar Falk sind mit den heutigen Zuständen am Uni-Spital unzufrieden. Jetzt haben sie die Spitalleitung von einem Neuanfang überzeugt.

Die Aussicht ist schön, die Anlagen sind veraltet: Die Herzspezialisten Thomas Lüscher (links) und Volkmar Falk mit Spitaldirektorin Rita Ziegler im Uni-Spital.

Die Aussicht ist schön, die Anlagen sind veraltet: Die Herzspezialisten Thomas Lüscher (links) und Volkmar Falk mit Spitaldirektorin Rita Ziegler im Uni-Spital.
Bild: Nicola Pitaro

Seit Anfang 2009 ist Volkmar Falk Chef der Herzchirurgie im Universitätsspital. Er kam von Leipzig, das ein grosses, auf die grüne Wiese gebautes Herzzentrum hat. Er kam mit der Absicht, die Herzchirurgie von Zürich weiterzuentwickeln. Das habe er in den Berufungsverhandlungen betont, sagt Falk. «Ich bin sehr froh, dass der Spitalrat nun entschieden hat, ein Herzzentrum zu schaffen.» Zu den Gerüchten, wonach er sein Bleiben in Zürich davon abhängig gemacht habe, sagt Falk: «Das Zentrum ist unabhängig von meiner Person wichtig für Zürich.»

Schwung in die Sache gebracht hatte der Berner Immobilienunternehmer Bruno Marazzi. Er bot dem Uni-Spital an, sich mit dem neuen Herzzentrum in einem Hochhaus einzumieten, das er neben dem Mobimo-Tower plant. Und er machte Druck: Bis Ende August sollte sich das Uni-Spital entscheiden. Dies hat der Spitalrat getan. Er hat allerdings nur grundsätzlich Ja gesagt zum Herzzentrum. Standort und Grösse sind noch offen. Laut Spitaldirektorin Rita Ziegler braucht man etwa ein halbes Jahr, um alle Fragen zu klären. Ziegler möchte auch mit anderen Investoren reden. Neben Marazzi gebe es «noch ein paar Interessenten». Marazzi stört das nicht. «Ob wir bauen oder ein anderer, ist nicht wichtig», sagt er. Auch der Standort sei nebensächlich. Der Unternehmer will einfach, dass die Spitzenmediziner eine gute Infrastruktur bekommen. Ihm gehe es darum, dass die Schweiz mit einer hochstehenden Medizin Patienten aus der ganzen Welt anziehen kann. «Dafür brauchen wir moderne Bauten, in Zürich ebenso wie in Bern.»

Konkurrenz unter einem Dach

Die wichtigste Frage ist die nach den Beteiligten: Gelingt es, alle öffentlichen Herzchirurgien von Zürich unter einem Dach zu vereinigen? Werden in Zukunft die Kardiologen und Herzchirurgen von Universitätsspital, Stadtspital Triemli und Kinderspital ein Team bilden? Ein erstes Treffen hat laut Ziegler diese Woche stattgefunden, nun würden die Gespräche vertieft. Ziegler wagt keine Prognose, wie sie ausgehen werden.

Kinderherzchirurg René Prêtre zumindest ist interessiert: «Mit einem Herzzentrum könnte Zürich seine frühere Bedeutung als europäische Referenz zurückgewinnen.» Auch Kispi-Direktor Markus Malagoli steht dem Projekt offen gegenüber. Schwieriger wird es beim Triemli, das seine Infrastruktur eben erst erneuert hat und wohl nur ungern eine seiner Königsdisziplinen weggeben würde. Zudem ist die Beziehung zwischen den Herzchirurgien von Universitätsspital und Triemli belastet. Triemli-Chefarzt Michele Genoni war nach dem Fall Voser als Troubleshooter ans Uni-Spital geholt – und später wieder hinausgemobbt worden. Das war jedoch vor Volkmar Falks Zeit. Falk versichert: «Wir gehen offen in diese Gespräche hinein, wir wollen nichts übernehmen, sondern zusammenarbeiten. Unser Ziel ist ein grosses Herzzentrum für den Grossraum Zürich.»

Ein Neubau ist für das Uni-Spital vor allem aus zwei Gründen wichtig: Er bringt mehr Kapazität, und Kardiologen und Herzchirurgen können besser zusammenarbeiten. Die beiden Fachgebiete haben immer mehr Überschneidungen. «Bis zur Erfindung des Ballonkatheters behandelten die Kardiologen vor allem mit Medikamenten», sagt Falk, «inzwischen machen sie viele Eingriffe.» Und mit der Alterung der Gesellschaft werden es noch mehr werden, wie Chefkardiologe Thomas Lüscher sagt: «Herzkranzerkrankungen nehmen zu.» Bei diesen kommt erst der Kardiologe zum Einsatz, er weitet mit einem Katheter die Blutgefässe aus. Genügt dies nicht, legt der Chirurg einen Bypass.

Veraltet und kompliziert

Sowohl Lüscher als auch Falk verzeichnen in ihren Kliniken steigende Patientenzahlen. Beide sind punkto Kapazität am Limit, wie sie sagen. Kommt hinzu, dass die Infrastruktur veraltet und kompliziert ist, weil das Uni-Spital aus einer Vielzahl von Gebäuden aus verschiedenen Epochen besteht. Lüscher: «Die Arbeitsbedingungen sind teilweise sehr schwierig.» Falk: «Unsere bauliche Infrastruktur stösst bei den Patienten zunehmend auf Unverständnis.»

Auf einen Gesamtumbau oder gar Neubau des Spitals wollen weder Falk (45) noch Lüscher (55) warten. Denn ein solcher wird kaum vor 2030 fertig sein. Dann sind sie längst pensioniert. «Es braucht einen Befreiungsschlag, damit wir wieder Perspektiven haben», sagt Spitaldirektorin Ziegler. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.08.2010, 23:20 Uhr

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9 Kommentare

Werner Grütter

27.08.2010, 08:13 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Wie lässt sich das mit der Kostendiskussion um die Krankenkassenprämien und des immer noch schwelenden Streits der Kantone um die Anzahl der Spezialbehandlungszentren vereinbaren. Sind diese Probleme alle gelöst, oder setzen sich hier die Götter in weiss selbst ein Denkmal. Unter dem Deckmantel; Sie könnten der nächste Patient sein, darf man alles machen und Geld ausgeben, das man nicht hat? Antworten


Kölbl Jean Paul

27.08.2010, 16:50 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Wir hatten gerade das grosse Vergnügen im Uni Spital zu sein. Für halb-Privat versicherte gibt es schmuddelige Zimmer, Gemeinschafts-WC und Duschen auf dem Gang, kaum Platz für das Neugeborene in den Zimmern. Es hat uns ziemlich gegruust. Und der Dank geht an: Frau Diener die es als Direktorin total verpasst hat, diese Infrastruktur zu unterhalten oder erneuern. GLP sei Dank. Antworten



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