Zürich

Chirurg, Philosoph, Hobbypolitiker

Aktualisiert am 09.02.2010 3 Kommentare

Zweifel ist ein bunter Hund, ein Freak, herrlich unverbraucht und als 53-Jähriger so euphorisch wie ein Jungsozialist.

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Schade ist Politik nicht Fussball: Man müsste Karl Zweifel eine Halbzeit lang spielen lassen, für ein Jahr als Stadtrat einsetzen. Bei keinem anderen Kandidaten ist es so schwer einzuschätzen, ob er sich als Stadtrat eignet. Kann ein hochspezialisierter Chirurg, der pro Jahr 500 heikle Operationen an Wirbelsäulen ausführt und eine halbe Million verdient, plötzlich umstellen? Langweilige Sitzungen abhocken, Altersheime einweihen und – das vor allem – sich als Schnelldenker dem gemächlichen Tempo der Verwaltung anpassen? Zum halben Lohn.

Zweifel ist ein bunter Hund, ein Freak, herrlich unverbraucht und als 53-Jähriger so euphorisch wie ein Jungsozialist. Mit seinen langen schwarzen Haaren sieht er aus wie eine Mischung aus Dustin Hofmann und Jürgen Drews, wie einer der drei Musketiere oder ein gut gealterter Altlinker. Doch sobald Karl Zweifel zu sprechen beginnt, tönts nach Mörgeli und Blocher – nur doppelt so schnell und ohne Punkt und Komma.

Der «Vierteiler»

Den SVP-Rhetorikkurs hat Zweifel noch nicht besucht. Keine Zeit. Bis jetzt hat er am Sanitas-Spital in Kilchberg operiert. Und so redet Zweifel halt noch wie ein Chirurg in der Kantine – wie einer, der Hunderte von Biografien, philosophischen Werken und historischen Wälzern verschlungen hat. Und versteigt sich zur Formulierung, dass man Eveline Widmer-Schlumpf vierteilen sollte und er eines der vier Pferde selber reiten würde.

Seither wird Zweifel «Vierteiler» genannt, der seine Chancen gevierteilt hat. Das betrübt ihn. «Eine falsch verstandene Metapher, und die Medien kennen nur noch eine Schlagzeile.» Dabei sieht er sich als feinsinnigen Philosophen, gutmütigen Menschen und Teamplayer. Ein unmöglicher Kerl kann er in der Tat nicht sein: Zweifels Praxisassistentin ist seit 1991 auch seine Partnerin. Wer fast 24 Stunden im Tag mit der gleichen Person harmoniert, muss ein ausgeglichener Typ sein.

An die politische Mitte glaubt er nicht

Zweifels Partnerin, eine Deutsche, führt zur dritten der drei grossen Fragen um Karl Zweifel. Weshalb ist Zweifel in der SVP? Weshalb will er in die Politik? Und warum beteiligt er sich an der Deutschen-Hatz?

An die politische Mitte glaubt Zweifel nicht: «Man kann ja auch nicht bloss ein bisschen tot sein.» Deshalb kommt für ihn eine FDP nicht infrage. «Dann lieber ganz links.» Sein Denken deckt sich fast perfekt mit der SVP. Er schimpft gegen zu viele Velowege, über den Stau, über Schuldenwirtschaft und Kriminalität. Aber stur ist er nicht. Zweifel hat die reformorientierte Prima-Initiative zur Einführung einer Grundstufe an der Volksschule unterschrieben. «Wenn etwas gut ist, dann ist es gut.»

«Ich brauche keine Berater»

Warum wechselt ein Halbgott in Weiss zur Politik? «Ich kann als Chirurg nicht mehr besser werden», sagt Zweifel. Im Alter nehmen Geschicklichkeit und Sehkraft ab. «Heute kann ich pro Jahr 1500 Patienten zufriedenstellen, als Stadtrat 380'000 Zürcher.» Zweifel ist überzeugt, als Gesundheitsvorstand seinen Jahreslohn schnell amortisiert zu haben. Beispiele: Krebsmedikamente seien skandalös teuer. Oder: Eine Titanschraube, wie er sie in Wirbelsäulen schraubt, kostet in der Schweiz 1000 Franken, in Frankreich bloss 200. Als Chef über 900 Spitalbetten habe er die Macht, etwas zu bewegen. Und, als Seitenhieb an Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger: «Die Gesundheitsdirektion braucht ein Dutzend Berater. Ich könnte das allein.»

Beim Thema Ausländer gleitet Zweifel in Geschichte und Philosophie ab. Dann neigt er dazu, vor lauter vernetztem Denken den Faden zu verlieren. «Auf die richtige Menge kommt es an, hat schon Paracelsus gesagt.» Zweifel verlangt, den eigenen Nachwuchs in Pflege und Medizin zu fördern. Wegen des Numerus Clausus würden Hunderte von Schweizer Maturanden vom Medizinstudium ausgeschlossen und dafür Ausländer ins Land geholt.

Rat von Corine Mauch

Einen Rat hat Zweifel sogar von Stadtpräsidentin Corine Mauch erhalten. «Sie hätten besser als Regierungs- oder Kantonsrat kandidiert, dort wird Gesundheitspolitik gemacht.» Wird Zweifel als Stadtrat nicht gewählt, kann er das 2011 versuchen. Und sonst wird er Schriftsteller. Ein rund 450-seitiges philosophisches Werk über das Weltkonzept hat er praktisch fertig.

Erstellt: 08.02.2010, 20:37 Uhr

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3 Kommentare

Renato Testa

11.02.2010, 08:06 Uhr
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Schusel bleib bei deinen Leitungen, oder so ähnlich. Ein Jürgen Drews mit Blocherschen Denkschemen, nein danke. Ich hoffe sie können bald und "herrlich unverbraucht" ihn Pension gehen. Antworten


Claudia Bertschi

11.02.2010, 09:11 Uhr
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Was bringts, Schnelldenker zu sein, wenn man im Innersten doch ein Schlächter aus dem Mittelalter geblieben ist? Übrigens ne ganz gute Masche, zu behaupten, seine saddistische Aussage sei eine falsch verstandene Metapher. Wenn wir zu blöd sind, die tiefgründigen Bilder des grossen Meisters zu verstehen, sind wir wohl die falschen Untertanen. Meiner Meinung nach die zweitschlechteste Option! Antworten



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