Waschbär, Marder, Qualle: Zürichs tierische Mitbewohner

Viele Tiere zieht es in die Nachbarschaft des Menschen - von Fledermäusen bis zu Waschbären. Experten schätzen, dass rund 16'000 Arten in Zürich leben.

1/15 Der aus Nordamerika stammende Waschbär mit seinen langen Fingern ist nacht- und dämmerungsaktiv. Bei Schnee hält er eine Winterruhe. Er wird bis zu 70 Zentimeter lang und 9 Kilogramm schwer. In Zürich wurde er schon in der City, am Zürichberg und in der Umgebung des Katzensees gesichtet.
Bild: Keystone

   

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Graureiher an der Sihl, Fledermäuse über der Dachterrasse, Mauereidechsen im Rangierbahnhof, Füchse im Garten, Feuersalamander am Uetliberg, Höckerflohkrebse im Zürichsee und Wildschweine am Katzensee - in Zürich haben sie allesamt ihre Nische gefunden. Während diese Tierarten eher häufig vorkommen, gibt es auch seltene Gäste wie etwa den Luchs, die Gämse oder den Waschbär.

«Es ist verrückt, dass in der Stadt Zürich sogar rund 16'000 verschiedene Tierarten leben», sagt der Biologe Stefan Ineichen, der zusammen mit Max Ruckstuhl von Grün Stadt Zürich ein Buch über die «Stadtfauna» herausgibt und darin eine Auswahl von 600 Arten vorstellt. Trotz der dichten Besiedelung sei die Vielfalt in Zürich gross, da es Wälder, Parks, Gärten, Friedhöfe, Brachflächen, Flüsse und Seen gebe. Doch man müsse aufpassen, dass diese Restflächen auch erhalten blieben.

Natur in der grossen Stadt

Gewisse Arten wie der an Gebäude nistende Alpensegler kommen in der Region fast nur in Städten vor oder sind im Siedlungsraum viel häufiger als im Umland. So gilt die Mauereidechsenpopulation im Zürcher Bahnhofsgelände als die grösste nördlich der Alpen. Igel erreichen in der Stadt zwei- bis dreifach höhere Dichten als in ausserstädtischen Räumen, und Füchse können in Zürich stellenweise mehr als zehnmal so dichte Bestände erreichen wie im Umland.

Doch bei einigen Tierarten ist die Population auch deutlich geschrumpft. So waren im frühen 19. Jahrhundert auf Wiesenböschungen um die Schanzenanlagen im Gebiet des heutigen Stadtzentrums Schlingnattern keine Seltenheit, während sie heute nur noch in der Fallätsche gesehen wurden - und einmal, im Jahr 1989, auf dem Parkplatz der Saalsporthalle.

Zur Stadtfauna gehört auch die exotisch anmutende knallrote Scharlachlibelle, die nur von den Katzenseen bekannt ist, oder die mit der Vogelspinne verwandte Tapezierspinne, die grosse, nach vorn gerichtete Giftklauen besitzt und bis zu zehn Jahre alt werden kann, sowie die stark riechende Knoblauchglanzschnecke, die bei Berührung ihrem Namen alle Ehre macht.

Fast 100 Vogelarten in Zürich

Das Buch macht deutlich, warum Tiere in der Stadt einen komfortablen Lebensraum finden können, aber auch, dass dieser gefährdet ist und geschützt werden muss. Zu jeder Tierart gibt es deshalb einen praktischen Info-Teil mit Bild und Steckbrief. Bisher sprechen die Zahlen für den Standort Zürich: Von insgesamt 90 in der Schweiz bekannten Säugetierarten findet man 40 davon auch in Zürich. Und mehr als die Hälfte aller in der Schweiz vorkommenden Arten von Wasserschnecken, Muscheln, Libellen, Fischen und Amphibien wurden ebenfalls hier beobachtet. Bei den Vogelarten sind es in Zürich knapp die Hälfte mit 97 Arten von 195 Arten in der Schweiz.

Obwohl der Anblick von Füchsen in der Stadt Zürich längst alltäglich ist, muss man auf dem Weg zum Einkaufen noch nicht mit einer gefährlichen Gruppe Wildschweine rechnen. Laut dem Buch «Stadtfauna» ist es den von Nordosten kommenden Tieren bisher nicht gelungen, die teilweise eingezäunten Strassen und die durch das Hochschulgelände belegten Flächen zwischen Hönggerberg und Käferberg zu überwinden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.02.2010, 11:54 Uhr

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