Zürich

Dank Internet boomt der illegale Handel mit Billighunden

Von René Lenzin und Liliane Minor. Aktualisiert am 21.12.2009 8 Kommentare

Viele Kinder wünschen sich einen Hund zu Weihnachten – und Eltern kaufen ihnen das Haustier günstig im Internet. Doch Tierschützer und Behörden warnen vor diesen illegalen Angeboten.

Schaad

Tiere in zwei Zimmern eingesperrt

Es war nur ein kleiner Schlag gegen die Tiermafia: Zusammen mit Kantonstierarzt Tullio Vanzetti hat die Tessiner Polizei letzte Woche 9 Chihuahua-Welpen und 7 Perserkatzen beschlagnahmt. Die Halter hatten die Tiere illegal aus Tschechien eingeführt und sie in zwei Zimmern unter misslichen Verhältnissen eingesperrt. Insgesamt seien gar 16 Hunde importiert worden, aber ein Teil der Lieferung habe den Transport nicht überlebt oder sei bereits verkauft worden, teilte die Kantonspolizei mit. Sie erstattete Anzeige gegen zwei im Tessin wohnhafte Personen wegen Tiermisshandlung und Verstosses gegen die Einfuhrbestimmungen.

Den Tierquälern auf die Spur gekommen sind die Behörden dank dem Hinweis eines Käufers. Ohne solche Meldungen sei es schwierig, dem illegalen Tun auf die Schliche zu kommen, sagt Vanzetti. Dank Internet und den abgebauten Grenzkontrollen floriere der illegale Tierhandel. Besonders problematisch sei, dass die Tiere nicht registriert und oft auch nicht geimpft seien. Bei den beschlagnahmten Chihuahuas fehlte die Tollwutimpfung, was die Hunde auch zu einer Gefahr für den Menschen macht. (len)

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Der Jöö-Effekt ist gross, wenn man im Internet ein Bild von einem Wurf süsser Welpen sieht. Manch ein Kind kriegt da glänzende Augen und wünscht sich einen solchen kleinen Freund zu Weihnachten. Weniger gross war der Jöö-Effekt, als die Tessiner Polizei letzte Woche neun illegal importierte Chihuahua-Welpen beschlagnahmte, die in engen Zimmern eingesperrt waren (siehe Kasten).

Und auch einem Zürcher Hundefreund ist die Freude am herzigen Welpen bald vergangen: Er hatte in Osteuropa einen jungen Mops «aus bester Zucht» zu einem günstigen Preis erstanden. In der Schweiz hätte ihn ein solches Tier bis zu 2000 Franken gekostet – in Osteuropa nicht einmal die Hälfte. Doch bald zeigte sich, dass das Tier gesundheitlich angeschlagen war. Die Kosten für den Tierarzt übertrafen die Einsparungen um ein Vielfaches. Und was der Veterinär dem Halter sagte, war niederschmetternd. Der Mops habe angeborene Defekte, weil der Züchter die Elterntiere nicht sorgfältig genug ausgesucht habe.

Illegal importiert

Das sind keine Einzelfälle. «Wir bekommen immer wieder Meldungen von Hundehaltern, die sich von Züchtern übers Ohr gehauen fühlen», sagt Fredy Brunner, Chef des Dienstes Tier-/Umweltschutz der Kantonspolizei. Und nicht selten zeigt sich in dem Zusammenhang, dass die Hunde nicht nur aus fragwürdigen Zuchten stammen, sondern überdies auch illegal importiert worden sind. Teilweise sind sie nicht einmal korrekt gekennzeichnet, häufig nicht geimpft und meistens werden sie nicht verzollt. «Dabei müsste nur die Mehrwertsteuer bezahlt werden», sagt Brunner. Aber selbst das wollten die Halter sich ersparen.

Schwungvoll ist nur schon der Handel mit coupierten Hunden, denn in der Schweiz ist diese Praxis verboten. «Ist der Hund erst einmal im Land, kommen die Leute zu uns und wollen ein Attest, dass dem Hund aus medizinischen Gründen Schwanz oder Ohren gekappt worden seien», berichtet die Zürcher Kantonstierärztin Regula Vogel. Erfolg haben sie damit nur, wenn die Krankengeschichte lückenlos ist und im Original vorliegt. Ansonsten handelten sich die Halter mit einem solchen Tier ein grosses Problem ein, warnt Vogel: «Jedes Mal, wenn sie mit dem Hund die Schweiz verlassen und neu einreisen, begehen sie eine Straftat.»

Möpse sind derzeit der Renner

Noch häufiger sind aber Modehunde betroffen. Derzeit sind das vor allem Kleinrassen, die sich vermeintlich problemlos halten lassen und zuweilen regelrechten Accessoire-Status haben. «In Zürich ist derzeit der Mops ein absoluter Renner. Die Zahl hat sprunghaft zugenommen», sagt Polizist Brunner. «Die Nachfrage kann allein aus Schweizer Zuchten gar nicht gedeckt werden.» Karin Keller, Chefin der für den Tierschutz zuständigen Fachabteilung der Kapo, ergänzt: «Gerade Leute, die Modehunde wollen, sind nicht bereit, auf den nächsten Wurf aus einer seriösen Zucht zu warten. Sie wollen ihr Tier sofort. Und sie wollen es möglichst billig.»

Der grosse Trugschluss

Gegen die ausländischen Zuchten hat die Polizei nichts in der Hand. Man könne nur an die Käufer appellieren, genau zu prüfen, wo sie ihre Vierbeiner erwerben. Es sei auch nicht sinnvoll, ein Tier bloss aus Mitleid zu kaufen, betont Keller: «Wer glaubt, er hätte so einen Hund gerettet, der muss sich bewusst sein, dass er damit die fragwürdigen Zuchten unterstützt.»

Der Handel mit solchen Tieren verläuft oft dubios ein paar Kilometer jenseits der Grenze. Manche Jungtiere werden auf Autobahnparkplätzen regelrecht verschachert. Kantonstierärztin Vogel schätzt den Internethandel mit Hunden als «gigantisch» ein. «Wir haben jede Woche mit nicht korrekt verzollten Hunden zu tun.»

Ein Forschungsprojekt des Bundesamts für Veterinärwesen stützt diese Vermutung. Darin wird die Anzahl illegal eingeführter Tiere im Jahr 2006 auf 30'000 geschätzt, davon seien 62 Prozent Hunde. Wenig überrascht über diese Schätzung ist Heinz Lienhard, der Präsident des Schweizer Tierschutzes (STS). Es gebe Hunderte Internetplattformen, auf denen Haustiere angeboten würden, «und leider fallen immer mehr Leute auf die unseriösen Angebote herein.» Die Hunde stammen laut Lienhard zum grössten Teil aus osteuropäischen Ländern wie Ungarn und Rumänien. Die Verhältnisse in den Zuchtstätten seien miserabel. Zudem würden die Welpen zu früh von der Mutter getrennt und seien daher schlecht sozialisiert. «Wenn die Hunde Stammbäume und Impfzeugnisse haben, sind sie häufig gefälscht», sagt Lienhard weiter. Der STS verlangt eine Bewilligungspflicht für den Import von Hunden, und er möchte den Zwischenhandel verbieten. Hunde soll man nur noch im Tierheim – oder direkt beim Züchter kaufen.

Keine Tiere verschenken

Ob legal oder illegal – als Geschenk findet Lienhard Hundewelpen und Büsi ohnehin ungeeignet. «Tiere gehören nicht unter den Weihnachtsbaum», heisst es in einer Broschüre des STS. Ist der Jöö-Effekt einmal vorbei, so die Erfahrung der Tierschützer, landen Fido und Schnurrli nämlich häufig in den sowieso schon überfüllten Tierheimen. Wo sie oft genug auch blieben. Denn gerade Modehunde sind häufig schlecht erzogen und so kaum vermittelbar. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.12.2009, 04:00 Uhr

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8 Kommentare

peter ess

21.12.2009, 08:54 Uhr
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Wenn Schläger und Platzhirsche nur mit Bewährung angemahnt werden, ist es doch wohl klar dass Verkäufer und Käufer dieser Tiere ....... überhaupt nichts zu befürchten haben. Antworten


Helena Rupp Grau

21.12.2009, 10:44 Uhr
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Danke für diesen Bericht. Bekommen Leute, die solche Hunde von diesen Händlern und Tierquälern kaufen, eigentlich keine Strafe? Vorallem, wenn die Tiere illegal coupiert sind? Diese Leute müssten per se vom Tierarzt verzeigt und zur Herausgabe des Händlernamens gezwungen werden und nicht erst, wenn sie aus- und einreisen mit dem Tier. Antworten



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