Zürich

«Danksagung an Steuerzahler ist heilsam»

Aktualisiert am 07.01.2011 8 Kommentare

Zürich und Winterthur schreiben den besten Steuerzahlern einen Brief. «Heilsam», meint Tagesanzeiger.ch-Redaktor Christoph Landolt. «Unnütz», schreibt sein Kollege Simon Eppenberger.

Christoph Landolt: «Der Staat sollte sich bei allen bedanken.»

Simon Eppenberger: «Danksagungen sind ein Hohn.»

Umfrage

Soll sich Zürich bei den Steuerzahlern bedanken?

Ja, die besten Steuerzahler verdienen Dank

 
41.6%

Nein

 
29.8%

Ja, aber bei allen Steuerzahlern

 
28.5%

550 Stimmen


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Pro: Christoph Landolt:

Jene hundert, die in der Stadt Zürich am meisten an den Staat abliefern müssen, erhalten ein Dankesschreiben. Eine kleine Geste für ein grosses Opfer. Wer über 250'000 Franken Steuern bezahlt, müsste sich die Fiskalquote von Zürich nicht unbedingt antun – ein Dankeschön der Stadt ist deshalb das Mindeste.

Die Spitzenverdiener tragen zwar am meisten zur Finanzierung der staatlichen Leistungen bei. Aber auch die etwas weniger reichen Reichen und der Mittelstand arbeiten viele Monate, um Steuern und andere Zwangsabgaben bezahlen zu können. Sie tun das genauso unfreiwillig wie die obersten Hundert auf der Fiskalrangliste. Nun könnte man argumentieren, dass die Stadt sich den Aufwand für Dankesbriefe besser sparen sollte. Wer so spricht, verkennt aber, dass die Steuern nicht dem Staat, sondern dem Bürger gehören.

Die Stadt sollte deshalb allen danken, jedem einzelnen der 231'000 steuerpflichtigen Privatpersonen sowie allen 22'800 Firmen. Die Dankesschreiben können und sollen nicht mehr nur von Stadtpräsidentin Corine Mauch und Finanzvorsteher Martin Vollenwyder unterzeichnet werden. Alle sollen ein paar Briefe unterschreiben: Jeder Politiker, der mithilft, das Geld der Bürger auszugeben, und jeder Staatsangestellte, dessen Lohn aus Steuern finanziert wird.

Sie alle sollten zum Füller greifen und während dem Unterschreiben ein paar Minuten an die hart arbeitenden Steuerzahler denken. Das Bewusstsein, dass die Steuern nicht dem Staat, sondern dem Bürger gehören, ist gerade unter den Politikern und in der Verwaltung erschreckend unterentwickelt. Wenn die Nutzniesser des Staates beim Beschliessen von neuen Staatsaufgaben, beim Schaffen von neuen Gesetzen, beim Ausschöpfen der Budgets ein bisschen mehr Hemmungen hätten, dann fiele es Finanzvorsteher Martin Vollenwyder sehr viel leichter, die nötigen 220 Millionen einzusparen. Eine Stadt, in der das Wohl der Steuerzahler als wichtigster Gradmesser allen staatlichen Handelns gilt, wäre eine bessere Stadt.

Kontra: Simon Eppenberger:

Dass die Stadt Zürich den jeweils 100 bestverdienenden Firmen und Personen einen Dankesbrief für ihre Steuern bezahlt, ist ein hoch fragwürdiges Vorgehen. Wofür soll man ihnen danken? Dafür, dass sie nicht nach Schwyz oder Zug gezügelt sind, sondern dort ihre Steuern bezahlen, wo sie sich am wohlsten fühlen und auch am meisten von einer herausragenden Infrastruktur profitieren? Und wieso wird nur dem Geldadel und den Grossfirmen gedankt, die trotz Steueroptimierung noch soviel übrig haben, dass sie namhafte Summen abliefern müssen?

Denn die 200 Briefe sind völlig nutzlos. Keine Firma oder vermögende Person würde sich gegen einen Wegzug aus Zürich entscheiden, nur weil Stadtpräsidentin Mauch und Finanzvorstand Vollenwyder einen netten Brief geschrieben haben. Das zeigt nicht zuletzt der Kantonswechsel von Dutzenden Pauschalbesteuerten.

Selbst Goldküstengemeinden, die mit vermögenden Steuerzahlern gesegnet sind, verzichten auf solche Danksagungen. Sie halten einen Dank an die Geldelite für unangemessen. Wenn, dann müsste man allen Steuerzahler gedankt werden – dafür, dass jeder seinen Beitrag an einen funktionierenden Staat leistet.

Doch das wäre absoluter Blödsinn. Erstens zahlt kaum einer freiwillig Steuern. Soll man für diesen Zwang also danken? Zweitens wäre es hinausgeworfenes Geld. Um den über 250'000 Steuerpflichtigen in der Stadt Zürich zu danken, wären die Kosten immens. Und die Dankesbriefe berappen müssten natürlich die Steuerzahler. So bleiben die verschickten Danksagungen ein Hohn für alle durchschnittlich verdienenden Steuerzahler – für jene, die notabene den grösste Teil der Gesellschaft darstellen und sie mittragen.

Erstellt: 07.01.2011, 16:05 Uhr

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8 Kommentare

Matthias Schlatter

07.01.2011, 16:53 Uhr
Melden

Es kann mir kaum egaler sein ob die einen Brief erhalten oder nicht. Antworten


Ernst Peter Erni

07.01.2011, 16:21 Uhr
Melden

Bedanken wäre zuviel des Guten! Es wäre schon begrüssenswert wenn die Beamtenschaft den und zwar alle Bürger, welche die Steuern korrekt und in der Frist begleichen, als eine Art Dankbarkeit, nicht dauernd und unter "Erfindung" irgendwelcher "Argumente" wie Formulare etc.. negativ behandeln würden. Dies wäre gelebte Dankbarkeit der Funktionäre gegenüber der rechtschaffen zahlenden Bevölkerung! Antworten



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