«Das Casino ist immer am längeren Hebel»

Die Spielbankenkommission gab ihr OK fürs Zürcher Casino erst am Vortag der Eröffnung um 17.44 Uhr. Dies ist nicht das einzig Erstaunliche rund ums neue Glücksspielhaus an der Sihl.

Äussert sich zu Spielstrategien und Spielsucht: Croupierchef Marco Malizia.
Video: Jan Derrer

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Die Verantwortlichen des neuen Casinos waren heute Mittwochmorgen in einer aufgräumten Stimmung. Wer wollte es ihnen verargen? Seit 1994 befassen sie sich mit einem Casino in der Stadt Zürich oder am Flughafen. Und erst gestern am späteren Nachmittag traf das ersehnte Mail von der Eidgenössischen Spielbankenkommission ein. Mit der endgültigen Betriebsbewilligung hatten sie endlich grünes Licht für die heutige Eröffnung. Am Abend haben zuerst die VIPs Zugang, ab Mitternacht Herr und Frau Normalo.

Die Männer um Peter Meier, Verwaltungsratspräsident der Swiss Casinos Holding AG, sind alte Hasen im Casinogeschäft. Meier selbst war schon mit der Tivolino AG involviert, als in den 1990er Jahren die ersten Kursäle unter kantonaler Aufsicht öffneten. Die Tivolino AG betrieb schon vor dem neuen Spielbankengesetz in Genf, Locarno, Bern, Thun, Rheinfelden und Schaffhausen Casinos. Später kamen weitere Standorte wie Luzern und Pfäffikon dazu.

97 Prozent gehören Hans Ulrich Rihs

Der Rüschliker Meier ist an der Swiss Casinos Holding AG beteiligt. Mit rund 97 Prozent Anteilen das Sagen hat aber der Stäfner Hans Ulrich Rihs, Bruder von Andy Rihs und Mitbegründer von Phonak (jetzt Sonova). Der zweite Minderheitsaktionär neben Meier ist Philipp Sprenger aus Winterthur. Bei der Einreichung des Konzessionsgesuchs rühmte sich die Swiss Casinos AG, die einzige rein schweizerische Bewerbung zu sein.

Damals war noch der Freienbacher Casinopionier Alwin Kecht zu 10 Prozent an der Swiss Casinos Zürich AG beteiligt. Er wurde aber im vergangenen Sommer von der Holding ausbezahlt, weil er eine andere Ausrichtung des Zürcher Casinos bevorzugte. Kecht ist Befürworter von «reinen» Spielcasinos, die beiden anderen Inhaber stehen für eine Horizonterweiterung. Sie legen grossen Wert auf Gastronomie und Unterhaltung. Jetzt gehört die Swiss Casinos Zürich AG zu 100 Prozent der Swiss Casinos Holding AG.

Die Holding hat ihren Sitz übrigens in Appenzell – wie damals die Tivolino AG. Damit ist das Zürcher Casino streng genommen eine Appenzeller Spielbank. Aber nur bis Ende Jahr, wie Peter Meier versichert. Ab Januar zieht die Holding nach Zürich.

«Das schönste Casino der Schweiz»

Auch der Casino-Direktor Michael Favrod ist seit 1993 in der Branche. Er war in den Casinos Thun, Bern, Rheinfelden und Basel in leitender Stellung und steht nun dem grössten Schweizer Casino vor. «Grösse allein ist nicht alles», sagte er heute Morgen an der Medienpräsentation mit einem Augenzwinkern. «Aber wir sind das grösste und schönste Casino der Schweiz.»

Favrods Team hat in den vergangenen Monaten 100 Leute ausgebildet, davon 15 Croupiers. Sie haben heute ihren ersten Arbeitstag. Weitere 45 Croupiers haben mehr Erfahrung. Sie haben meist in anderen Schweizer Casinos gearbeitet.

Zwischen 1 Rappen und 3,41 Milliarden

Meier, Favrod und Projektleiter Erwin Cresta warteten an ihrer Präsentation mit einigen erstaunlichen Zahlen und Fakten auf. Hier eine Auswahl:

3,41 Milliarden Franken haben die 19 Schweizer Casinos (sieben mit A- und zwölf mit B-Lizenz) seit 2002 dem Bund abgeliefert. Es profitiert die AHV.

617 Millionen gingen an die Standortkantone.

107 Millionen Franken Bruttospielertrag erwarten die Casinobetreiber fürs Jahr 2013. 2014 sollen es laut Businessplan 118 Millionen, 2015 124 Millionen sein.

80 Millionen ist die Investitionssumme im Haus Ober.

66 Millionen gehen 2013 an die AHV. Zwei Jahre später sollen bereits 80 Millionen nach Bern überwiesen werden.

2,4 Millionen gehen an Stadt und Kanton Zürich (Unternehmenssteuern), aber erst im Vollbetrieb ab 2016.

1,3 bis 1,6 Millionen gehen jährlich an Zürich Tourismus. Die Einzelheiten und Gegenleistungen des Tourismusverbands sind aber noch nicht definitiv geregelt.

400'000 LED-Lämpchen leuchten ab heute Abend im Casino.

20'000 Franken beträgt der Höchst-Einzeleinsatz beim Roulette im Club Privé.

20'000 Seiten in 40 Bundesordnern hat die Swiss Casinos AG beim Konzessionsgesuch im Dezember 2011 eingereicht.

3000 Quadratmeter beträgt die Spielfläche vorläufig.

3000 Gäste werden täglich an Freitagen und Samstagen erwartet. Sonntags und montags werden es laut Prognosen nur 1200. Im Schnitt rechnen die Betreiber mit 1600 Personen.

2023 laufen alle Konzessionen der Casinos aus. Ab 2019 müssen sie sich neu bewerben.

2018 will das Casino Zürich expandieren, und zwar ins Parterre. Dann endet der Mietvertrag des Sportgeschäfts Athleticum. Schon Ende 2013 soll im 5. Stock ein öffentlich zugängliches Restaurant mit Dachterrasse eröffnen. Eine alte Hotelidee wurde begraben.

2000 Kilo schwer sind die auffälligen Kronleuchter.

1100 Personen dürfen sich maximal gleichzeitig im Zürcher Casino aufhalten. Das sagt die Feuerpolizei.

800 Quadratmeter gross ist der Raucherbereich.

400 Glückspielautomaten bringen mehr als 80 Prozent des Umsatzes.

213 Vollzeitstellen teilen sich 220 bis 225 Angestellte.

80 Prozent des Umsatzes macht ein Casino mit den Glücksspielautomaten.

35 Prozent an Umsatz wird das Grand Casino Baden wegen der neuen Konkurrenz aus Zürich verlieren, wird geschätzt.

An den 26 Spieltischen wird American Roulette (11), Black Jack (7), Texas Hold'em Poker (4), Ultimate Texas Hold'em (3) und Punto Banco gespielt.

20 Prozent Umsatz könnte das Casino Pfäffikon-Zürichsee verlieren, so Peter Meier. Es gehört wie das Zürcher Casino der Swiss Casinos Holding AG.

10 Franken kostet der Eintritt.

1 Rappen ist der Mindesteinsatz bei Spielautomaten. Im Club Privé sind es 5 Franken.

0 Parkplätze hat das Casino selbst. Gleich nebenan im City Parking an der Gessnerallee hat es 620 Parkfelder.

Dass sich das Zürcher Casino eher an Las Vegas lehnt als an Monte Carlo, zeigt übrigens, dass die Zürcher Croupiers am Roulette-Tisch nicht «Les jeux sont faits» sagen, sondern «No more bets».

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 31.10.2012, 16:00 Uhr)

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VR-Präsident Peter Meier. (Bild: pu)

Casino-Direktor Michael Favrod. (Bild: pu)

Projektleiter Erwin Cresta. (Bild: pu)

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