«Das Dada-Haus hat die höchste Eigenfinanzierung»

Eine lebhafte Podiumsdiskussion im Cabaret Voltaire klärte ein paar Missverständnisse rund um das Dada-Haus.

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Wahrscheinlich hatten die Dadaisten 1916 auch nicht viel mehr Publikum: Zur kontradiktorischen Veranstaltung über die Miet-Subvention für das Cabaret Voltaire kamen am Dienstagabend nur gut zwei Dutzend Leute in den kleinen Saal des Dada-Hauses. Sie erlebten ein Podiumsgefecht, witzig wie Slam Poetry und informativer als manche Pressekonferenz.

Eingeladen hatte die SP, Debattenregie führte TA-Redaktor Edgar Schuler, und das Politkabarett boten Stadtpräsident Elmar Ledergerber und SP-Gemeinderat Mark Richli auf der einen sowie SVP-Fraktionschef Mauro Tuena und FDP-Gemeinderätin Ursula Uttinger auf der anderen Seite.

Nur zu 37 Prozent subventioniert

Wie auch immer die Abstimmung vom 28. September ausgehen wird – dieser Dienstagabend hatte einen Gewinner: Elmar Ledergerber war in Hochform, scharfzüngig und geistesgegenwärtig verteidigte er das finanzielle Engagement der Stadt.

Mauro Tuena wiederholte, was die SVP auch in ihrer Abstimmungswerbung schreibt: Die 6600 Franken Billett-Einnahmen des Cabaret Voltaire im letzten Jahr seien viel zu gering, verglichen mit den Gesamtkosten von 750'000 Franken. Darauf konterte Ledergerber: «Das Dada-Haus hat von allen Kulturinstitutionen der Stadt die höchste Selbstfinanzierung. Es erreicht mit seinen privaten Sponsoren fast 60 Prozent. Das ist eine tolle Leistung.» Mark Richli wies darauf hin, dass manche Kulturhäuser zu 90 Prozent von öffentlichen Subventionen lebten. Beim Dada-Haus machten die städtischen Beiträge bloss 37 Prozent aus. Hier finanziere die Stadt bewusst nur die Miete.

Mauro Tuena meinte mehrfach, die SVP habe nichts gegen die historische Dada-Bewegung und schon gar nichts gegen Kultursubventionen. Die meisten Kulturausgaben der Stadt trage seine Partei bei der Budgetdebatte mit. Doch das Dada-Haus habe die Stadt finanziert, ohne dass sie an anderer Stelle Kulturausgaben gestrichen hätte. Mit der Dada-Sammlung im Kunsthaus und mit einer Sophie-Taeuber-Strasse in Zürich-Nord sei dieser Kunstrichtung genug Ehre erwiesen. Der einstige Grund für die Dada-Bewegung, der Erste Weltkrieg, sei heute nicht mehr aktuell, sagte Tuena.

Einen weniger klaren Standpunkt hatte Ursula Uttinger, deren FDP beim Subventionsentscheid für das Dada-Haus gespalten war. Uttinger fand es etwas seltsam, wenn das Establishment eine Kunstrichtung unterstütze, die gegen das Establishment gerichtet sei. Andere Kulturhäuser hätten eher Anspruch auf das Geld.

Dada-Sündenfälle in neuem Licht

Mauro Tuena bekannte, seine SVP habe zwar im Gemeinderat gegen den Kredit gestimmt, doch sie hätte wegen der 315'000 Franken pro Jahr kein Referendum ergriffen – wenn es ihren Mitgliedern nicht «den Deckel gelupft» hätte wegen einiger Aktionen des Dada-Hauses. Damit war man beim zweiten grossen Thema des Abends: den Schlagzeilen, die das Cabaret Voltaire ausserhalb der Kulturseiten gemacht hatte. Und da rückten einige Zusatzinformationen das schiefe Image des Hauses wieder etwas gerade.

Das «Sex-Casting» etwa gehörte nicht zum Programm des Cabaret Voltaire, sondern war eine private Veranstaltung, für die das Dada-Haus – ganz kommerziell – seine Räume hätte vermieten wollen. Dazu kam es ja nicht, weil die Präsidialabteilung intervenierte. Der angebliche «Sprayer-Kurs» hatte den Stadtpräsident «zuerst auch skandalisiert»: «Doch als ich mich informierte, merkte ich, dass es eine spannende Auseinandersetzung über Kunst im öffentlichen Raum war. Es gab danach keine einzige Klage gegen die Stadt wegen Sprayereien.»

Für Ledergerber waren die T-Shirts mit dem Porträt der RAF-Täterin Mohnhaupt der einzige wirkliche Ausrutscher. Aber auch da erwies sich die Sache als nicht so billig, wie es Gratiszeitungen verkürzt hatten: Die Aktion wollte auf die gedankenlose Verwendung der Che-Guevara-Porträts in der Mode antworten. Wer ein T-Shirt kaufte, musste zuerst schriftlich 50 Fragen zu seiner eigenen Haltung gegenüber dem Rechtsstaat beantworten.

«Ärger ist ein schlechter Ratgeber», sagte Ledergerber. Er habe sich am Schauspielhaus auch öfters wegen Schlingensief und Carp grün und blau geärgert. «Aber wir haben zu Recht dem Schauspielhaus nie die Subvention gestrichen. Subventionen sind nicht Zückerchen für anständiges Verhalten.» Auf die Sparappelle von Tuena und Uttinger reagierte Ledergerber so: «Fangen Sie am 28. September an zu sparen: Verschwenden Sie nicht vier Buchstaben – machen Sie es mit zwei!» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.09.2008, 08:26 Uhr

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