Zürich

«Das Dolder Grand ist eine Fehlgeburt»

Von Thomas Knellwolf. Aktualisiert am 01.04.2010 19 Kommentare

Ljuba Manz, Gastgeberin im Zürcher Hotel St. Gotthard, freut das Imageproblem der Konkurrenz am Zürcher Adlisberg gar nicht.

Ljuba Manz: Die einstige Tänzerin ist Verwaltungsratspräsidentin der Manz-Privacy-Hotelgruppe zu der auch das Zürcher St. Gotthard gehört.

Ljuba Manz: Die einstige Tänzerin ist Verwaltungsratspräsidentin der Manz-Privacy-Hotelgruppe zu der auch das Zürcher St. Gotthard gehört. (Bild: Bruno Schlatter)

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Gibt es in Zürich zu viele Häuser mit vielen Sternen?
Nicht unbedingt. Schön ist es, dass es hier viele Hotels in privatem Besitz gibt. Als ich vor vielen Jahren aus Wien hierher zog, hat man mich gewarnt, Zürich sei halb so lustig wie der Wiener Friedhof. Das ist heute nicht mehr so. Aber Zürich kann sich noch entwickeln. Dann wären auch die Hotels an Wochenenden voller.

Weshalb ist ein Luxushotel wie das Dolder nicht ausgelastet?
Das Dolder Grand ist keine Totgeburt, aber es ist eine Fehlgeburt. Man ist komplett am Gastbedürfnis vorbeigegangen. Der Foster (Architekt Norman Foster; Anm. der Redaktion) hat sich da ein Denkmal gesetzt und der Urs (Dolder-Besitzer Urs Schwarzenbach) natürlich mit. Ich kenne diese Leute seit vielen, vielen Jahren. Es ist ein Missgriff passiert, der jetzt viel Geld kostet.

Welcher Missgriff?
Man hat sich zu wenig überlegt, was man dort oben machen kann. Welche Gäste hat man? Was muss man ihnen bieten?

Haben Sie Antworten?
Ins Dolder mit seiner Preisklasse kommen vor allem Gäste in einem gewissen Alter. Das sind nicht immer Technikfreaks. Die ganze topmoderne Elektronik in den Zimmern ist nicht unbedingt etwas für sie. Die meisten wollen ins Zimmer rein und das Licht anzünden können oder den Fernseher anschalten. Das soll im Dolder nicht einfach sein.

Was würden Sie baulich ändern?
Das Wichtigste an einem Hotel ist die Lage, die Lage, die Lage. Und noch einmal die Lage. Früher ist man beim Dolder von hinten rein und schaute vorne raus und sagte: Wow! Heute geht man von vorne rein. Die Aussicht bekommt man so nicht mit. Die Stadt liegt einem nicht mehr richtig zu Füssen. Das ist psychologisch schlecht.

Schlagzeilen gab es auch, weil im Dolder Schönheitskonkurrenzen und Gaypartys stattfinden.
Ich habe auch gehört, dass das Dolder jetzt warme Betten hat (lacht). Schlagzeilen über angebliche Schwulenorgien sind dem Ruf eines Haus abträglich, das eigentlich Staatsgäste beherbergen sollte. Das Baur au Lac profitiert davon und auch andere gute Häuser. Aber für Zürich ist es schade, wenn ein wichtiges Hotel schwierige Zeiten durchlebt.

Welche Anlässe dulden Sie bei Ihnen im Haus?
Wir haben eine Linie. Eine Tradition. Eine Kultur. Das Hotel ist eine Begegnungsstätte. In welchen Kreisen man verkehrt, sieht man. Wie der Herr, so das Gscherr. Bei uns gehen Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik ein und aus. Das spiegelt sich in den Anlässen, die bei uns stattfinden.

Wo sind die Grenzen bei Gästen, die sich nicht benehmen?
Für solche Fragen sind meine Söhne zuständig, die heute das Hotel in der vierten Generation führen. Sie kennen übrigens Carl Hirschmann, der in ihrem Alter ist, aber sie haben den Knigge mit der Muttermilch eingesogen. Wir haben fast nie Probleme mit Gästen.

Das Dolder hat seinen bekanntesten Dauergast, den inhaftierten Carl Hirschmann, nun auf die Strasse gestellt. Hätten Sie das auch getan?
Carli, mit dessen Vater ich sehr befreundet bin, kannte ich bereits als Jungen. Ich kenne aber nicht alle Details in der Sache, weil ich gerade aus Südamerika zurückgekehrt bin. Kinder, die aus einer geschiedenen Ehe stammen, haben vielleicht manchmal etwas mehr Probleme als Kinder, die in einer harmonischen Ehe aufwachsen. Sie finden manchmal den Weg nicht richtig. Carli muss endlich erwachsen werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.04.2010, 10:11 Uhr

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19 Kommentare

alex geiser

01.04.2010, 10:27 Uhr
Melden 1 Empfehlung

vielleicht hat sie in einigen dingen recht, ich frage mich nur wieso sie ihre ratschläge nicht bei den eigenen hotels anwendet, dass gotthard ist ja ziemlich heruntergekommen, was ist den sonst mit dem manz imperium passiert, ziemlich geschrumpft scheint mir Antworten


peter seiler

01.04.2010, 14:36 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Alle, die über das Dolder Grand herziehen, empfehle ich einen Besuch im St. Gotthard, inklusive einem Essen in der Hummerbar. Es sollten sich nur diejenigen kritisch äussern, welche es besser können. Antworten



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