Das Ende des blauen Röhrensystems

Seit Jahren tut ein aussergewöhnliches Gerät im Untergrund des Zürcher Hauptbahnhofs still seinen Dienst. Nun steht es vor seiner Demontage. Was es mit der mysteriösen Apparatur auf sich hat.

Die letzte ihrer Art: Die Hydro-Messstation an der Haltestelle der SZU im Zürcher Hauptbahnhof.

Die letzte ihrer Art: Die Hydro-Messstation an der Haltestelle der SZU im Zürcher Hauptbahnhof. Bild: Dominique Meienberg

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Das Ganze sieht aus, wie ein nicht ganz leer getrunkener Energydrink. Doch die Plexiglasröhre mit dem mysteriösen, blauen Wässerchen, die an einer Stützsäule im Untergrund des Zürcher Hauptbahnhofs hängt, ist kein Littering-Problem. Sie ist die letzte Reminiszenz eines ehemals mehrere Hundert Meter langen Wasserwaagesystems im Zürcher Untergrund.

Bei der seltsamen Installation handelt es sich nämlich um eine sogenannte Hydro-Messstation. Sie war Teil eines Röhrensystems aus Schlauchwasserwaagen und Tachymetern, welche die SBB bereits vor dem Start der ersten Bauarbeiten an der Durchmesserlinie an neuralgischen Stellen montierten. Die ferngesteuerten Geräte überwachen die Bewegungen im Untergrund während der Bauarbeiten und liefern laufend Daten.

Wie das Röhrensystem funktioniert: Stephan Eisenegger, Projektleiter Überwachungsarbeiten, führte 2008 durch den Hauptbahnhof. (Video: Roman Weber)

Demontage im kommenden Frühling

Vor sieben Jahren wurde die Messstation an der Säule angebracht, die eingangs der Haltestelle Hauptbahnhof der Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn (SZU) steht. «Im Südtrakt des Hauptbahnhofs wird der Grundwasserspiegel noch künstlich abgesenkt, deshalb werden die Messungen weitergeführt», sagt SBB-Sprecher Reto Schärli auf Anfrage. «Wir erwarten aber keinerlei Probleme.»

Und so neigt sich auch die Dienstzeit der letzten Hydro-Messstation langsam dem Ende zu. Denn laut Schärli sollen die Arbeiten im Frühjahr 2015 abgeschlossen sein. Anschliessend wird die Station demontiert.

Nur ein Zwischenfall

Viel hatte sie nicht zu melden. Die Grenzwerte wurden nicht einmal beim einzigen grösseren baulichen Zwischenfall überschritten, als im April 2009 eine Tunnelbohrmaschine unter dem Bahnhofplatz stecken blieb. Dies habe nur zu einer minimalen Senkung von zwei Millimetern geführt, was die Messstationen nicht anschlagen liess, so Schärli. «Aber natürlich wussten unsere Fachleute wegen des entstandenen Hohlraums um die potenzielle Gefahr. Deshalb wurde damals der Hohlraum mitsamt der Maschine mit Beton aufgefüllt.»

Nötig waren sie dennoch. Der Bauort für die Durchmesserlinie war sehr sensibel. Die Bauwerke wurden unter so wichtigen Gebäuden wie dem Hauptbahnhof, dem Unispital und dem Radiostudio erstellt. «Deshalb war eine optimale Kontrolle der Bewegungen im Untergrund wichtig», betont Schärli. Und das war mit den Geräten, die Verschiebungen von Zehntelzentimetern feststellen können, jederzeit möglich.

Die elektronischen Helfer im Untergrund arbeiten sogar derart präzise, dass sie die Verantwortlichen zeitweise über Gebühr auf Trab hielten. Diese wurden jeweils per SMS alarmiert. «Anfangs waren die Geräte so fein justiert, dass unsere Mitarbeiter zu viele Meldungen erhielten. Daher mussten wir die Aufmerksamkeitswerte anpassen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 05.11.2014, 11:07 Uhr)

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