Das Landesmuseum entzweit den Zürcher Heimatschutz

Die Spannungen im Zürcher Heimatschutz nehmen zu: Der Vorstand wollte gegen den Neubau des Landesmuseums rekurrieren, doch der Präsident drohte mit Rücktritt.

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«Wozu soll der Heimatschutz denn gut sein, wenn er an so einer prominent gelegenen und historisch gesehen einzigartigen Örtlichkeit einfach wegschaut und zulässt, dass der Park und das historische Museumsgebäude verunstaltet werden?» Diese Frage stellte kürzlich eine Leserbriefschreiberin, weil einzig die Schweizerische Gesellschaft für Gartenkultur gegen den Erweiterungsbau des Landesmuseums Rekurs eingereicht hat, nicht aber der Heimatschutz. Im Juni hatte der Stadtrat die Baubewilligung erteilt.

Anfangs gab sich der Heimatschutz beim Landesmuseum kämpferisch. Er betrachtet es in Kombination mit dem Platzspitz-Park als Denkmal von nationaler Bedeutung. Schweizer und Zürcher Heimatschutz versprachen beispielsweise 1999 in einer gemeinsamen Erklärung, ihr «Wächteramt mit allen demokratischen und rechtlichen Mitteln wahrzunehmen». In der Tat rekurrierte die Zürcher Sektion vor drei Jahren gegen den Gestaltungsplan für den Neubau - verpasste dann aber groteskerweise eine Frist, um ans Verwaltungsgericht gelangen zu können.

Angst vor Doris Fiala

Warum wehrt sich der Zürcher Heimatschutz jetzt nicht gegen die Baubewilligung? «Nach Rücksprache mit unseren Rechtsberatern sind wir der Meinung, dass mit Blick auf den rechtskräftigen Gestaltungsplan ein Rekurs gegen die Baubewilligung vor den Gerichten kaum Chance auf Erfolg hätte», erklärt Vereinspräsident Marcel Knörr. Das ist aber nur ein Teil der Geschichte, der andere, interne, geht so: Am 26. Juni beschloss der Vorstand nach längerer, heftiger Diskussion und gegen den Willen des Präsidenten, einen Rekurs einzureichen. Der Entscheid fiel mit 9 zu 3 Stimmen bei 2 Enthaltungen. Fünf Tage später drohte Knörr per Mail mit Rücktritt, falls der Vorstand seinen Entscheid nicht rückgängig mache. Neben den kleinen Chancen und grossen Kosten warnte er vor FDP-Nationalrätin Doris Fiala, die sich vor der Abstimmung über das Verbandsbeschwerderecht am 30. November auf den Heimatschutz einschiessen würde.

Die Drohung wirkte in Kombination mit einem Kompromiss: Der Vorstand stimmte zu, auf den Rekurs zu verzichten, wenn zuhanden der Medien eine Erklärung veröffentlicht wird mit der Botschaft, dass der Verzicht einzig wegen der geringen Erfolgschancen erfolge, dass der Heimatschutz aber nach wie vor den Erhalt der ganzen Parkanlage anstrebe. Diese Erklärung sollte von den Präsidenten der Schweizer, der Kantonalen und der Stadtzürcher Sektion verfasst werden. Tatsächlich wurde sie dann aber nur vom Vizepräsidenten der Kantonalsektion, Paul Stopper, verfasst sowie vom Präsidenten der Stadtzürcher Sektion, Markus Fischer.

Offene Brüche

Für die Kritiker im Heimatschutz ist das ein weiteres Beispiel, wie Knörr versucht, Beschlüsse zu umgehen oder zu verzögern, damit nicht der Eindruck entsteht, der Heimatschutz sei ein Gegner des Landesmuseums. Knörr dagegen betont auf Anfrage, dass der Verzicht auf einen Rekurs nicht bedeute, dass er den Neubau an jenem Ort unterstütze. «Wir behalten uns vor, in der politischen Auseinandersetzung für den integralen Erhalt der schützenswerten Parkanlagen einzustehen.»

Das Landesmuseum ist nicht der erste Fall, in dem die Spannungen im Heimatschutz offen auftreten. Schon bei der Überbauung Sihlbogen in Leimbach oder dem Alten Löwen in Oberstrass stand Vereinspräsident Knörr, Architekt und ehemaliger Zürcher FDP-Gemeinderat, im Clinch mit einem Teil des Vorstandes. Dieser versteht sich als kompromissloser Anwalt der alten Bauten, während der Präsident darauf bedacht ist, dass der Heimatschutz das Image des Bauverhinderers los wird - unter anderem aus Angst vor einer Beschneidung des Verbandsbeschwerderechts. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.08.2008, 22:09 Uhr

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