Das Skelett des Hafenkrans steht bereits
Von Beat Metzler. Aktualisiert am 19.08.2009 14 Kommentare
Maximal 32 Meter über der Limmat wird der Hebearm des Krans schweben. (Bild: Nicola Pitaro)
Fotomontage des Krans.
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
In dieser Sommerhitze erinnert Zürich bereits ans Mittelmeer. Bald soll ein Hafenkran am Limmatquai diese Stimmung noch verstärken. Das Projekt einer vierköpfigen Zürcher Künstlergruppe, die einen internationalen Wettbewerb gewonnen hatte, wurde gestern auf dem Rathausplatz ausgesteckt. 22 Meter hoch steigen die fünf Stangen in den Himmel. Der Hebearm des Krans wird gar 32 Meter über die Limmat ragen. «Wir haben die Maximalvariante ausgesteckt», sagt Marcel Lippuner, Projektleiter beim Tiefbauamt der Stadt Zürich. Der Kran könnte also auch kleiner sein. Gekauft ist noch keiner. «Es gibt aber einen regen Occasionshandel mit Kranen.»
Vorgesehen ist, einen alten Hafenkran im Originalzustand aufzustellen. Das Budget von 600'000 Franken werde man einhalten können, sagt Lippuner. Bei der Stadt hofft man, dass in den 20 Tagen nach der Ausschreibung kein Rekurs eingeht. Ansonsten sind alle Zusagen beschafft. Was nicht ganz einfach war, denn der Rathausplatz gehört dem Kanton. Und für Bauten über Wasser braucht es spezielle Bewilligungen. Auch diese hat der Kanton zugesichert.
Es gab heftige Reaktionen
Den Kran-Plänen hatte nach ihrer Bekanntgabe im Januar eine steife Meeresbrise entgegengeblasen. Ein Kritiker riet dem Mitinitianten Jan Morgenthaler gar, er solle sich in eine psychiatrische Klinik einweisen lassen. «Die Heftigkeit der negativen Reaktionen hat mich überrascht», sagt Morgenthaler. Die Stimmung unter den Anwohnern habe sich aber verbessert, seit man das Projekt genauer vorgestellt habe. An einer Informationsveranstaltung im Juli fiel nur ein einziges negatives Votum. «Mittlerweile unterstützen auch das Rathauscafé und der gegenüberliegende Ruderklub unser Vorhaben», sagt Morgenthaler. Er glaubt, dass bald mehrere Geschäfte Hafensouvenirs verkaufen werden. «Und wenn der Kran wieder weg muss, bildet sich vielleicht ein Komitee, das sich für seine Erhaltung einsetzen wird.» Auch der Eiffelturm sei in Paris zu Beginn auf grossen Widerstand gestossen.
Der Kran ist nur ein Teil der Aktion
Nicht alle haben sich umstimmen lassen. René Spahn, Präsident der Geschäftsvereinigung Limmatquai/Dörfli, hält den Kran nach wie vor für überflüssig. «Für mich läuft das nicht unter Kunst. Die 600 000 Franken sind zum Fenster hinausgeworfenes Geld.» Ob eines der anliegenden Geschäfte Rekurs einlegen wird, darüber berät die Vereinigung an ihrer nächsten Vorstandssitzung.
«Zürich-transit-maritim», wie das Projekt heisst, soll die Sehnsucht nach dem Meer wecken. «Es ist das Einzige, was Zürich noch fehlt», sagt Morgenthaler. Der Kran ist nur ein Teil der Aktion. Bereits im Herbst werden rostige Hafenpoller montiert. Es folgen weitere «kleinere Eingriffe». Unter anderem soll ein Hafenhorn einmal pro Woche 30 Sekunden lang tuten. «Sodass die Prostituierten im Kreis 4 denken, sie befänden sich in Dakar», sagt der Künstler. Die Lautstärke des Signals wurde bereits vom Lärmschutz geprüft. Als Krönung wird dann der Hafenkran ein Jahr lang das Stadtbild prägen.
Mit der Aktion will die Stadt eine Diskussion um die Gestaltung des Rathausplatzes anregen. Bisher wurde aber vor allem über Sinn und Unsinn des Krans gestritten. Beim Tiefbauamt hofft man, dass die Zukunft des Platzes mehr Aufmerksamkeit erhält. Denn diese ist nach 2012, wenn der Hafenkran verschwunden sein wird, noch völlig offen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 19.08.2009, 23:03 Uhr
Kommentar schreiben
14 Kommentare
Vielleicht noch ein Leuchtturm gefällig? Fischgeruch? Salzluft? Herr Morgenthaler soll sich lieber einmal eine Woche Ferien nehmen und ans Meer gehen, statt in seinem Bürosessel solche Projekte zu verfolgen. Falls das nicht möglich ist, soll er doch eine GeräuscheCD und ein Warnblinker besorgen, etwas Salz und ein halbverrotteter Fisch vor den Ventilator stellen, und sich entspannt zurücklehnen... Antworten



