Das erste vollautomatische Parkhaus der Schweiz wird abgebrochen

Das Parkhaus Hallenstrasse im Seefeld war ein Flop: Nach einem 5,2 Millionen Franken teuren Umbau stand es 2001 lediglich sechs Wochen offen. Die moderne Technik funktionierte nicht wie gewünscht.

Teurer Reinfall: Das vor neun Jahren sanierte Parkhaus an der Hallenstrasse weicht einem Neubau.

Teurer Reinfall: Das vor neun Jahren sanierte Parkhaus an der Hallenstrasse weicht einem Neubau. Bild: Dominique Meienberg

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Das Parkhaus Hallenstrasse im Seefeld verschwindet. Vor neun Jahren sorgte es landesweit für Schlagzeilen. Zuerst für positive: Man staunte über das erste vollautomatische Parkhaus der Schweiz. Wer parken wollte, musste sein Auto in eine von zwei Einfahrtsboxen stellen, aussteigen und einen Knopf drücken. Dann bewegte ein Autolift das Fahrzeug an einen freien Platz.

Doch nur sechs Wochen nach der Eröffnung musste die Stadt das Parkhaus schliessen. Anstatt wie geplant 60 bis 90 dauerte es 180 Sekunden, bis ein Auto geparkt oder freigegeben war. Das sorgte für Staus auf der Dufourstrasse. Noch schlimmer: Manchmal gab die Anlage die Autos gar nicht mehr frei, und die Stadt musste den Besitzern Hotelübernachtungen oder Zugbillette bezahlen. Von einem «teuren Reinfall» schrieb der «Tages-Anzeiger» damals – von einer «Lachnummer» der «Blick».

Amag nutzte Parkhaus als Lager

Nach der Schliessung hat die Stadt das Parkhaus nie mehr für die Öffentlichkeit in Betrieb genommen. Die Herstellerin der automatischen Anlage ging in Konkurs – unter anderem, weil die Stadt wegen der Mängel einen Teil der vereinbarten Vergütung zurückbehielt. In der Folge mietete die Amag den Bau als Lager, um dort Autos unterzubringen. Der zuständige Stadtrat Martin Vollenwyder (FDP) sagte 2006 vor dem Gemeinderat, er sei «sehr glücklich mit dieser Lösung». Doch jetzt hat die Amag-Garage Riesbach keinen Bedarf mehr dafür und gibt das Parkhaus Hallenstrasse auf Anfang 2011 frei.

Die Stadt will das vor neun Jahren umfassend sanierte Gebäude nun abbrechen. «Ein anderer alleiniger Parkhausnutzer liess sich nicht finden», sagt Jürg Keller von der städtischen Liegenschaftenverwaltung. Eine Wiederinbetriebnahme für das Publikum komme wegen der früheren schlechten Erfahrungen nicht mehr infrage, eine Vermietung von einzelnen Plätzen an Dauermieter scheiterte an den zu hohen Betriebskosten.

«Zurzeit laufen Abklärungen über die baurechtlichen Möglichkeiten», sagt Keller. Danach sei vorgesehen, das Land für einen Neubau auszuschreiben.

Millionenverlust für die Stadt

Das Parkhaus Hallenstrasse wurde 1964 als Regalparkhaus mit 93 Boxen auf sechs Ebenen und mit einem Autolift erbaut. Die Anlage brauchte damals Personal und war nachts geschlossen. Bei der Sanierung und Aufstockung 2001 erweiterte die Stadt das Parkhaus auf 127 Plätze und stattete es mit der vollautomatischen Anlage aus. Kostenpunkt: 5,2 Millionen Franken. Innert 20 Jahren hätten die Investitionen amortisiert werden sollen. Die Stadt rechnete mit jährlichen Einnahmen von 725'000 Franken. Die Amag bezahlte für die Nutzung des Hauses lediglich 264'000 Franken pro Jahr, dafür waren die Betriebskosten tiefer als bei einem öffentlichen Parkhaus. Wie gross der finanzielle Schaden genau ist, den die Stadt erlitten hat, konnte wegen der Betriebsferien der Verwaltung nicht in Erfahrung gebracht werden.

Den Grossteil der Umbaukosten von 5,2 Millionen Franken musste die Stadt aber übernehmen: Damit hat sie die Fassadenrenovation, Betonsanierung und Aufstockung abgegolten. Zurückbehalten hat sie rund 1 Million wegen der ungenügenden Ablieferung der technischen Anlage, zudem erhielt sie 438'000 Franken aus einer Erfüllungsgarantie. Zur Finanzierung des Umbaus hatte die Stadt keine Steuergelder verwendet, sondern Einnahmen aus anderen Parkhäusern. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.12.2010, 23:05 Uhr

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