Zürich

Das höchste Gebäude der Schweiz ist auch ein Windbeschleuniger

Von Peter Aeschlimann. Aktualisiert am 06.01.2012 30 Kommentare

Heftige Böen, wie sie gestern über Zürich fegten, bringen die Geschäfte am Fusse des Prime Tower in Nöte.

Passanten im Gegenwind: Wenns in Zürich stürmt, peitschen besonders starke Böen zwischen den Gebäuden auf dem Maag-Areal hindurch.

Passanten im Gegenwind: Wenns in Zürich stürmt, peitschen besonders starke Böen zwischen den Gebäuden auf dem Maag-Areal hindurch.
Bild: Sophie Stieger

(Bild: TA-Grafik kmh)

Der Prime Tower im Zeitraffer.

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Weht in Zürich ein laues Lüftchen, bläst rund um den Prime Tower im Kreis 5 eine stattliche Brise. Stürmts so grandios wie gestern, tobt am Fusse des höchsten Gebäudes der Schweiz gar ein heftiger Orkan. Unachtsame Passanten verlieren Schirm, Hut oder Brille. Plastiksäcke, Gratiszeitungen und Zigarettenstummel spielen Karussell auf dem Maag-Areal. Man fühlt sich an die Strassenschluchten Manhattans erinnert, wo kräftige Böen auch bei eitel Sonnenschein ganz natürlich sind.

Das Phänomen, dass sich die Windgeschwindigkeit wegen eines Gebäudes noch erhöht, ist bekannt. Angehende Ingenieure lernen es an der ETH im Grundstudium. Im Detail handelt es sich allerdings um eine komplexe Angelegenheit, wie Professor Leonhard Kleiser vom Institut für Fluiddynamik erklärt. Ein Teil des Windes macht sich auf den Weg links um das Hindernis, der andere rechts. Dabei werden beide Ströme beschleunigt. Und zwar so stark, dass sich an den Seiten des Turmes die Windgeschwindigkeiten etwa verdoppeln.

Windstoss blies Tür fort

So weit die Physik. Die Folgen im Alltag zu spüren bekommt etwa die Coop-Pronto-Filiale im Gebäude Cubus neben dem Prime Tower. Vor ein paar Wochen riss dort eine Böe einen Schiebetürflügel weg. Und auch gestern, als der Wind mit Rekordgeschwindigkeiten um den Gebäudekomplex neben der Hardbrücke peitschte, hatte man Probleme mit dem Eingangsbereich des Ladens.

Gleich gegenüber befindet sich die Bar Hotel Rivington & Sons. Ein Lokal, das sich am Look einer Bar im New York der 30er-Jahre orientiert. Dass im Strassencafé auch ähnlich urbane Windverhältnisse herrschen würden wie im Big Apple, ist den Betreibern schon beim Einrichten der Bar bald klar geworden. «Es ist schon heftig», sagt Emil Looser. Man habe deshalb die Tische mit Schrauben im Asphalt fixieren wollen, was wegen der darunter liegenden Tiefgarage jedoch nicht möglich war. «Nun ist es schon vorgekommen, dass wir unser Mobiliar unter der Hardbrücke einsammeln mussten.» Und am Freitag vor Weihnachten, als es letztmals mehr als heftig durch den Graben zog, habe ein Mitarbeiter zwei Stunden lang die Tür festhalten müssen.

Den Windkanal-Test nicht absolviert

Am stärksten stürmt es auf dem Maag-Areal jeweils im Nadelöhr zwischen dem Gebäude Diagonal und dem Prime Tower (siehe Grafik). Die Frage, inwiefern die Prime-Tower-Architekten Annette Gigon und Mike Guyer die Auswirkungen ihres 126 Meter hohen Turms auf die Windverhältnisse auf dem Maag-Areal einberechnet haben, blieb gestern unbeantwortet.

Den Test der Empa in Dübendorf hat Zürichs Wahrzeichen jedenfalls nicht absolviert. Der neue Windkanal wurde erst im Frühling 2011 in Betrieb genommen. Er gibt Forschern Aufschluss darüber, wie Luftmassen Gebäude umströmen, welche Geschwindigkeiten und Turbulenzen auftreten und welche Auswirkungen dies auf Energie, Komfort und Gesundheit hat. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.01.2012, 07:34 Uhr

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30 Kommentare

Martin Ebnoether

06.01.2012, 07:53 Uhr
Melden 183 Empfehlung

Theoretisch sollte man aus der Not eine Tugend machen und eine Windkraftanlage aufstellen. Antworten


Hans Huber

06.01.2012, 10:27 Uhr
Melden 87 Empfehlung

Architekten und Physik ? Architekten sind eher der Kategorie Künstler zuzuordnen. Vielleicht sollte der Journalist die Bauingenieure fragen. Antworten



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