Zürich
Das längste Einkaufszentrum der Stadt
Von Monica Müller. Aktualisiert am 20.03.2010
Während Züge übers Viadukt fahren, wird man in den Bögen lädelen und sich verpflegen können. (Bild: Dominique Meienberg)
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Es ist ein Projekt der Superlative: 400 Meter lang war die Baustelle am alten Bahnviadukt zwischen Limmat und Bahnhof Hardbrücke. In 36 Bögen ziehen 38 Läden und zwei Gastrobetriebe ein. Daneben entsteht auf 1500 Quadratmeter Fläche die erste gedeckte Markthalle der Stadt, in der 50 Stände, 9 Läden und ein Restaurant an sechs Tagen die Woche mit frischen Produkten aufwarten.
Hinter dem Projekt steht die Stiftung PWG, die sich in Zürich für preisgünstige Wohn- und Gewerberäume einsetzt. Um die 35 Millionen – rund 40 Prozent mehr als ursprünglich budgetiert – investierte sie in den Ausbau der Viaduktbögen. Dieser präsentierte sich als Knacknuss. Die alte Dame, wie Daniel Bollhalder von der PWG das Viadukt liebevoll nennt, habe so ihre Tücken gehabt. Zum einen waren da die Auflagen des Denkmalschutzes und der SBB, deren Stromstränge den Untergrund durchziehen. Zum anderen musste jeder einzelne Bogen wie ein Einfamilienhaus mit Wasser und Strom erschlossen werden. Da weiterhin Züge über das Wipkinger Viadukt rattern, bedurfte es aufwendiger Installationen, um die Erschütterungen zu dämpfen.
Soziales neben Trendlabels
Nun ist Bollhalder aber vor allem eins: stolz. Alle 36 Bögen sind vermietet, und die PWG ist sehr zufrieden mit dem Mietermix. «Wir haben fast alle Wunschnutzungen bekommen können.» Neben Start-ups junger Leute gehören auch Kunsthandwerker, soziale Einrichtungen, unbekannte Marken und Trendlabels wie «Erfolg», «Kitchener», «Billabong» und «Big» zu den Mietern (siehe Grafik). Besonders froh ist Bollhalder, dass mit dem Echtzeitverlag auch die Bücherwelt vertreten ist. Einen Velobogen gebe es leider nicht, dafür ziehen Elektrobikes ein.
Die PWG wurde mit Bewerbungen regelrecht überschüttet: 900 Interessenten reichten ihr Dossier ein. Rund 100 davon bewarben sich für einen der drei Gastrobetriebe. Den Zuschlag bekamen schliesslich die Gasometer AG – die auch das Josef, das Lily's und das Italia betreibt –, die Stiftung Netzwerk mit ihrem Arbeitsintegrationsprojekt und die Aya-Bar. Zu den Bewerbern kamen 50 Architekten hinzu, die gern ihr Büro in einem Viaduktbogen eingerichtet hätten – doch Büroräumlichkeiten waren nie vorgesehen. So gross der Andrang, so schwierig war es laut Bollhalder, definitive Zusagen zu erteilen. Manche Dossiers waren zu unprofessionell, andere nicht individuell genug.
Nur zwei Pioniere bleiben
Die Mieten liegen mit 3700 bis 4000 Franken für 150 bis 200 Quadratmeter Nutzfläche rund 25 Prozent unter den im Kreis 5 marktüblichen Preisen. Zudem könnten die Mieter von der Dachmarke Viadukt profitieren, die bald beworben wird. Von den Pionieren, die die Viaduktbögen vor Jahren als Erste belebten, ziehen nur zwei erneut ein. Fabio Dubler bleibt mit seinem auf Secondhand-Möbel spezialisierten Bogen 33 im Viadukt und Cavaliere Michele Calleri wird seine sizilianischen Spezialitäten ab September in der Markthalle verkaufen. Man habe sich um die Pioniere bemüht, so Bollhalder. Doch die Subkultur ziehe Zwischennutzungen vor, die keine Auflagen beinhalten. «Ich bedauere, dass die Subkultur hier ein Biotop verliert, doch sie zieht, wie es ihrem Naturell entspricht, weiter.»
Ein Magnet für den Kreis 5
Bollhalder ist überzeugt, dass die alten Bögen des Letten- und Wipkinger Viadukts ein Magnet werden, auch wenn die Laufkundschaft dort fehlt. «Städtebaulich, architektonisch und vom Angebot her wird das Viadukt absolut einzigartig.» Am 1. April wird mit der Eröffnung von 15 Läden die erste Etappe lanciert. Die zweite Etappe folgt ab dem 2. Juli. Und am 3. September wird die Markthalle eingeweiht.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.03.2010, 04:00 Uhr



