Das sind die Wärterin und der ausgebrochene Häftling

Die Flucht einer Wärterin und eines Insassen sorgt für Aufsehen. Nun gibt es Fahndungsbilder – und es ist klar, weshalb der Syrer im Gefängnis sass.

Werden international gesucht: Angela Magdici und Hassan Kiko. (Bild Kantonspolizei)

Werden international gesucht: Angela Magdici und Hassan Kiko. (Bild Kantonspolizei)

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Die ungewöhnliche Flucht ereignete sich in der Nacht von Montag auf den Dienstag im Gefängnis Limmattal in Dietikon. Eine 32-jährige Aufseherin befreite um Mitternacht einen 27-jährigen, aus Syrien stammenden Gefangenen aus seiner Zelle und floh mit ihm aus dem Gebäude. Die Kantonspolizei hat eine Fahndung ausgelöst. Es bestehen Hinweise, dass die beiden Flüchtigen sich mit einem schwarzen BMW X1 mit den Kontrollschildern ZH 528 411 nach Italien abgesetzt haben. Hinweise sind an die Kantonspolizei Zürich (044 247 22 11) zu richten.

Wegen Vergewaltigung verurteilt

Bei den Flüchtigen handelt es sich um Angela Magdici und Hassan Kiko. Die Aufseherin ist eine 32-jährige Schweizerin mit Migrationshintergrund. Sie arbeitet seit 2013 beim Amt für Justivzolllzug. Auf Facebook präsentiert sie sich als Thai-Boxerin. Der 27-jährige Syrier Hassan Kiko ist von Beruf Coiffeur. Er wohnte zuvor in Schaffhausen und hat die Aufenthaltsbewilligung B. Auf Facebook zeigt er sich als Bodybuilder. Kiko sitzt seit knapp einem Jahr in Untersuchungshaft im Gefängnis Limmattal. Er war am 21. März 2015 verhaftet worden, weil er ein Mädchen vergewaltigt und sexuell missbraucht haben soll. Ob das flüchtigen Paar eine Liebesbeziehung hat, kläre man ab. Bis anhin habe man nichts davon gewusst, sagte Rebecca de Silva, Mediensprecherin des Amtes für Justizvollzug (JuV).

Wie die beiden fliehen konnten, darüber will sich de Silva aus Sicherheitsgründen nicht äussern. Zudem seien die Umstände der Flucht noch unklar. Nur soviel: Im Gefängnis sind nachts immer zwei Aufseher im Dienst. Einer schläft, der andere ist wach. Im konkreten Fall hatte die Aufseherin Dienst, als ihr Kollege schlief. Dieser schlug um 5 Uhr Alarm. Laut de Silva habe man inzwischen die ersten Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Es habe sich aber weder um technische noch infrastrukturelle Massnahmen gehandelt, sondern um betriebliche Arbeitsabläufe.

Auch Frauen als Aufseherinnen

Das Gefängnis Limmattal ist im September 2010 eröffnet worden. Es hat Plätze für 72 Personen, darunter 24 Jugendliche. Unter den Aufsehern hat es auch Frauen. Laut de Silva sollen die Häftlinge den Umgang mit Frauen nicht verlieren und einen deliktfreien Umgang mit ihnen lernen. Die Realität soll möglichst nahe abgebildet werden. Dies berge aber auch Konfliktpotenzial, wie der Fall gezeigt habe. De Silva betont, dass es sich bei der Flucht um einen seltenen Einzelfall handelt. In den letzten zwölf Jahren habe man nur zwei Ausbrüche aus allen zürcherischen Justizvollzugsanstalten verzeichnet. In einem Fall stellte sich der Ausbrecher freiwillig, im anderen Fall wurde er gefasst.

Hassan Kiko hatte laut Anklageschrift in der Nacht vom 23. November 2014 in einer Shisha-Bar in Schlieren ein ihm unbekanntes Mädchen kennengelernt, das einen Tag später 16 Jahre alt wurde. Er bat das Mädchen mit ihm ins Freie zu kommen, weil es ihm angeblich schlecht sei. Vor dem Club ging er mit dem Mädchen zum Auto seines Kollegen und forderte es auf, sich mit ihm auf die Rückbank des Auto zu setzten, was das Mädchen tat.

Fall ans Obergericht gezogen

Laut Anklage küsste Hassan Kiko das Mädchen und versuchte ihr die Hosen zu öffnen. Das Mädchen wehrte sich, trotzdem kam es zum Geschlechtsverkehr und zu sexuellen Handlungen. Am 3. Dezember 2015 stand der 27-Jährige vor dem Bezirksgericht Dietikon. Dieses verurteilte ihn wegen Vergewaltigung zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren. Vom Vorwurf der sexuellen Handlungen mit einem Kind ist er freigesprochen worden. Das Gericht ging davon aus, dass der Täter in der irrigen Annahme handelte, die junge Frau sei über 16-jährig. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Beschuldigte ist nicht geständig und zieht den Fall ans Zürcher Obergericht weiter. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 09.02.2016, 15:10 Uhr)

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