Das sind die besten Bauten von Zürich

Die Stadt zeichnet herausragende Bauprojekte der letzten fünf Jahre aus. Bei der Beurteilung der 160 Eingaben für den Preis wurde Jurypräsident Patrick Gmür zum Dompteur.

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Die Stadt Zürich verleiht im September die «Auszeichnung für gute Bauten 2011 bis 2015». Der Wettbewerb soll die vielfältige Baukultur in der Stadt fördern. Die Auszeichnung wird bereits seit 70 Jahren verliehen in den Kategorien Wohnungsbau, Büro- und Gewerbebau, öffentlicher Bau, öffentlicher Raum und andere Bauten. Heute hat die Stadt jene Projekte präsentiert, die für einen der 12 Preise infrage kommen.

Während drei Tagen hat eine Expertenjury die rund 160 Eingaben für die Auszeichnung beurteilt. Neben Fachleuten aus dem In- und Ausland war Zürich mit der Stadtpräsidentin Corine Mauch, dem Vorsteher des Hochbaudepartements, André Odermatt, sowie dem Vorsteher des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements, Filippo Leutenegger, vertreten. Ebenfalls in der Jury sassen Anna Schindler, Direktorin Stadtentwicklung Zürich, Paul Bauer, stellvertretender Direktor von Grün Stadt Zürich, und Patrick Gmür, Direktor des Amts für Städtebau. Gmür amtete zudem als Präsident der Jury. Keine leichte Aufgabe, wie er im Gespräch mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet sagt.

Die Jury musste innerhalb von drei Tagen 160 Projekte beurteilen. Wie haben Sie diese Aufgabe gemeistert?
Es gab tatsächlich sehr viele Bauten, die den Preis verdient hätten. Das Niveau der Eingaben war extrem hoch. Um trotzdem die 12 besten zu finden, haben wir uns zunächst in vier Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe hat jeweils bei 40 Einsendungen eine erste, grobe Wertung vorgenommen. So konnten wir uns relativ rasch einen Überblick verschaffen. Nach vier Stunden hatten alle Jurymitglieder sämtliche Projekte gesehen.

War es leicht, in der Jury einen Konsens zu finden?
Die Diskussionen wurden zum Teil sehr intensiv und kontrovers geführt. Manchmal ging es zu und her wie auf einem Basar. Jede und jeder versuchte mit seinen Argumenten zu überzeugen. Ich musste wie ein Dompteur ein strenges Regime führen, damit die Gespräche nicht ausuferten und wir zu einem Schluss kommen konnten. Weil es sich bei den Jurymitgliedern um Fachleute mit hohen Ansprüchen handelte, war das alles andere als einfach. Jeder hatte eine ganz genaue Vorstellung davon, was einen guten Bau ausmacht – diese Meinung deckte sich nicht immer mit jener der anderen. Ich war somit im konstanten Wechsel zwischen Moderation und Mediation. Es ging darum, gemeinsame Lösungen zu finden, möglichst objektiv zu bleiben und nicht auf persönlichen Favoriten zu beharren.

Und welches waren diese objektiven Kriterien?
Die Kriterien wurden von der Stadt Zürich vorgegeben, und wir mussten uns bei der Beurteilung der Eingaben strikte an diese Vorgaben halten. Bei jedem Bau haben wir uns gefragt, ob er den Vorgaben der 2000-Watt-Gesellschaft entspricht, ob er einen Beitrag für alle leistet, für eine gute Durchmischung sorgt und zum Quartier passt. Im Kreis 3 mit seinen Blockrandbebauungen muss ein Bau anders konzipiert werden als in der Gartenstadt Schwamendingen. Er soll die Weiterentwicklung eines Stadtquartiers unterstützen, indem bei der Planung auch die langfristige Umgebungsgestaltung wie beispielsweise der Bezug des Erdgeschosses zum öffentlichen Raum berücksichtigt wird. Funktional galt es unter anderem darauf zu achten, ob eine Wohnung gut nutzbar ist. Das klingt banal, ist aber nicht immer der Fall.

Wie kann denn eine Wohnung in Zürich nicht nutzbar sein?
In Zürich wird viel gebaut. 3000 bis 4000 Baubewilligungen werden pro Jahr erteilt. Da sieht man allerhand. Beispielsweise Wohnungen, in denen man nur über das Wohnzimmer in die Schlafzimmer gelangen kann. Das schränkt ein. Vor allem wenn Familien dort wohnen. Man will ja nicht unbedingt, dass die Kinder immer durchs Wohnzimmer gehen, wenn sie abends oder nachts auf die Toilette müssen.

Die «Auszeichnung für gute Bauten in der Stadt Zürich» wird seit dem Zweiten Weltkrieg verliehen. Wie haben sich die Kriterien für dieses Label verändert?
Die Leute interessieren sich – auch dank den Medien – heute stärker für Architektur und Stadtentwicklung. Sie sind sensibilisiert für Themen wie Dichte, Verkehr oder Lärmbelastung und Ökologie. Politische Aspekte sind wichtiger geworden. Jedes Haus sollte einen Beitrag zum Gesamten leisten und im besten Fall einem übergeordneten Ziel dienen: nämlich der Stadt. Zürich will eine Stadt für alle sein. Der Erhalt von Grünraum ist heute essenziell. Vor diesem Hintergrund ist dichtes Bauen sinnvoll. Grundsätzlich kann man festhalten, dass sich die Stadt Zürich diesbezüglich in die richtige Richtung entwickelt.

In der Jury sassen auch anerkannte Architekten und Stadtplaner aus dem Ausland. Wie haben sie die bauliche Entwicklung von Zürich beurteilt?
Sie sind begeistert und beeindruckt von den städtebaulichen und architektonischen Beiträgen in Zürich. Es wird hier nicht nur viel gebaut, sondern dabei auch stark auf Qualität geachtet. Diesbezüglich zählen wir zu den führenden Städten Europas. Das kann man durchaus auch als positives Resultat unserer beharrlichen Planung und unserer politisch breit abgestützten Forderung nach guten architektonischen und städtebaulichen Lösungen sehen. Es tut ganz gut, wenn man ein solch positives Feedback auf unsere Bemühungen bekommt. Die Auszeichnung ist daher auch Lohn der Arbeit – so etwas wie ein Dessert, das einem die harte Plackerei versüsst.

Die Auszeichnung geht aber nicht nur an städtische Bauprojekte...
Sicher nicht! Im Grunde genommen, ist sie ein Bauherrenpreis. Natürlich geht es um gute Architektur, um die Projektverfasser und ihre Teams. Aber schlussendlich ist ein Haus nur so gut, wie es die Bauherrschaft erstellen will. Mit der Auszeichnung wollen wir auch diese Arbeit wertschätzen. Es gibt zwar kein Geld, aber Ruhm und Ehre sind gewiss.

Wie schon vor fünf Jahren soll auch in diesem Herbst ein Publikumspreis verliehen werden. Wer mitmachen will, kann seine Stimme ab sofort unter www.stadt-zuerich.ch/voting-gute-bauten abgeben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.06.2016, 11:07 Uhr

«Die Auszeichnung ist auch Lohn der Arbeit – so etwas wie ein Dessert, das einem die harte Plackerei versüsst»: Patrick Gmür, Direktor Amt für Städtebau und Jurypräsident. (Bild: ZVG)

Kriterien für gute Bauten

Städtebau:
Der Bau und seine Erdgeschossnutzungen leisten einen Beitrag zur Weiterentwicklung des jeweiligen Stadtquartiers. Die Aussenräume sind vielseitig und ermöglichen unterschiedliche Aktivitäten.


Architektur:
Der Bau strahlt auf die unmittelbare Umgebung und das Quartier ab. Er zeichnet sich durch ein überzeugendes architektonisches Gesamtkonzept aus.


Gesellschaft:
Der Bau leistet einen Beitrag zum Entstehen einer Stadt für alle und zu sozial durchmischten Quartieren. Architektonische Elemente fördern das gemeinschaftliche Leben.


Ökonomie:
Die Dichte ist der Nutzung und der Umgebung angemessen. Die Gebäudestruktur weist eine hohe Flexibilität auf, Unterhalts- und Instandsetzungsaufwand sind gering.


Ökologie:
Der Bau schont die Ressourcen und leistet einen Beitrag zur Erreichung der Ziele einer 2000-Watt-Gesellschaft.

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