«Das wäre sehr schlimm für uns»
Von Tina Fassbind. Aktualisiert am 31.01.2012 26 Kommentare
Das Areal in Altstetten
Der geplante Strichplatz
Das Zürcher Stimmvolk wird am 11. März 2012 über den Objektkredit für das Projekt Strichplatz Depotweg abstimmen. Der Kredit beläuft sich auf 2'395'000 Franken, die jährliche Miete des Areals auf 92'480 Franken.
Eine Baubewilligung für den geplanten Strichplatz und die Verrichtungsboxen wurde bereits gesprochen. Dagegen sind im Dezember 2011 insgesamt drei Rekurse eingegangen. Das Verfahren läuft. Der Entscheid folgt im Regelfall innerhalb eines halben Jahres nach Eingang des Rekurses.
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Es umfasst stattliche 26'170 Quadratmeter, das Areal in Zürich-West, das nach langem Dornröschenschlaf bald zu neuem Leben erweckt werden soll. Gleich drei Nutzungen sind für die Industriebrache zwischen der Aargauer- und der Bernerstrasse vorgesehen: Das Containerdorf Basislager für Zürcher Kreative, die Wohnsiedlung für Asylsuchende und der geplante Strichplatz mit zehn Verrichtungsboxen.
Bereits heute leben rund 140 Asylbewerber in einer temporären Wohnsiedlung auf dem Areal. Unter ihnen die beiden Tibeterinnen Chokyi und Tenzin. Die politisch verfolgten Frauen haben hier seit vier Monaten ein vorübergehendes Zuhause gefunden und sind sehr froh über die Unterstützung, die sie bekommen. Aber die Aussicht darauf, dass in der Nachbarschaft bald Prostituierte ihre Freier bedienen könnten, macht ihnen Angst. «Das wäre sehr schlimm für uns», sagt Chokyi. «Die Männer könnten denken, dass wir selbst Prostituierte sind. Dabei lehnen wir Prostitution ab.»
«Hier leben auch alte Leute und Kinder»
Auch Haxhaj, Asylbewerber aus dem Kosovo, ist besorgt. «Es ist gut hier und wir haben nie Probleme», sagt er gegenüber Tagesanzeiger.ch, «wenn Prostituierte hierher kommen, stört mich das zwar nicht, aber für einige Bewohner könnte es schwierig werden.» Franc, afrikanischer Flüchtling, ist derselben Meinung: «Das ist keine gute Idee. Hier leben auch alte Leute und Kinder.» Auch er befürchtet, dass das Milieu in der Nachbarschaft die Ruhe stören könnte. «Wir haben es sehr friedlich hier. Die Polizei muss nie vorbeikommen. Wenn die Freier hierher fahren, dann kommt auch der Lärm und der Schmutz.»
Thomas Kunz, Direktor der Asyl-Organisation Zürich AOZ, die die temporäre Wohnsiedlung betreut, räumt die Bedenken aus dem Weg. «Ich glaube nicht, dass es hier zu Konflikten kommen könnte oder dass Bewohnerinnen unserer Siedlung mit Prostituierten verwechselt werden könnten. Konzeptuell ist der Strichplatz so angelegt, dass die Nutzung klar von der Wohnsiedlung getrennt ist», hält er auf Anfrage fest. Die Zufahrt zum Strichplatz liege nicht an der Aargauerstrasse, sondern laufe über den Depotweg parallel zur Bernerstrasse.
Die Bewohner der Siedlung würden selbstverständlich darüber informieren, was in der Umgebung passiert, versichert Kunz. «Allerdings erst dann, wenn klar ist, ob der Strichplatz und das Basislager dorthin kommen. Im Moment hätte das gar keinen Sinn, denn viele der Leute werden bis zur Umsetzung dieser Projekte gar nicht mehr in der temporären Wohnsiedlung wohnen.
Hoffen auf das Basislager
Grosses Interesse hätte die AOZ daran, dass das Basislager auf der Brache aufgebaut wird. Das Containerdorf steht derzeit noch auf einem Areal an der Räffelstrasse im Kreis 3. Rund 200 Handwerker, Künstler, Grafiker und Architekten haben sich in dem Dorf auf Zeit eingemietet. Ende März 2012 müssen sie ausziehen, weil die Besitzerin Swiss Life auf dem Areal einen Neubau mit Büros erstellt. Die meisten Mieter der 135 Container hätten nichts dagegen, nach Altstetten zu ziehen.
Und genau das wünscht sich Thomas Kunz: «Es soll dort Leben entstehen, damit es weniger trostlos ist.» Die AOZ hofft sogar darauf, dass beiden Nutzungen mit der Zeit zusammenwachsen. «So könnte ein Ort entstehen, wo gelebt und gearbeitet wird.»
Doch die Zukunft des Basislagers ist noch ungewiss. «Die Verhandlungen laufen noch, zu den Details äussern wir uns deshalb nicht», sagt Nat Bächtold, Mediensprecher des Zürcher Präsidialdepartements. Allerdings sei die Industriebrache in Altstetten zur Zeit das einzige geeignete Grundstück mit passender Zonierung und Grösse. «Und mit dem Tram Zürich West ist es jetzt auch direkt mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 31.01.2012, 11:36 Uhr
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26 Kommentare
Ich lese "die Nutzungen wären strikte getrennt" - wo ist also ds Problem? Und besser ein Dach in der Nähe der Boxen über dem Kopf als gar nix. Und sowieso, Prostituierte erkennt man denke ich an ihrer (nicht-)Kleidung, da können sich die Frauen schon abgrenzen.
Was macht eigentlich ein kosovarischer Asylbewerber hier? Krieg ist lange vorbei, ein eigener Staat ausgerufen, Serbien am Zügel der EU.
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