«Das war der schönste Arbeitsplatz meines Lebens»
Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 13.10.2011 7 Kommentare
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Seit Tagen putzt Erika Bärtschi das Seebad Utoquai – zum letzten Mal. Nach zehn Jahren gibt sie die Leitung der über 120 Jahre alten Badi ab. «Einmal muss man aufhören», sagt sie. Um gleich anzufügen: «Mit 71 darf man das, oder?»
Als sie mit 60 Jahren die Chäslaube in Riesbach verkaufte, plante sie eigentlich den Ruhestand. Oder zumindest ein etwas ruhigeres Leben, schliesslich sass sie für die FDP im Gemeinderat, als Präsidentin im Gewerbeverein Seefeld und war in der Nachbarschaftshilfe engagiert.
Unruhestand
Bärtschi hatte trotzdem viel Zeit, stach den Garten um, putzte die Fenster und hielt das Haus in Schuss. Doch es reichte nicht. Irgendwann war der Garten gemacht und das Haus sauber. «Ich merkte, dass mir der Ruhestand nicht guttut», sagt sie lachend. Da sah sie die Ausschreibung für die Badi Utoquai. Die Stadt suchte einen neuen Mieter. Fünf Monate im Jahr arbeiten, das ist es, dachte sich Bärtschi. Sie bewarb sich und bekam mit 61 Jahren den Zuschlag.
Als sie als Wirtin der Badi begann, gab es nur Sandwiches und Getränke. «Wenn man Glück hatte, bekam man im Utoquai ein Chäschüechli aus der Mikrowelle», sagt Bärtschi. Für sie als langjährige Delikatessen-Händlerin unhaltbar. Sie führte frische Salate und Birchermüesli ein. «Das Salatbuffet mit frischem Gemüse von Herrn Nötzli vom Bürkliplatz-Markt war das Highlight», sagt Bärtschi. Sie habe immer frische Produkte verwendet.
Sonnenuntergang über dem Uetliberg
Zum Abschied ihrer Zeit in der Badi Utoquai stellte sie denn auch ein Buffet auf, das so lange war wie das gesamt Deck. Da die Öffnungszeiten wegen des Altweibersommers um eine Woche verlängert wurden, waren nicht nur die geladenen, sondern auch die regulären Badegäste da. «Das Utoquai war pumpenvoll, innert einer halben Stunde war das Buffet leer», sagt Bärtschi. Alle seien glücklich gewesen, viele hätten sich bei ihr bedankt, man liess Ballone steigen.
Das war es, was für sie den Reiz ihrer Arbeit als Badi-Wirtin ausmachte: «Die vielen Stammgäste waren wie eine riesige Familie.» Sie werde sehr gerne an diese Zeit zurückdenken. «Und ich hatte dort auch den schönsten Arbeitsplatz meines Lebens. Die Sonnenuntergänge im Juli, das ist unvergesslich.» Auch sonst sei der Job bei schönem Wetter wunderbar gewesen. «Allerdings ist es auch sehr risikoreich, wenn es in den schönen Monaten regnet und kalt ist.»
Wenn der letzte Putz erledigt ist, wird es ihr nicht langweilig. Im Gemeinderat ist sie zwar seit vier Jahren nicht mehr. «Doch als Präsidentin der Kirchgemeinde Neumünster habe ich genug zu tun», sagt Bärtschi. Schliesslich braucht die Gemeinde einen neuen Pfarrer. Und Präsidentin des Gewerbevereins ist sie nach wie vor.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.10.2011, 15:33 Uhr
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