«Dealer sind nicht die Herren der Langstrasse»

Koni Loepfe, Präsident der SP Stadt Zürich, ist genervt über das Machogehabe der Dealer an der Langstrasse. Sie sollen ihre Geschäfte diskreter abwickeln, dann herrscht wieder Ruhe.

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Herr Loepfe, Sie haben in der letzten Ausgabe der Zürcher Wochenzeitung «P.S.» das Verhalten der Drogendealer an der Langstrasse als Machogehabe bezeichnet, das sehr an ein Affengehege erinnere. Haben Sie bereits böse Reaktionen Ihrer ParteigenossInnen erhalten?

Koni Loepfe: Nein, es kamen keinerlei Meldungen von Seiten der SP. Nur die SVP will meine Äusserung explizit falsch verstehen. Ich habe allerdings meine Meinung in Bezug auf die Drogenpolitik nicht geändert und finde eine Konzentration auf die Repression, wie sie die SVP fordert, nach wie vor falsch.

Sie fordern einen Kurs in diskretem Handel für die Kleindealer. Ist das Ihre Lösung für die Probleme mit den Dealern an der Langstrasse?

Im Ernst: Das Problem ist nicht das Dealen selbst, sondern die unmögliche Art und Weise, wie die Dealer gegenwärtig vorgehen. Sie sind zu laut und wirken beängstigend – vor allem, wenn sie in Hinterhöfen oder Seitengassen handeln. Die Anwohner müssen an ihnen vorbei nach Hause gehen, das ist für sie ärgerlich bis bedrohlich. Dass gedealt wird, ist den meisten Anwohnern eigentlich egal. Eine versteckte Drogenszene ist man im Kreis 4 in einem gewissen Mass bereit zu tolerieren.

Wenn die Dealer also diskreter arbeiten würden, könnte wieder Friede im Quartier einkehren?

Es ist doch so: Wir werden in der Stadt Zürich immer Probleme mit dem Drogenkonsum haben. Wir bringen die Sucht nicht weg aus der Gesellschaft. Insbesondere die Zahl der Kokainkonsumenten hat zugenommen. Doch im Gegensatz zu den Heroinabhängigen, die ihren Stoff in der Drogenabgabestelle bekommen, müssen sich Kokskonsumenten ihre Ware im halblegalen Bereich beschaffen. Ich kann nicht nachvollziehen, warum es für Kokssüchtige nicht auch ein Abgabeprogramm gibt.

Was halten Sie vom Vorschlag des SP-Stadtpräsidenten Elmar Ledergerber, ausländischen Dealern die B- oder C-Bewilligung zu entziehen?

Das bringt nichts. Wer einen B-Ausweis hat, wird kaum eine Verlängerung bekommen, wenn er beim Dealen erwischt wurde. Die Dealer bleiben sowieso nie längere Zeit in Zürich. Sie kommen ein paar Monate hierher, machen je nach Geschick mehr oder weniger Geld und ziehen dann weiter in eine andere Stadt. Genau darin liegt das Problem: Sie müssen ihr Verhalten nicht den Gegebenheiten anpassen, weil sie den Ort ständig wechseln. Zudem wurde das Strafrecht unter der Führung von alt Bundesrat Christoph Blocher so geändert, dass  Drogendeals im kleinen Rahmen ein leichtes Verbrechen darstellen, das nur mit einer bedingten Geldstrafe geahndet werden kann. Wir können jetzt nicht plötzlich aus Kleindealern Grossverbrecher machen.

Wie soll Ihrer Meinung nach gegen auffällige Dealer vorgegangen werden?

Die Polizei soll den Dealern auf die Füsse treten. Sie müssen begreifen, dass sie nicht die Herren der Langstrasse sind und ihre Geschäfte wieder diskreter abwickeln. Die Polizei muss kurzfristig, mit ihrer Präsenz den Handel dort erschweren, wo die Dealer im Moment so breitbeinig nach Süchtigen Ausschau halten. Es ist die einzige kurzfristige Möglichkeit, um die Situation wieder zu beruhigen. Auch recht kurzfristig muss die Justiz zur Kenntnis nehmen, dass die Einführung der bedingten Geldstrafen ein Irrtum war. Daneben braucht es wie bereits erwähnt auch Massnahmen bei der Überlebenshilfe der Süchtigen. Die vierte Säule der Drogenpolitik hat mit dem Wandel der Konsumgewohnheiten nicht Schritt gehalten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.09.2008, 14:18 Uhr

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