Demo gegen nichts sorgte für Verwirrung
Von Philipp Albrecht. Aktualisiert am 22.02.2009 6 Kommentare
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Demonstrationen samstags in der Zürcher Innenstadt sind nichts Aussergewöhnliches. In der Regel schaut man kurz hin, nimmt das Thema zur Kenntnis und konzentriert sich dann wieder aufs Shopping. Nicht so am Samstag. Auf den weissen Transparenten der rund drei Dutzend Demonstranten stand nämlich – nichts. Die Flyer, die sie verteilten, waren leer. Und auf Schildern stand «Nix». «Was soll das?», fragte man sich. Ein Kunstprojekt? Ein Film? Eine Provokation?
Zugegeben: Die meisten Aktionen der Gruppierung, die unter dem Namen «Improv Everywhere» bekannt ist, wirken origineller. Youtube ist voll mit Filmchen von Leuten, die wie eingefroren in Bahnhofshallen stehen, oder von Gruppen, die oben ohne im Kleiderladen T-Shirts anprobieren. Der Zürcher Ableger namens «Zürimprov» kocht mit Gratis-Umarmungen oder Grossstadt-Picknicks eher auf kleinerem Feuer. Viele Passanten waren deswegen aber nicht minder überrascht, als sie die «Demo gegen nichts» erblickten. Die Demonstranten zogen, ohne irgendwelche Parolen von sich zu geben (Was hätten sie auch rufen sollen?), vom Landesmuseum her durch das Niederdorf und über die Quaibrücke in die Bahnhofstrasse. Viele Passanten staunten. «Originell!», hiess es da, «Keine Ahnung, was die wollen», hörte man dort. Ein Passant meinte verblüfft: «Da kann man ja gar nichts lesen.»
Ähnliche Aktion in Tschechien
Die mehrheitlich sehr jungen Demonstranten waren vorab per Facebook auf die Aktion aufmerksam geworden, wie sie sagten. Organisatoren waren schwer auszumachen. «Alle haben mitorganisiert», sagte ein Teilnehmer, der vor dem Start Anweisungen gab wie «Ihr müsst schauspielern» oder «Wenn euch jemand fragt, was ihr da macht, sagt ihr: Nichts». Die Idee sei demokratisch im Internetforum entstanden, meinte er weiter. In Tschechien habe es eine ähnliche Aktion gegeben, ergänzte eine andere Teilnehmerin. Dort habe aber jeder gegen etwas anderes demonstriert. Da man nicht kopieren wollte, sei die Idee der Demo gegen nichts entstanden. «Die meisten hier kommen aus der Ostschweiz», sagte eine weitere Demonstrantin. Das sei nachvollziehbar, weil viele aus der Stadt bei solchen Aktionen lieber nicht auf Bekannte treffen wollten.
Vielleicht war auch die Tatsache, dass am Freitagabend der Aufruf zum Mitdemonstrieren wieder von der Zürimprov-Website verschwunden war, ein Grund dafür, dass nur 30 bis 40 Personen am Samstag mitliefen. Die Furcht vor einem Polizeieinsatz war offenbar grösser als der Drang, möglichst viele Gleichgesinnte zu mobilisieren.
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(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 22.02.2009, 21:15 Uhr
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6 Kommentare
Nein, Bewilligung war nicht vorhanden. Man hat versucht, eine einzuholen, erhielt aber keine Antwort. Die Jugend ist alles andere als blöd, nur lässt sich ein grosser Teil allzuleicht ablenken. Anstatt einen weiteren Nachmittag sinnlos vor dem TV oder in der Ausnüchterungszelle zu verbringen, haben diese Jugendlichen einigen Passanten den Nachmittag aufgelockert. Antworten





Marcel Urech
Was bitte schön ist ein Internet-Jugendlicher? Das würde mich mal interessieren. Zur Demo: an dem Tag, an dem meine Existenz keinen Raum mehr für dadaistischen Unsinn lässt, habe ich aufgehört zu leben. Antworten