Der Circus ist da, Weihnachten kann kommen

Der Weihnachtscircus Conelli gehört heute zu Zürich wie die Löwen zum Wappen.

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«Spinnst du?», musste Conny Gasser sich anhören, als er 1982 auf dem Sechseläutenplatz einen Winterzirkus aufstellen wollte. Stapi Thomas Wagner gab die Bewilligung, doch in den nächsten Jahren wurde der Circus Conelli – benannt nach Gründer Koneli – auf die Kasernenwiese oder sogar ins Einkaufszentrum Letzipark abgeschoben, weil er der Stadt nicht in die Zirkusplanung passte. Da kam Mitte Oktober 1992 von Bauschänzli-Pächter Fred Tschanz das Angebot, ein Zelt auf der Limmatinsel aufzustellen. Gasser liess innert fünf Wochen in Italien ein Zelt anfertigen – mit Löchern für die Bäume. Heute gehört der Conelli zu Zürich wie das Sechseläuten oder – so Alt-Stadtpräsident Josef Estermann – «wie die Löwen zum Stadtwappen».

Kein Platz blieb leer

An die gestrige Premiere kamen viele alte Weggefährten und Freunde der Zirkusdynastie Gasser – der Clown Dimitri, die Sängerinnen und Sänger Lys Assia, Toni Vescoli und Roberto Blanco, Bandleader Pepe Lienhard, Alt-Bundesrätin Elisabeth Kopp oder die Fussballlegenden Günter Netzer und Fritz Künzli, Letzterer mit Monika Kaelin. Im Zelt blieb ein einziger Platz leer: «Den habe ich Walter Roderer auf Lebzeiten – und darüber hinaus – versprochen», sagte Roby Gasser bei der Begrüssung. Es wurde dunkel, und der Scheinwerfer blieb auf dem leeren Stuhl. «Er schaut bestimmt zu», sagte Gasser.

Den Schlagersänger Roberto Blanco begrüsste Gasser als «mein lieber schwarzer Onkel», und Gastgeber Fred Tschanz umarmte Gasser gar. Schauspieler Mathias Gnädinger wurde vom Direktor ermahnt: «Schlaf mir bloss nicht ein während der Show!» Seit Roby nach dem plötzlichen Tod seines Vaters Conny im Dezember 2007 einspringen musste, stotterte sich der ehemalige Spitzenartist (Handstand auf dem Seehund) mehr schlecht als recht durch die Begrüssung – gestern war er erstmals locker und witzig. Den scheidenden Stadtrat Martin Vollenwyder begrüsste Gasser als «eine Säule Zürichs». Vollenwyder übrigens hatte nach Christoph Blocher, der mit Tochter Rahel Blocher in der ersten Reihe sass, den grössten Applaus.

Was man von Roby Gasser sagen kann, gilt erst recht auch für Stadtpräsidentin Corine Mauch, die 2009 mit einer verkorksten Rede bei Zürichs Prominenz ziemlich flach rauskam. Gestern präsentierte sie sich fröhlich und schlagfertig in einem goldbeknöpften Frack im Zirkusstil. «Trau keinem über 30», sagte sie augenzwinkernd zum jubilierenden Zirkusdirektor Gasser. Der spezielle Dank der Sozialdemokratin und Bassgitarristin galt jenen, «die nicht im Rampenlicht stehen, sondern bescheiden im Hintergrund arbeiten», dem Zirkusorchester unter Kapellmeister Alex Maliszewski.

Spagat in zehn Metern Höhe

Das Jubiläumsprogramm unter dem Titel «Celebration» besticht dieses Jahr durch eine Mischung aus Poesie, Humor und knallharter Akrobatik. Publikumslieblinge sind die beiden Hausclowns Gaston und Roli. Sie machen bewusst nicht auf moderne Comedians, sondern geben die guten alten Clowns mit roter Nase und viel zu grossen Schuhen und Kleidern. Ihr Rezept: Der doofe Dünne reisst dem dicken Klugscheisser den letzten Nerv aus. Bei den Pointen muss sich niemand hintersinnen. Beispiele: «Wie viel Karat hat dieser Goldhamster?» Oder: «Wohin gehst du mit meiner Frau? Keine Angst, ich bringe sie dir morgen wieder zurück!»

Zweiter Publikumsliebling ist der Weltklassejongleur Kris Kremo, ebenfalls ein Freund der Familie. Er überbietet sich nicht mit einer Unzahl von Keulen, sondern jongliert immer mit drei Elementen. Zum Beispiel mit roten Zylindern, die er gleichzeitig auf einer Zehenspitze und der Stirne balanciert. Dabei schafft er es, den Hut viermal mit Stirn und Nase umzudrehen. Mit der Menge macht es dafür die Russin Yelena, die 30 Hula-Hoop–Ringe um Beine, Hüften und Arme kreisen lässt.

Als Conférencier, Sänger und ewig junger Playboy amtet Pino Gasparini (66), Leadsänger im Orchester von Pepe Lienhard. Dieser sass ebenfalls in der ersten Reihe und warf seinem Sänger immer wieder einen schelmischen Blick zu. Zwei akrobatische Höhepunkte – total sind es zehn – sollen noch erwähnt werden. Die Show des deutschen Duos Farellos. Sie springen auf dem Einrad Seil und Trampolin oder befahren Treppen, die Frau auf dem Rücken des Mannes. Und der chinesische Artist, der auf fast zehn Meter hohen, bedrohlich schwankenden Stützen einen Spagat und einen gedrückten Handstand vollführt.

Für Conelli-Zuschauer beginnt nach der Vorstellung die offizielle Weihnachtszeit. Für einige könnte es etwas spät werden – denn der Conelli gastiert bis zum 6. Januar auf dem Bauschänzli. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 27.11.2012, 07:50 Uhr)

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