Der Gaffer ist der Komplize des Chaoten
Von Christoph Landolt. Aktualisiert am 29.04.2011 51 Kommentare
Marco Cortesi, Medienchef der Zürcher Stadtpolizei.
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Wäre die Polizeiarbeit einfacher, wenn es am 1. Mai keine Gaffer hätte?
Die Gaffer stehen im Weg, ganz klar. Doch sie stören nicht nur die Polizeiarbeit, sie gefährden auch sich selbst. Auch die Gegenseite unterscheidet nicht zwischen Polizei und Zuschauern, sie wirft einfach Steine. Ich wundere mich immer, dass am 1. Mai noch niemand schwer verletzt worden ist.
Könnten mehr Gewalttäter gefasst werden, wenn keine Gaffer im Weg wären?
Natürlich, die Chaoten wären sehr viel besser fassbar. Die Gewalttäter verstecken sich in der Menge. Wenn wir eine Gruppe einkesseln, wechseln sie das Shirt und nehmen die Vermummung runter. Dann ist es schwierig, ihnen etwas nachzuweisen. Wir haben in einem Kessel noch nie jemanden angetroffen, der einen Stein geworfen haben will. Alle waren sie immer nur zufällig da und haben nur ein bisschen zugeschaut.
Chaoten und Gaffer – gibt es auch Personen, die etwas dazwischen verkörpern?
Der Übergang ist fliessend. Wir stellen immer wieder fest, wie sich Gaffer im Sog der Action mitreissen lassen. Sie wollten eigentlich nur die Zerstörung sehen und werfen dann halt auch mal einen Stein in ein Schaufenster.
Haben die verhafteten Gaffer politische Überzeugungen?
Bei den meisten ist keine festzustellen. Viele sind ja noch sehr jung. Was sie verbindet, ist die Erlebnisorientierung. Es geht weniger um Politik, als um Action.
Zum ersten Mal hat die Stapo Krawall-Touristen vor Konsequenzen gewarnt.
Wir wollen den Wegweisungsartikel konsequent anwenden. Wenn wir einen Gaffer erwischen, nehmen wir ihn mit auf die Wache und händigen ihm eine schriftliche Wegweisung aus, die einem Rayon-Verbot gleichkommt. Wenn wir mehrere Hundert Krawall-Touristen verhaften, dauert es natürlich eine Weile, bis alle wieder auf freiem Fuss sind.
Den Wegweisungsartikel gibt es schon länger. Wurde er bis anhin zu wenig angewandt?
Vor einem Jahr haben wir dieses Mittel auch schon angewandt, aber noch nicht aktiv kommuniziert. Die Gaffer müssen wissen, womit sie rechnen müssen. Am 1. Mai um 15 Uhr steht man nicht zufällig am Helvetiaplatz.
Wird die Polizei mehr Leute wegweisen?
Ja, wir wollen dieses Jahr noch stärker auf dieses Instrument setzen. Der Auftrag vom Stadtrat ist klar: Es wird keine Nachdemo geduldet, es darf keine Gewalt geben. Wir hoffen, dass der Wegweisungsartikel der Keil ist, mit dem wir die Gewalttäter von den Zuschauern trennen können. Früher mussten wir jedem einen Straftatbestand nachweisen. Heute haben wir damit ein griffigeres Instrument.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.04.2011, 12:32 Uhr
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