Zürich

Der Hilferuf findet wenig Gehör

Von Stefan Häne. Aktualisiert am 08.01.2011 30 Kommentare

GC und der FCZ klagen über zu hohe Polizeikosten. Die SVP fordert nun, diese den Vereinen zu erlassen. Doch der Stadtrat winkt ab. Infrage kommt höchstens eine Reduktion.

Damals war es noch günstiger: Polizeieinsatz auf der Duttweilerbrücke im August 2008 nach einem Spiel zwischen dem FCZ und dem FC Basel.

Damals war es noch günstiger: Polizeieinsatz auf der Duttweilerbrücke im August 2008 nach einem Spiel zwischen dem FCZ und dem FC Basel.
Bild: Reto Oeschger

So viel Miete müssen die Super-League-Klubs für ihre Stadien zahlen – Grafik vergrössern

Im Kanton Bern ist die Polizei fast gratis

Die Polizeikosten sind für die Fussballvereine nicht nur ein kostspieliges, sondern auch kontroverses Thema – denn es trifft nicht alle gleich hart. Neben den beiden Zürcher Vereinen, die zusammen 1,6 Millionen Franken abliefern sollen, muss auch der FC St. Gallen tief in die Tasche greifen. «Bis anhin haben wir der Stadt St. Gallen jährlich etwa 1,2 Millionen Franken abgeben müssen», sagt Markus Scherrer, Mediensprecher des FC St. Gallen. Nach einer Neuberatung im Kantonsparlament werde der Betrag in Zukunft allerdings auf ungefähr 800'000 Franken sinken.

Scherrer ist unzufrieden: «Es geht uns beim FCSG nicht darum, dass wir nichts bezahlen müssen. Wir verlangen aber, dass schweizweit einheitliche Massstäbe angewandt werden.» Wenn ein Grossklub lediglich 60'000 Franken abliefern müsse, werde der Wettbewerb verzerrt.

Scherrer spielt auf den Kanton Bern an, wo die Situation für die Vereine komfortabel ist: «Wir bezahlen jährlich 60'000 Franken», bestätigt Albert Staudenmann, Mediensprecher von YB. Hinzu kämen für jedes internationale Spiel weitere zwei Franken pro Zuschauer. Ein mit 31'000 Zuschauern voll besetztes Stadion kostet damit nochmals 62'000 Franken. Ebenfalls gebe es immer wieder einmalige Investitionen, wie Staudenmann ausführt: «Wir haben beispielsweise gerade einen Zaun zwischen dem Bahnhof Wankdorf und dem Stadion verlängern lassen, was uns mehr als 100'000 Franken gekostet hat.»

Pro Kopf oder pauschal?

Auch der FC Thun bezahlt einen Discountpreis: 15 Rappen pro Zuschauer. Präsident Markus Stähli: «In Bern gibt es für die Polizeiabgaben keine rechtliche Grundlage. Die Berner Klubs haben deshalb mit den Behörden freiwillig Verträge abgeschlossen.» Bei den kleineren Vereinen ausserhalb des Kantons Bern variieren die Abgaben: Sion zahlt pauschal 500'000 Franken, bei Xamax sind es 250'000 bis 300'000 Franken – laut Präsident Sylvio Bernasconi «zu viel».

Der FC Luzern, der zurzeit noch in einem provisorischen Stadion in Emmenbrücke spielt, bezahlt laut Sicherheitschef Mike Hauser pro Zuschauer 1.50 Franken. Ab der nächsten Saison im neuen Stadion werden 570'000 Franken fällig. «Wir können uns jedoch einen‹Bonus› von 70'000 Franken zurückholen, wenn wir besonders gut mit der Polizei kooperieren», so Hauser.

Doch auch innerhalb der Stadien, in denen die Polizei nicht zuständig ist, fallen hohe Sicherheitskosten an. In Zürich sind die privaten Securityleute in der Stadionmiete (siehe Grafik) inbegriffen; beim Grossklub YB fallen für die interne Sicherheit jährlich 2,5 bis 3 Millionen an. Günstiger kommt wiederum der FC Thun weg: Ungefähr eine Viertelmillion kostet das Engagement der «Broncos», die im Lachen-Stadion für Ruhe und Ordnung sorgen.
Mario Stäuble

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Der Grasshopper-Club droht mit dem Wegzug aus dem Letzigrund, wenn er der Stadt Zürich weiterhin jährliche Miet- und Polizeikosten von rund drei Millionen Franken bezahlen muss. Die Sicherheitskosten schlagen dabei mit 700'000 Franken zu Buche. Der FCZ hat laut TA-Informationen für die Einsätze der Polizei vor und nach den Spielen gut 900'000 Franken hinblättern müssen.

In der Zahlungspflicht stehen der FCZ und GC seit Juli 2009: Das neue Polizeigesetz erlaubt es der Stadt seither, die Klubs nach Ausschreitungen zur Kasse zu bitten. Diese Regel ist politisch umstritten – und sorgt bei den Vereinen für Unmut. Sie drängen auf eine drastische Reduktion der Kosten. Zusätzlich haben sie beim Stadtrat je eine Einsprache gegen die Verrechnung von Polizeikosten eingereicht. Ob der Stadtrat den Vereinen entgegenkommt, ist offen. Der federführende Polizeivorsteher Daniel Leupi (Grüne) sagt auf Anfrage, die Höhe der Sicherheitskosten sei «Thema dieser laufenden Verfahren», nähere Angaben liessen sich deshalb nicht machen.

FDP will Kosten reduzieren

Im Gemeinderat provoziert der Hilferuf von GC kontroverse Reaktionen. Andrea Sprecher, Co-Präsidentin der Stadtzürcher SP, kann sich Zürich ohne den Traditionsklub zwar nicht vorstellen. Aus der Zahlungspflicht entlassen will sie ihn aber nicht: «GC leidet nicht völlig unverschuldet unter Geldproblemen.» Sprecher hält es weiterhin für sinnvoll, dass die Vereine ihre Verantwortung in der Gewaltprävention wahrnehmen müssen – auch finanziell. Von einem zweischneidigen Schwert spricht FDP-Gemeinderat und Sportlobbyist Urs Egger. Den Vereinen die Kosten ganz zu erlassen, steht für ihn nicht zur Debatte. «Die Klubs täten dann wohl zu wenig dafür,die Gewalt einzudämmen.» Egger schlägt vor, die Ansätze für die Sicherheitskosten zu reduzieren.

Einen Schritt weiter geht Mauro Tuena. Der SVP-Fraktionschef stösst sich an der Regel, weil sie zwischen den Veranstaltern von Sportanlässen und anderen Eventorganisatoren unterscheide. «Es ist ungerecht, wenn man den Sportklubs die Sicherheitskosten verrechnet, nicht aber den Organisatoren des 1. Mai.» Für ihn gibt es deshalb zwei Optionen: die gleiche Regel für alle. Oder aber Rückkehr zum alten Regime. Tuena bevorzugt Letzteres.

Dass die Stadt Zürich die Sicherheitskosten wieder allein tragen wird – diesen Wunsch wird der Stadtrat den beiden Vereinen kaum erfüllen. Leupi sagt, ein solcher Schritt würde die Klubs aus der Verantwortung entlassen, sich aktiv gegen die Gewalt im Umfeld der Fussballspiele zu engagieren und sich um die Sicherheit zu kümmern. «Dies hält der Stadtrat für unerwünscht und würde überdies von einem grossen Teil der Bevölkerung nicht verstanden.» Leupi betont, die Stadt Zürich fahre kein Sonderzüglein: Es bestehe landesweit der Konsens, dass sich die Klubs an den Kosten für Polizeieinsätze bei Sportveranstaltungen beteiligen müssten.

Weniger Polizisten an Spielen

Möglich ist, dass die Sicherheitskosten auch ohne Hilfe des Stadtrats sinken werden. Dies sagt Werner Karlen, Präsident des Polizeibeamten-Verbands der Stadt Zürich. Er wiederholt zwar seine im Sommer in einem TA-Interview geäusserte Kritik, es flössen «nach wie vor viele personelle Ressourcen» in den Sportbereich. Karlen spürt aber bei den Fussballspielen seit einigen Monaten eine «gewisse Entlastung»: Die Polizeieinsätze würden sorgfältiger geplant und analysiert, nicht jedes Spiel gelte als Hochrisikomatch. «Als Folge davon variiert die Grösse des Polizeiaufgebots mehr als früher.»

Die Stadtpolizei nimmt zu Karlens Feststellung nicht direkt Stellung. Sprecher Marco Cortesi sagt, die Stadtpolizei sei aus eigenem Interesse bestrebt, die Aufgebote möglichst klein zu halten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.01.2011, 06:27 Uhr

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30 Kommentare

Emil Styger

08.01.2011, 19:11 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Wenn die Stadtbehörde nicht fähig ist den Vereinen ein sicherheitsmässig funktionierendes Stadion zur Verfügung zu stellen, dann soll die Stadt die Kosten der Polizeieinsätze selber tragen oder den Verantwortlichen für den verfehlten Bau auferlegen. Ueberall wo neue Stadien gebaut werden, werden die Fans getrennt in überwachten und geschützten Sektoren auf Stadiongrund gesammelt . Antworten


Roger Walser

08.01.2011, 07:45 Uhr
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Die Vereine sind die Einzigen die wirksam etwas gegen die Gewalt unternehmen können. Wenn sie das nicht freiwillig machen, müssen sie es bezahlen. Man nennt das auch Verursacherprinzip. Was mich persönlich aber mehr stört, dass man von den Spielern selber fast nie etwas gegen die Gewalt gehört. Antworten



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