Der Kiosk unter der Sihl verschwindet

Nach dem Schwamendinger Tramtunnel erhält eine weitere Untergrundstation in Zürich ein Facelifting. Der Bahnhof Selnau wird neu gestaltet.

Lange Fahrt in den Untergrund: Ein Mann auf der Rolltreppe des Bahnhofs Selnau. (Archivbild)

Lange Fahrt in den Untergrund: Ein Mann auf der Rolltreppe des Bahnhofs Selnau. (Archivbild) Bild: Keystone

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«Kaffee und Gipfeli, 3.90 Fr.», verspricht die Aufschrift am «Schwiitz-Kiosk» im Bahnhof Selnau. Doch verpflegen können sich Passagiere der Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn (SZU) dort schon lange nicht mehr. Das dunkelrote Häuschen auf dem Perron der unterirdischen Bahnstation ist seit zwei Jahren geschlossen und macht einen heruntergekommenen Eindruck. Jetzt sind die Tage des Kiosks endgültig gezählt: «Anfang nächsten Jahres wird er abgerissen und nicht ersetzt», sagt SZU-Sprecher Armin Hehli. Der Abbruch erfolgt im Rahmen der Gesamtsanierung des 1990 eröffneten Bahnhofs im SZU-Tunnel unter der Sihl. Diese beginnt Mitte Januar und wird rund drei Monate dauern.

Der Kiosk im Bahnhof Selnau wurde bis 1996 vom Handelskonzern Valora betrieben. Danach versuchte die SZU immer wieder, ihn Dritten zu vermieten. Ohne Erfolg. «Trotz verschiedener Konzepte konnte kein wirtschaftlicher Erfolg erzielt werden», sagt Mediensprecher Hehli. Die Passagierfrequenzen liessen keinen rentablen Kioskbetrieb zu. Deshalb gebe es auch im grosszügigen Zwischengeschoss beim Aufgang zur neuen Börse kein solches Angebot. Hehli weist darauf hin, dass seit der Einführung des elektronischen Handels in der neuen Börse deutlich weniger Mitarbeiter tätig seien.

Neuer Boden, neue Decken

Neben dem ehemaligen Kiosk muss auch die bestehende Perronmöblierung mit den runden Holzsitzen weichen. Das Mittelperron wird auf der ganzen Länge zwischen den Rolltreppen zur Stauffacherbrücke und zur Börse so erhöht, dass Menschen mit einer Behinderung ohne Schwierigkeiten zusteigen können. Auf der Perronoberfläche werden rutschfeste keramische Platten verlegt; ein hellerer Bodenbelag und aufgefrischte Deckenpaneele sollen die Station optisch aufwerten. Der Bahnbetrieb bleibt während des Umbaus aufrechterhalten, wie Hehli sagt.

Insgesamt nahmen die Fahrgastzahlen im Bahnhof Selnau in den vergangenen Jahren aber zu. Laut einer Erhebung der SZU hat sich die Zahl der Ein- und Aussteigenden zwischen 2000 und 2010 um rund 20 Prozent erhöht. Verglichen mit anderen Stationen ist die Entwicklung jedoch unterdurchschnittlich. Die SZU-Station am Hauptbahnhof verzeichnete im selben Zeitraum eine Zunahme um 53 Prozent. Im Schnitt steigen im Bahnhof Selnau an einem Werktag rund 6700 Fahrgäste ein und aus. An einem Samstag sind es knapp 2400 und an Sonn- und Feiertagen jeweils 1600 Fahrgäste.

Kanton und Bund beteiligen sich

An dem 1,3 Millionen Franken teuren Umbau der Station beteiligen sich auch der Kanton und der Bund. Der Kantonsrat hatte 2007 einen Rahmenkredit für Staatsbeiträge zum behindertengerechten Umbau von S-Bahn- und Tramhaltestellen bewilligt. Der SZU wurde darin total 10,3 Millionen Franken zugesprochen. Nicht in den 1,3 Millionen enthalten sind die Kosten für die Erneuerung der Selnau-Rolltreppen, die bereits im Gang ist. Sie gehören zu den längsten in der Stadt.

Erst letzte Woche haben die VBZ den Umbau des Tramtunnels nach Schwamendingen abgeschlossen. Er dauerte 19 Monate und kostete 13 Millionen Franken. Die drei unterirdischen Haltestellen Tierspital, Waldgarten und Schörlistrasse wirken seither heller und freundlicher. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 26.11.2012, 10:33 Uhr)

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