Zürich

«Der Polizeieinsatz hat uns Angst gemacht»

Von Tina Fassbind. Aktualisiert am 19.07.2011 150 Kommentare

Die Stadtpolizei Zürich setzte am vergangenen Freitagabend gegen die Teilnehmer einer illegalen Party Tränengas und Gummischrot ein. Dabei sei alles friedlich gewesen, sagen die Partygänger.

Im Einsatz: Mitglieder der Stadtpolizei mussten gegen Partygänger ausrücken. (Bild: Keystone )

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Freitagabend, 15. Juli 2011. Unter der Duttweilerbrücke im Zürcher Kreis 5 haben sich rund 80 Leute zu einer illegalen Party versammelt. Gegen Mitternacht fiel das bunte Treiben einer Patrouille der Stadtpolizei Zürich auf. Die Beamten wollten die Musikanlage sicherstellen. Beim Abtransport der Anlage sei die «eher ruhige Stimmung» allerdings gekippt. Die Einsatzkräfte seien unvermittelt angegriffen worden. «Die sehr aggressive Menge konnte nur mithilfe eines kurzen Gummischrot- und Reizstoffeinsatzes zurückgedrängt werden», schreibt die Stadtpolizei am Sonntag.

Wurfgeschoss: Eine leere Bierdose

Die Partygänger selbst haben eine ganz andere Sicht der Dinge. In einem anonymen Schreiben an die Medien schildern sie die Geschehnisse jener Freitagnacht. «Die Duttweilerbrücke war voll von Kastenwägen. Etwa 10 bis 15 Polizisten mit Gummischrotgeschoss und Pfefferspray formierten sich in einem Halbkreis rund ums DJ-Pult», heisst es in der Stellungnahme.

Als die Polizisten das Mischpult im Auto abtransportieren wollten, seien sie dabei durch Personen behindert worden, die sich aus Protest vor den Wagen gesetzt hatten. «Die Polizisten setzten zunächst Pfefferspray ein, um diese zu vertreiben. Dann fingen sie an, mit Gummischrot zu schiessen.» Doch selbst zu diesem Zeitpunkt seien die Polizisten zwar beschimpft worden, es sei aber keine Gewalt angewendet worden, betonen die Partygänger. «Nachdem die Polizisten die ersten Schüsse losgelassen hatten, wurde ihnen eine leere Bierdose angeworfen.»

«Gummischrot und Pfefferspray sind unverhältnismässig»

Ein weiterer Teilnehmer der Party bestätigt diese Schilderung der Abläufe in einem Mail an Tagesanzeiger.ch. «Die Polizei setzte Pfefferspray auch gegen Leute ein, die vorerst friedlich protestierten und nicht gewalttätig wurden», betont er.

Die Partygänger sind «enttäuscht» von der Polizei. «Dass sie die Party räumen wollte, kann man verstehen, doch dass sie dazu mit mehreren Kastenwägen, Gummischrot und Pfefferspray eingreifen musste, ist unverhältnismässig», halten sie in ihrer Stellungnahme fest. Die durchschnittlichen Partygänger seien in der Regel friedlich, das wisse die Polizei. «Der Polizeieinsatz hat uns Angst gemacht, wir waren eingeschüchtert durch unseren ‹Freund und Helfer›. Der Einsatz kam uns willkürlich, unüberlegt und unnötig vor.»

Angriff mit Flaschen, Steinen und Büchsen

Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei Zürich, bezeichnet den Einsatz gegenüber Tagesanzeiger.ch als verhältnismässig. Die Partyteilnehmer, die sich vor das Polizeiauto gesetzt hätten, seien zwar tatsächlich passiv gewesen. Als die Polizisten allerdings damit angefangen hätten, sie wegzutragen, seien sie von hinten mit Flaschen, Steinen und Büchsen attackiert worden. «Als wir diese Angreifer mit Gummischrot abwehrten, wurden auch die Personen vor dem Auto aggressiv und mussten mit Reizstoffmittel zurückgedrängt werden.»

Cortesi gibt zu bedenken, dass die Polizisten nicht in Kampfmontur, sondern in normaler Uniform vor Ort waren. «Einen Helm trug keiner.» Auch stehe die Polizei bekanntlich vor allem an den Wochenenden unter enormem Druck. «Das heisst, dass unsere Polizisten in solchen Situationen nicht stundenlang mit den Leuten diskutieren können, wenn sich niemand für die Party verantwortlich zeigen will. Darum wird nach einer gewissen Zeit die Anlage beschlagnahmt, damit die Beamten an den nächsten Einsatzort ausrücken können.»

Null-Toleranz bei illegalen Partys

Wenn keine Bewilligung vorliege und sich niemand für eine Veranstaltung verantwortlich zeige, müsse die Musikanlage konfisziert werden, erklärt Cortesi. «Hätte sich ein Organisator gemeldet, dann hätte er die Anlage selbst wieder mitnehmen können. Er müsste allerdings auch mit einer Ordnungsbusse rechnen.»

Die Polizei könne illegale Partys in der Stadt Zürich nicht tolerieren, so Cortesi. «Unsere Aufgabe ist es, die Schwächsten zu schützen. Das wären in diesem Fall jene Leute, die unter dem Lärm einer solchen Veranstaltung leiden müssten. Auch rund um die Duttweilerbrücke gibt es Anwohner, die ihre Ruhe haben möchten.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.07.2011, 12:36 Uhr

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150 Kommentare

Rudolf Stark

19.07.2011, 14:25 Uhr
Melden 81 Empfehlung

Als direkt betroffener der Illegalen Party vom Wochenende nehme ich dazu Stellung: Ich habe die Stapo mit 117 angerufen.
Wir wurden , als wir uns persoenlich bei den Leuten beschwerten, mit Flaschen und Wurfgeschossen empfangen. Als Buenzlis beschimpft. Wir werden jetzt jedes Wochenende um unsere Liegenschaften patroullieren und bei Laerm sofort die Polizei rufen, wie wir es gemacht haben.
Antworten


Remo Kunz

19.07.2011, 14:56 Uhr
Melden 63 Empfehlung

Immer wieder interessant, wie sich ach so friedliebende Teilnehmer einer illegalen Party oder Demo im Nachhinein als Opfer darstellen. Wer schon mal bei einer Räumung oder Auflösung einer solchen Veranstaltung dabei war, der kann bezeugen, wie besonnen die Polizei aus Angst vor negativer Publicity oder entsprechenden Handyaufnahmen ans Werk geht. Darum, immer schön bei der Wahrheit bleiben... Antworten



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