Der Telefonanschluss mit der schönsten Aussicht von Zürich

Von Tina Fassbind. Aktualisiert am 26.09.2011 18 Kommentare

46 Meter über dem Boden schwebt die Kanzel des Sendeturms vom Uetliberg. Wie es in der Glaskapsel aussieht und was es weiter oben zu sehen gibt im 9. Teil der Serie «Was hinter verschlossenen Türen steckt».

1/34 Das Tor zum Turm: Beat Gottschall von Swisscom Broadcast, der für den Unterhalt der Anlage zuständig ist, öffnet den Zugang zum Areal der Sendestation auf dem Uetliberg.
Bild: Tina Fassbind

   

Der Sendeturm auf dem Üetliberg

Die Serie

«Was steckt dahinter? Was liegt darunter?» Unter diesem Motto öffnet Tagesanzeiger.ch Türen, die allen anderen verschlossen bleiben, und blickt in Gewölbe, die sonst niemand zu sehen bekommt.

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Folgendes gilt es dabei zu beachten:
- Der gewünschte Ort sollte sich im Kanton Zürich befinden.
- Die genaue Adresse, die Koordinaten müssen angegeben werden.
- Wenn möglich sollte ein Foto von der Tür oder dem Eingang zum verborgenen Ort mitgeschickt werden.
- Der Absender muss eine Telefonnummer angeben, unter der er oder sie tagsüber erreichbar ist.

In der Serie bereits erschienen sind:
«Wie die Rettungsleute auf den Einsatz warten»
«Die aussergewöhnlichste 1-Zimmer-Wohnung von Zürich»
«Die vergessene Festung»
«Wo die Ewigkeit beginnt»
«Die Gasse mit der schmutzigsten Vergangenheit Zürichs»
«Gefechtsstand Quaibrücke»
«Wo Maden eine Delikatesse sind»
«Der Fuhrpark gegen Feuer im Dach».

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Er steckt wie eine Nadel im Uetliberg, der Sendeturm der Swisscom Broadcast AG. Weit herum ist der 186,7 Meter hohe Mast zu sehen. Selbst in der Nacht leuchten die roten Warnlampen als Landmarken vom Zürcher Hausberg herab. Wird die Sicht schlecht, beginnt die orange Drehspiegelleuchte an der Turmspitze zu blinken. Der Sendeturm ist längst zum Erkennungsmerkmal der Stadt geworden.

Wie es im Innern der Sendestation Uetliberg aussieht, bleibt den meisten allerdings verborgen. Dabei gibt es in diesem Koloss aus Beton und Stahl einiges zu entdecken. So sind dort unter anderem Gerätschaften des ehemaligen Landessenders Beromünster aufbewahrt. Auch sind noch Anlagen installiert, über die Fernsehsendungen der ersten Stunde verbreitet wurden.

Erinnerungsstücke an die Gründerzeit

«1953 wurden von hier aus drei Stunden pro Woche TV-Sendungen ausgestrahlt. Später hat man das Programm auf je eine Stunde an fünf Tagen pro Woche ausgedehnt», erklärt Beat Gottschall von Swisscom Broadcast AG, der für den Unterhalt der Sendeanlagen zuständig ist. Falls das Experiment Fernsehen nicht funktioniert hätte, wäre der Turm abgebaut und die Sendestation kurzerhand in eine weitere Försterstation für das Revier Uetliberg umfunktioniert worden. «So viel zum Vertrauen, das man damals in diese neue technische Entwicklung hatte», fügt Gottschall lachend hinzu.

In den Gründerzeiten war es noch notwendig, dass die Anlage jeweils bis Sendeschluss besetzt war. Doch das ist längst passé. Die Küche und der Aufenthaltsraum von damals wirken heute unbenutzt. «Hier wird nur noch ab und zu Kaffee gemacht», sagt Gottschall. Die Digitalisierung hielt kontinuierlich Einzug in der Sendestation. 2007 wurde das analoge Fernsehen endgültig ausgeschaltet.

Auch der Sendemast hat sich verändert. Bereits 1958 wurde der ursprüngliche Turm aus dem Jahr 1953 durch einen höheren ersetzt. 1968 wurde der Sendeturm erneut erhöht – auf 132 Meter. 1987 schliesslich wurde mit dem Bau der heutigen Sendeanlage begonnen. Im Mai 1990 konnte sie in Betrieb genommen werden.

Ein verglastes Raumschiff

Die Sendestation Uetliberg ist eine von über 500 der Swisscom Broadcast AG in der Schweiz. Rund 100 Mitarbeiter sind für die Wartung dieser Stationen zuständig. Gottschall ist einer von ihnen. «Es ist ein echter Traumjob», meint er, während er durch den unterirdischen Gang zum Sockel des Sendeturms läuft. «Man ist fast täglich an einem anderen Ort und arbeitet vor den herrlichsten Kulissen.»

Nach einer kurzen Liftfahrt bis zur sogenannten Richtfunkkanzel des Turms wird einem klar, was Gottschall meint: Plötzlich liegt einem ganz Zürich zu Füssen. Wie ein verglastes Raumschiff schwebt die Kanzel über der Stadt und den sanften Hügelketten des Uetlibergs. Der Herbstnebel gibt die Sicht zwar nur häppchenweise frei, das Spiel aus Licht und Wolken verleihen der Szenerie aber umso mehr Dramatik.

Die Terrasse auf dem Sendeturm

Drei gewaltige Richtfunkantennen und ein paar Schalttafeln stehen in der Kanzel – daneben ein simpler Telefonapparat. Der Anschluss mit der wohl schönsten Aussicht von Zürich. Kein Wunder also, nimmt Gottschall die Gelegenheit wahr, um noch kurz einen Anruf zu tätigen, bevor er als krönenden Abschluss der Tour noch den Zugang zur Terrasse über der Kanzel freigibt.

Hier oben, auf nunmehr 55 Metern Höhe, trübt noch nicht einmal eine getönte Scheibe den atemberaubenden Ausblick auf die Stadt und die Umgebung. Hierher gelangt man nur über eine steile Leiter. «Selbst geführte Touren dürfen nicht hier hoch. Es wäre viel zu gefährlich», betont Gottschall. Noch immer ziehen Nebelschwaden am Turm vorbei. Man kann nur erahnen, wie gut man die Alpen von hier aus bewundern könnte. Später am Tag sollte die Sonne von einem wolkenlosen Himmel herabscheinen – doch da war die Türe zum Turm bereits wieder verschlossen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.09.2011, 13:06 Uhr

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18 Kommentare

brigitta colombo

26.09.2011, 13:16 Uhr
Melden 21 Empfehlung

frau fassbind, es tut so gut unter alle den schreckens- und horrormeldungen der letzten tage wieder mal einen bericht von ihnen zu lesen. auch die bilder sind wieder «erste sahne». danke. Antworten


Michael Tanner

26.09.2011, 13:36 Uhr
Melden 9 Empfehlung

Sehr interessanter Beitrag, werde mich mal für eine Führung melden, möchte diesen Ausblick auch mal geniessen. Ausserdem scheint die Technik auch interessant zu sein.
Wer sich für eine Führung interessiert, kann sich ganz einfach bei der Swisscom an der Hotline melden. Dann kann man als Privatperson diesen Ausblick auch mal sehen.
Antworten



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