«Der Trend geht zurück zu Wohnhochhäusern»

Hochhäuser seien längst nicht nur für Manager geeignet, sagt Architekt Patrick Rinderknecht. Die Planung solcher Bauten sei aber sehr viel anspruchsvoller.

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Eine neue Studie besagt, dass viele Zürcher gerne in Wohnhochhäusern wohnen würden. Was sagen Sie dazu?
Das bestätigt unsere Wahrnehmung. Es gibt einen Trend zurück zu Wohnhochhäusern. Wir als Architekten unterstützen diesen Trend, sind uns aber auch bewusst, dass Wohnhochhäuser politisch wie städtebaulich ein sensibles Thema sind.

Weshalb plädieren Sie für Wohnhochhäuser?
Das gültige Baugesetz deklariert alle Häuser ab 25 Meter Gebäudehöhe zu Hochhäusern. Gebäude über 25 Meter sind bei weitem keine Hochhäuser per se, eröffnen jedoch gegenüber der Regelbauweise Qualitäten wie Weitblick und Belichtung und ermöglichen der Öffentlichkeit gleichzeitig Freiraum auf Stadtniveau. Zudem glauben wir daran, dass der Typus Wohnhochhaus nicht nur eine geeignete Wohnform für Manager und Architekten ist.

Welche Schwierigkeiten stellen sich bei der Planung?
Bei einem solchen Bau gelten verschärfte ökonomische, technische wie organisatorische Bedingungen. Fragen wie Kosten, Flächeneffizienz, Erdbebensicherheit, Brandschutz bis hin zum Bauablauf stehen im Zentrum der Architektur. Die Planung eines Wohnhochhauses ist für alle am Prozess Beteiligten – inklusive Bauherrschaft – sehr anspruchsvoll.

Welche städtebauliche Bedeutung haben Wohnhochhäuser?
Mit einem Hochhaus plant man meist einen solitären Baukörper, der wegen seiner Höhe städtebaulich in Erscheinung tritt. Dabei ist es eine Herausforderung, diesen Bau der Bedeutung angemessen zu gestalten, ohne a priori ein Exempel zu statuieren. Gleichzeitig stehen diese Häuser nicht im Grünen, sondern in einem städtischen Gefüge. Die Einbindung in die Stadtebene bedingt ein anderes, aktiveres Verhältnis zur Umgebung – auch wenn sich dies oftmals schwierig gestaltet.

Zusammengefasst gesagt: Verträgt es Ihrer Meinung nach in Zürich noch einige zusätzliche Wohnhochhäuser?
In einer prosperierenden, vielfältigen Stadt wie Zürich hat es sicher Platz für noch mehr Wohnhochhäuser. Insbesondere in den Zonen, die dafür vorgesehen sind. Doch es wäre durchaus auch denkbar, dass in weiteren Gebieten eine Verdichtung in die Vertikale Sinn machen könnte – die Kirchturmspitzen der Altstadt bedürfen jedoch keiner weiteren Konkurrenz. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 10.03.2016, 18:31 Uhr)

Architekt Patrick Rinderknecht. (Bild: Walter Mair)

Hochhäuser: Die Meinung der Experten

Hochhäuser – laut kantonalem Baugesetz sind dies Gebäude mit einer Höhe von mehr als 25 Metern – sind bei Zürcherinnen und Zürchern beliebt: Jeder Zweite könnte sich gemäss einer Studie vorstellen, in ein Wohnhochhaus zu ziehen. Was sagen Experten zum Resultat dieser Umfrage bei rund 1000 Stadtzürchern, und wie ist ihre Meinung zum Thema Hochhausbau? Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat nachgefragt und publiziert die Kurzinterviews in loser Folge. Das ist der fünfte 5. Teil der Serie.

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