Zürich

Der Unterricht findet statt, trotz grossem Lehrer-Notstand

Von Daniel Schneebeli. Aktualisiert am 09.10.2010 5 Kommentare

Das Aushilfspersonal, das den Lehrermangel lindern soll, hält sich gut – vor allem die Studierenden. Trotzdem gibt es zum Teil massive Probleme. Die Bildungsdirektion spricht aber von Einzelfällen.

Einspringen, um den Mangel abzuschwächen: Das pädagogische Aushilfspersonal macht einen guten Job. (Sophie Stieger)

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Hunderte von Lehrerinnen und Lehrern haben im Sommer gefehlt. Aus den Schulen ertönten Hilferufe, die Bildungsdirektion sprach von einer prekären Situation. Inzwischen sind alle Lücken gefüllt. Die Ersatzlehrpersonen stammen aus anderen Kantonen oder aus dem deutschsprachigen Ausland. Es sind pensionierte Lehrer dabei, die zum Weiterarbeiten oder zum Wiedereinstieg überredet wurden, oder Lehrpersonen mit anderen Diplomen. Dazu kommen 60 Studierende aus der Pädagogischen Hochschule Zürich, die im letzten Jahr ihrer Primarlehrerausbildung stecken. Sie haben jeweils zu zweit eine Klasse übernommen und werden von der Pädagogischen Hochschule (PH) begleitet. Eine nicht repräsentative Umfrage des TA zeigt, dass der Unterricht mehrheitlich funktioniert. Besonders die Studierenden werden gelobt.

PH-Prorektor Hans-Jürg Keller bestätigt: «Wir haben bis jetzt nur gute und sehr gute Rückmeldungen erhalten.» Von den 60 Studierenden, welche im Sommer begannen, hat noch niemand das Handtuch geworfen. Sie fänden ihre Arbeit spannend, sagt Keller und bezeichnet den verfrühten Einstieg in den Beruf gar als ideal: «Die Jungen können alle Arbeiten einer Klassen-Lehrperson ausführen und die Verantwortung in den Zweierteams teilen.» Gut sei, dass sie in der PH mit den anderen Früheinsteigern ihre Probleme besprechen könnten.

Lehrerteams müssen helfen

Auch Peter Gerber, Präsident der Zürcher Schulleitervereinigung und Schulleiter in Bülach, hat von den Studierenden Positives gehört. In der Sekundarschule Mettmenriet, die Gerber führt, sind allerdings keine Studenten tätig. Im Mettmenriet war die Situation sehr angespannt gewesen. Vor den Sommerferien hatten noch vier Lehrpersonen gefehlt.

Gemäss Gerber konnten die offenen Stellen rechtzeitig besetzt werden, die letzte am Freitag vor dem ersten Schultag. Allerdings sind zwei von den kurzfristig eingestellten Lehrpersonen bereits ausgefallen. In einem Fall fehlt einer Fachlehrperson die nötige Lehrbefähigung. Sie muss nach den Herbstferien ersetzt werden. Im zweiten Fall ist ein Lehrer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr da. In die Lücke gesprungen ist vorübergehend eine Förderlehrperson aus der Gemeinde.

Peter Gerber hofft nun erneut auf eine kurzfristige Lösung. Nach dem Prinzip Hoffnung müssen derzeit noch andere Schulleiter leben. Gestern waren auf der kantonalen Stellenbörse 56 Dauerstellen ausgeschrieben. Die meisten mit grossem Pensum und fast die Hälfte davon mit Start nach den Herbstferien.

Vielen fehlt das Rüstzeug

Probleme gebe es vor allem mit Lehrpersonen mit stufenfremden Diplomen, weiss Peter Gerber. Er hat von Mittelschullehrpersonen gehört, die ihre Stelle in der Volksschule nach kurzem wieder aufgaben. «Für einen spontanen Einstieg bei uns fehlt vielen das Rüstzeug.» Die Ersatzlehrpersonen seien zudem für die Lehrerteams eine grosse Belastung. Erstens könne man sie für nichts anderes als fürs Unterrichten einsetzen, und zweitens brauchten sie auch dafür die Hilfe ihrer Kollegen. «Viele kennen nicht einmal die Lehrmittel, mit denen sie unterrichten sollten.»

Das bestätigt auch Lilo Lätzsch, die Präsidentin des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (ZLV). Es gebe in den Schulen heute Lehrpersonen, die nur über eine marginale pädagogische Ausbildung verfügten. «Es genügt nicht, wenn man als einzige Methode das Dozieren vor der Klasse kennt.» Auch Lätzsch kennt Fälle, in denen es mit kurzfristig eingestelltem Personal massive Probleme gibt. Besonders stossend findet sie, dass die Schulen für den Zusatzaufwand nicht entschädigt werden. Laut Lätzsch wäre dies kostenneutral möglich, denn Lehrpersonen ohne passende Ausbildung verdienen nur 80 Prozent des normalen Gehalts. Den Rest verlangt Lätzsch jetzt für die Schulen.

Nur vereinzelt Probleme

Martin Wendelspiess, Chef des Volksschulamtes, reagiert auf diese Forderung erstaunt: «Das hören wir zum ersten Mal.» Für solche Verrechnungen gebe es keine Rechtsgrundlage. Für ihn ist die Forderung auch kaum gerechtfertigt. Die Studierenden würden von der PH begleitet. Mit den anderen kurzfristig Eingestellten gebe es zwar vereinzelt Schwierigkeiten, räumt Wendelspiess ein, doch die Meldungen seien angesichts der Gesamtzahl der Anstellungen «verschwindend klein». Dadurch könne kein Anspruch auf die 20 Prozent der Lohndifferenz abgeleitet werden. Im Übrigen seien auch pensionierte Lehrpersonen eingestellt worden, die überdurchschnittlich verdienten.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.10.2010, 08:08 Uhr

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5 Kommentare

maja naef

09.10.2010, 09:00 Uhr
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wozu machen die eigentlich Statistiken über die Bevölkerung wenn sie doch nicht verwendet werden oder falsch gelesen werden. Dieser Lehrermangel war doch absehbar. Das einzige was diese Verantwortlichen wirklich gut können sind Ausreden parat haben und Miseren beschönigen. Antworten


Hannes Marer

09.10.2010, 09:37 Uhr
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Das Selbstmitleid vieler Lehrer ist peinlich und absolut unerträglich und macht genau deswegen den Job für "Neueinsteiger" unattraktiv. Lehrer finden immer einen Grund sich über irgend etwas zu beschweren, sei es nach dem Lehrermangel und angeblicher "Dauerüberforderung" nun auch über die neu dazugewonnenen Arbeitskollegen. Und letztendlich steht immer die Forderung nach mehr Geld im Raum. Antworten



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